Nun wird also die Atomenergie umetikettiert. Es ist nicht mehr die Energie der Zukunft, nicht mehr die saubere Energie, die preiswerte Energie, sondern eine Brückentechnologie. Brückentechnologie? Was soll denn damit gemeint sein?
Die deutsche Sprache ist einfach wunderbar: Bei Bedarf erfindet man sich neue Worte, und meistens erklären die sich sogar von selbst. Brückentechnologie: Das ist eine Technologie, die eine Brückenfunktion übernimmt. Aha. Die sozusagen nur temporär gebraucht wird. Damit man von der einen Technologie zur andern kommen kann.
Die eine Technologie ist die verlässliche Technologie der Vergangenheit, die der Kohlekraftwerke, gar die der Zeit vor der industriellen Revolution, als man gewissermaßen noch festen Grund unter den Füßen hatte. Die andere ist die Technologie der Zukunft, in der wir wieder festen Grund unter den Füßen haben werden, die schon sichtbar wird, in der wir von problematischen Energiequellen unabhängig sein werden und nicht nur das, in der wir Energie in Hülle und Fülle haben, überall, weltweit, so dass Energie nicht nur preiswert wird, sondern darum auch nicht mehr gestritten werden muß: Es wird keine Kriege mehr geben wegen Energie. (Nun gut, dann wird man sich andere Gründe für die Kriegführung einfallen lassen - damit werden Kriege nicht ausgerottet.) Und in der Zwischenzeit verlassen wir uns auf die feste Brücke, die uns über den Abgrund tragen wird von der einen in die andere Zeit.
Volksverdummung
Das klingt doch sehr gut. Wer immer sich dieses Wort hat einfallen lassen, darf sich auf die Schulter klopfen: Es ist ein schönes Wort, ein angenehmes Wort, ein verständliches Wort, man kann damit viel machen. Zum Beispiel Politik. Die Politik, so sind inzwischen fast alle überzeugt, führt systematisch alle Leute ständig hinter das Licht. Die Politiker machen erstens, was sie wollen, nicht etwa, was die Wähler wollen, aber genauer betrachtet machen sie noch nicht mal das, was sie wollen, sondern das, was die Lobbyisten wollen, und auch die machen nicht das, was sie wollen, sondern das, was die Superreichen wollen, die die wirkliche Macht haben und sie auch ausüben, und zwar ohne Skrupel und ohne Rücksicht auf die Belange der Menschheit.
Damit sind wir bei den Verschwörungstheorien, an denen zumindest so viel dran ist, daß ganz offensichtlich diejenigen, die über die Mittel verfügen, die öffentliche Meinung beeinflussen können. An dieser Situation hat sich auch durch das Internet wenig geändert. Man kann sogar sagen, daß es sich verschlimmert hat: Die reichweitenstärkste deutsche Internetpräsenz, der Onlineableger des Nachrichtenmagazins Spiegel, lässt an Niveau, Haltung und Sorgfalt so gut wie alles vermissen, was sich vermissen lässt und nähert sich mit Lust den journalistischen Prinzipien der Bild-Zeitung an, und auch die Printversion ist längst nicht mehr das, was ihr einstmals zu Ruhm verholfen hat. Auch im Internet findet eine Gegenöffentlichkeit so gut wie nicht statt.
Die öffentliche Meinung ist schwer zu greifen, aber zweifellos vorhanden, ein jeder bildet sich täglich seine Meinung neu und ist dabei angewiesen auf Informationen, denen er trauen kann. Das Internet macht es zwar leichter, sich zu informieren und verschiedene Meinungen einzuholen, deren Verlässlichkeit zu überprüfen und sich mit anderen auszutauschen, auch seine eigene Meinung publik zu machen, aber die grundsätzlichen Verhältnisse haben sich eigentlich nicht verändert. Im Gegenteil muss man feststellen, daß auch die Meinungsäußerung in Foren manipuliert wird, und zwar in Form von
» Provokateuren, die die Diskussion ganz bewusst stören und diskreditieren. Das Establishment schlägt gewissermaßen zurück und benutzt dieselben Mechanismen.
Zivilcourage
In dieser Situation verdient ein Politiker der CSU besondere Beachtung und Wertschätzung, der sich der allgemeinen Tendenz widersetzt hat, den angeblichen Zwang der Verhältnisse nicht gelten lässt und seinen Kopf einschaltet, um die Situation zu analysieren und selbst zu einer Bewertung zu kommen. Dabei fiel es ihm nicht schwer, grundsätzliche Widersprüche in der Argumentation derjenigen zu finden, die seine Stimme für ihre üblen Zwecke missbrauchen wollten.
Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
» Josef Göppel hat, als einziger in der CSU, gegen die Laufzeitverlängerung gestimmt und dazu folgende Erklärung abgegeben:
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Mit anderen Worten: Er hat die Begriffsbildung Brückentechnologie als Lüge enttarnt. Er hat sich etwas getraut, was kaum jemand sich zutraut: Selbst zu denken, zu urteilen und zu seiner Einsicht zu stehen und für sie zu kämpfen.
» Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das »
› Bandbreitenmodell eingeführt werden muß, und zwar global.





















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