Heimlich sagen die meisten Syrer: Assad wird es nicht schaffen. Viele sind ihm zugeströmt, seit die äußere Einmischung in syrische Angelegenheiten nach wenigen Tagen schon offen zutage trat – zumindest für Eingeweihte. In den letzten Tagen hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung – aber weltweit nicht nur sie – entdeckt, dass die Nato-Medien beim Massaker von Hula ebenso falsch lagen wie anschließend die westlichen Länder im Sicherheitsrat. Dass deshalb auch nur ein syrischer Botschafter wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte, irgendeine Entschuldigung seitens der Nato, irgendein neuer Vorstoß, das blutige Machtspiel Washingtons zu unterbrechen: Fehlanzeige.
Die Nato nutzt einen Grenzzwischenfall, den die Türkei provoziert hat, um mit dem Säbel zu rasseln. 1) Das ermutigt den türkischen Kriegstreiber der ersten Stunde, Premier Erdogan, gegen den erklärten Willen von mehr als zwei Dritteln seines Volkes 2) gegen den ehemaligen nachbarlichen Freund Syrien zu hetzen. 3) Das nützt weder der Demokratie in Syrien, noch den Menschen dort – und genau so verhält es sich in der Türkei. Seltsam nur, dass alle europäischen Kräfte, die doch früher so darauf gedrungen haben, dass die Türkei sich demokratisiere, nun, da Erdogan als regionaler Wadenbeißer amerikanisch-israelischer Interessen auftritt, plötzlich in tiefes Schweigen zu diesem Thema verfallen – wobei sie ebenfalls gegen Syrien hetzen, wie aus Washington befohlen.
Doch auch Taten begleiten die Worte. Langsam wird klarer, dass alle Aktionen gegen den Waffenschmuggel in der Region sich glänzend missbrauchen lassen, um den Waffenschmuggel gegen Syrien zu betreuen. 4)
Hier sind offenbar auch Deutsche beteiligt. Wie der Autor über einen türkischen Mittelsmann von syrischen Offizieren in Militär und Geheimdiensten erfuhr, sollen 40-60 Deutsche in syrischer Haft sein. Die syrischen Quellen geben an, die Deutschen seien auf frischer Tat an der syrischen Mittelmeerküste auf syrischem Boden festgenommen worden, als sie Waffen für die Aufständischen mit zwei Schnellbooten an Land schmuggeln wollten. Diesen Nachschub hatten sie zuvor von einem in internationalen Gewässern ankernden Frachter umgeladen. Alle deutschen Gefangenen sind nach Angaben der gleichen syrischen Sicherheitskreise deutsche Staatsangehörige, einschließlich aus dem Ausland eingebürgerter Personen.
Alle sind bei einem in Stuttgart beheimateten privaten Sicherheitsunternehmen beschäftigt. Diese Deutschen hatten sich nach diesen syrischen Angaben auf verschiedene Stellungen im Sicherheitsbereich beworben – und wurden dann von dem Stuttgarter Unternehmen angesprochen und bei Stuttgart in einem Lager trainiert. Vor fünf Monaten wurden diese Männer in Libyen stationiert und vor zwei Wochen in der Nähe des syrischen Mittelmeerhafens Tartus gefangengenommen, acht bis zehn Kilometer nördlich vom Hafen Banyas. „Wenn wir die Gefängnisse besichtigen, kommen wir uns vor wie bei den Vereinten Nationen“, scherzen syrische Offiziere jetzt gern, „wir haben Gefangene aus derart vielen Ländern der Welt.“
Am Mittwoch kommt die Angelegenheit in der Fragestunde des Bundestages vermutlich nicht mehr zur Sprache, auf Anfrage der Linken-Abgeordneten Inge Höger, die auch im Verteidigungsausschuss sitzt, weil das Thema „Verteidigung“ weit hinten platziert wurde. Die Antwort erfolgt schriftlich und kann folglich noch ein wenig auf sich warten lassen.
Verschiedene Medien melden hochrangige Deserteure. 5) Dieser Erosionsprozess kommt spät, jedoch wird er weitergehen – wie immer in diesen Dingen: Je länger, desto schneller. Wir alle wissen, "wie Untergang geht". Wir haben den grauenvollen Sterbeprozess Libyens mitbekommen, wie die Nato ihn organisiert hat.
Klar ist: Die Regierung in Damaskus hat keine Konzepte außer Militäreinsatz. Und auch der folgt keinem genauen Konzept, weil er ständig zwischen militärischen Notwendigkeiten und politischen Rücksichtnahmen schwankt. Das ist nachzuliefern, wenn Aussicht auf Erfolg geschaffen werden soll. Was fehlt, ist eine vorausschauend handelnde Regierung, auf die syrische Bürger seit Jahrzehnten vergeblich warten. Nicht zuletzt haben diese Mängel ja auch die terroristischen Eingriffe von außen mit Nährboden im Inland bestärkt:
- eine offen kommunizierte Verhaltensweise aller Ministerien, damit auch die Bevölkerung weiß, was sie wann und wo warum erwartet
- ein gewaltiges Programm zur Versorgung und Betreuung der betroffenen Bürger
- ein ebenso gewaltiges Wiederaufbau-Programm in allen von Kämpfen betroffenen Gebieten
- ein vernetztes, lokales Überwachungssystem durch Bürger mit Polizei und Militär zuzüglich Geheimdienste, um einsickernde Aufständische sofort zu erkennen und zielgerichtet bekämpfen zu können
- ein System, dass die sofortige Berichterstattung über die Kämpfe organisiert und auch das Außenministerium sofort einbindet, wegen der allfälligen Proteste gegen äußere Einmischung, Söldner-Bezahlung und -ausrüstung etc.
Sollte es gelingen, die Institutionen Syriens derart auf Trab zu bringen, wäre das ein Wunder. Aber schon das Verfassungsreferendum und die jüngsten Wahlen waren Wunder.





















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