Thomas Blockus, der Hipster - Olympiaden – Erfinder rief und die coolen Szenegänger folgten am 21. Tag im Juli 2012. Es sei gleich am Anfang erwähnt, dass die wahren Hipster - die Modeopfer, Nerds und wahren Szenegänger in Ihren Stadtquartieren geblieben sind. Vielleicht fehlt ihnen bei aller Ironie, als ihr bewährtestes Instrument zur Selbstdarstellung, die Begabung, über sich selbst zu lachen.
Mehr Humor bewies Thomas Blockus. Der betonte in seiner Startrede, kein Hipster zu sein. Lächelnd gab er aber zu bedenken, dass diese Olympiade 2012 doch mehr sei als nur „Spaß und Spiel“. Er verlas das „Hipster-Manifest“, in welchem er an die Stadt Berlin einige, wohl nicht ganz ernst zu nehmende Forderungen formuliert hatte: Mehr iPhone-Ladestationen in der U-Bahn, Club-Mate Springbrunnen in Mitte und im Club Berghain mehr Garderobenhaken für Jutebeutel. Na bitte schön.
Zwölf Teams stellten sich bei dieser zweiten Olympiade den Herausforderungen der Lifestyle-Brigadisten im Hornbrillen-Weitwerfen, Jutebeutel-Sackhüpfen, Röhrenjeans-Tauziehen oder Matekisten-Wettrennen. In diesem Jahr gab es auch neue Disziplinen wie das Vintage-Bärte-Basteln oder das Bubble-Tea-Perlen-Tauchen. In dieser Sparte musste mit Sangria-Strohhalmen die Lieblingsnascherei eines großen deutschen Moderators aus Getränken gefischt werden: Gummibärchen - durchgeknallter geht es kaum noch.
Gestylter Hipster-Sport als ironischer Ausdruck der individuellen Note eines Life-Styles, der auch bereits die Innenstädte von London, New York , Barcelona und anderer Metropolen erfasst hat. Bei der Hipster – Bewegung handelt es sich offensichtlich um ein Massenphänomen mit dem Charakter einer Pandemie. Wir haben allerdings unter den 6.000 Besuchern keine echten Hipster gesehen, die im kleinen Herdenverband Röhrenjeans, Jutebeutel, Hornbrillen oder Oberlippen-Bärte trugen - also niemanden mit sorgfältig gestylter Nachlässigkeit der Frisur, Fashion der zurückliegenden 100 Jahre tragend, erworben in den Second-Hand-Shops der Hauptstadt. Niemand verbarg sein Hair-Styling unter Accessoires wie handgestrickten Wollmützen, bis auf eine Ausnahme: Die Viva-Moderatorin und Presenterin eines Versandhauses Palina Rojinski fiel uns im Hipster-Outfit auf. Sie sorgte beim Mate-Kisten-Wettrennen für einige Aufregung, als sie mehrere Kisten entwendete und damit für Neu-Starts sorgte. Das war echt hip und wird bestimmt bei ZDFneo irgendwann zu bewundern sein.
Die Frage nach der Ernsthaftigkeit dieser Olympiade beantwortete Thomas Blockus dem Veranstalter Kultmucke: „Es gibt so viele Leute in Berlin, die wollen stylisch, extravagant und avantgarde sein…. Es ist einfach lustig, das zu konterkarieren und einen tatsächlichen Wettbewerb daraus zu machen: Die Hipster Olympiade.
Das Szenephänomen Hipster wird seit längerer Zeit bereits verspottet, veralbert, aber auch gehasst. Was ist eigentlich die Ursache dieses Spottes?
In einem dapd - Interview nannte der Greifswalder Literaturwissenschaftler Eckhard Schuhmacher „die Uniformität Ihrer Mode. Es könne schon komisch wirken und vielleicht sogar lächerlich, wenn diese sich mit dem Anspruch verbinde, etwas ganz Besonderes zu sein“.
Der gewöhnliche Typ des Hipsters soll mittlerweile auch für die Gentrifizierung der Berliner Innenstadt-Bezirke verantwortlich sein. Hipster-Hasser verspotten den gewöhnlichen Hipster als einen unpolitischen, versnobten Konsumliebhaber, der am liebsten wenig arbeitet, Bücher nur aus dem Schaufenster von Dussmann kennt und mit der Alimentation der Erzeugergeneration seine Miete in den Szene-Vierteln bezahlt, egal, wie hoch sie ist und damit sozial Schwache verdrängt. Aber der mitunter erhobene Vorwurf, Hipster trügen zur sogenannten Gentrifizierung bei … ist nach Auffassung des Wissenschaftlers Eckhard Schumacher nicht gerechtfertigt. Schumacher ist Mitautor des Buches „Hipster: Eine transatlantische Diskussion“ (dapd-bln).
Neben dem Spott für Hipster gehört auch der Hass auf diesen Lifestyle dazu
Auf Youtube kursieren Videos wie „Fuck You Hipster“. „Hornbrillen raus“ steht an Berliner Hausfassaden, und auf spreeblick.de gehen Blogger hart mit dem vermeintlichen Bildungsniveau der Anhänger dieser Lifestyle-Richtung ins Gericht.
Die Hipster-Olympiade 2012 auf dem Postbahnhof war der Knaller und hat nicht nur uns, den sportlich Aktiven, sondern auch den tausenden Besuchern Spaß und Freude bereitet. Übrigens - die vom Veranstalter im Hipster-Manifest geforderte Hornbrille für den Fernsehturm am Alex wäre doch hip, oder?
Fußball war er doch schon mal – der Telespargel - aber das war eine ganz andere Geschichte...
Fotos: Tamara Inashvili





















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