Es war Gründonnerstag. Die Medien hatten so lange gewulfft, dass es schon kaum noch jemanden interessierte, als sich der 84 Jahre alte Günter Grass vor eine Kamera des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NDR setzte und sein geschriebenes Gedicht vortrug. Er sprach von Planspielen, in welchen wir am Ende nur Fußnoten seien, falls wir diese überlebten und der Planspieler sei Israel und auf dem Plan stehe der Angriff auf den Iran, der Erstschlag. Außerdem müsse er sein Schweigen brechen, denn es könnte morgen schon zu spät sein, und der brüchige Weltfriede ist in Gefahr durch diese Planspiele.
Eigentlich sprach er nur von dem, was schon lange bekannt ist, denn Israel plant diesen Angriff und dieser Angriff gefährdet den wirklich sehr brüchigen Weltfrieden auf diesem Planeten. (Hiermit verweise ich auf den von mir im Dez. 2011 erschienenen Artikel). George Orwell sagte einst: „In Zeiten universeller Täuschung ist das Aussprechen von Wahrheit ein revolutionärer Akt.“ Diese Zeit der universellen Täuschung haben wir schon lange. Die Medien berichten von der Abtragung des Matterhorns im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, angeblich macht der Präsident Ahmadineschad unsere Bratwürste teurer und Israel soll von der Landkarte getilgt werden.
Günter Grass sprach keine Verschwörungstheorien aus, hetzte nicht wie die israelische Regierung gegen den Iran und anders herum. Er sagte, wie es ist und was ganz einfach auch gesagt werden muss. Doch wer heutzutage Kritik an Israel äußert, der kriegt es mit der antisemiten Keule, egal aus welchem Land man kommt, auch wenn man selbst jüdischer Abstammung ist. Schnell wird von GraSS geschrieben und der SS-Mann sei wieder zurück.
Einzig und allein der Mut ist schon ehrbar, dass Grass sich in dieses heikle Thema wagt, doch was er dazu noch sagt, ist noch mutiger. Was hat er auch noch zu verlieren? Er ist achtfacher Vater und Großvater, Nobelpreisträger und war früher in der SS. Eines, was ich nicht verstehe, ist, warum man ihn den SS-Strick drehen will und ihn auch daran hängen sehen mag. Es waren Zeiten zwischen 1933-1945, die für uns, die nachfolgenden Generationen, kaum nachvollziehbar sind. Viele Junge Menschen, die damals gar nicht wussten, was Hitler da überhaupt sagte, waren in der HJ. Viele Männer wurden in die SS berufen und ich möchte nicht wissen, was los war, wenn man sich der Berufung zur SS widersetzte.
Grass hat nun gesagt, was gesagt werden muss und es wurde auch Zeit, dass dies ausgesprochen wurde, denn es ist reichlich spät und gefährlich im Nahen Osten geworden, um noch etwas zu retten. Ein Krieg gegen den Iran hätte Ausmaße des wahrscheinlich Unvorstellbaren - ein dritter Weltkrieg! Deswegen sollte man nicht auf Grass sofort herumhacken, sondern man sollte das Gedicht gelesen und auch verstanden haben. Denn nur wer es liest, kann es verstehen und Grass nachvollziehen.
Hier noch einmal das Gedicht von Günter Grass:
Was gesagt werden muss
Von Günter Grass
"Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind.
Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren - wenn auch geheim gehalten - ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist?
Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er missachtet wird; das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig.
Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muss.
Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten.
Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muss, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir - als Deutsche belastet genug - Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.
Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.
Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, mehr noch, allen Menschen, die in dieser vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen."
In diesem Sinne, Frohe Ostern






















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