Man findet derart merkwürdige, außergewöhnliche Geschöpfe auch zuweilen im wohl sortierten Kräutergarten gleich hinter der eigenen Hexenküche oder auf wildblumigen Wiesen und Auen, doch man muss schon genau hinschauen, um sie zu erkennen. Ihnen zu begegnen ist alles andere als einfach, sie in ein offenes Gespräch zu verwickeln, um Ihnen das eine oder andere, über Jahrhunderte überlieferte Geheimnis zu entlocken, beinahe unmöglich.
Der mystische Harz mit seinen teilweise wieder undurchdringlichen, von Bodennebel und tiefhängenden, schweren Wolken verhangenen Wäldern und seiner relativen Abgeschiedenheit von der modernen Zivilisation, seiner magischen Geschichte und zauberhaften Gegenwart, seiner ungeheuren Vielfalt an seltenen Pflanzen und bunten Tierwelt bietet dafür Christine Thuma-Werner, einst Wahlberlinerin und nun Harzerin im kleinen, vom Aussterben bedrohten Ortsteil von Herzberg namens Sieber, die allerbesten Voraussetzungen. Hier kommt sie zur Ruhe, kann sich im Herzen Mutter Naturs auf das Wesentliche konzentrieren, um zu sammeln und anzupflanzen, um einzukochen, einzumachen und haltbar zu machen, und auch, um ihr weitreichendes und wertvolles Wissen in Bücher zu verpacken, eben wie in ihr neu erschienenes, spannendes Almanach „Hausgemachtes Hexenallerlei“, einem Nachschlagewerk, das tiefe Einblicke in uraltes, zur Heilung von vielerlei Leiden erarbeitetes Hexenwissen gewährt, angereichert mit praktischen Hinweisen für Hexenlehrlinge und Rezepten für die magische Hexenküche.
Es klingt wie das Drehbuch aus einem Fantasy- Film, zauberhaft und magisch, mystisch und geheimnisvoll, wenn Christine Thuma- Werner darauf zu sprechen kommt, übrigens exklusiv für den Zeitfokus, wie es begann, ihr Leben als Hexe oder modern ausgedrückt, als wissende Kräuterfrau und Naturheilkundlerin erster Güte. Allein ihr slawischer Name, gleichlautend einer im Jahre 1188 gegründeten Ortschaft und geschichtsträchtigem Stammsitz derer von Thuma im heutigen Niederösterreich, beurkundet nicht nur von Druiden und Zauberern von einst, sondern auch von namhaften Künstlern und Schriftstellern von heute, lässt aufhorchen und tiefgründiges, uraltes Wissen erahnen, angesammelt über viele Jahrhunderte, weitergereicht durch Erzählen und Lehren von Müttern und Großmüttern an deren Kinder, Enkel und Urenkel.
Mehr als 800 Jahre altes Wissen um die Wirkungsweise von Kräutern und Heilpflanzen, deren Standorte, Jahreszeiten und Zeitpunkte der Ernte, um das vorsichtige und wohl dosierte Verarbeiten zu Salben, Tees und Tinkturen, um das richtige Verwenden der eigens hergestellten Mittelchen zur Heilung aller möglichen Krankheiten und Beschwerden finden sich wieder im Wissen und im „Hausgemachten Hexenallerlei“ von Christine Thuma-Werner, Tochter des in Berlin sehr bekannten Manfred L. Thuma und Bruder des die Naturheilpraxis des Vaters unterstützenden und verstärkenden Marco-Alexander Thuma. Auch hier finden sich etliche Jahrzehnte wertvoller Praxiserfahrung, verbunden mit frischen und modernen, zum großen Teil inzwischen selbst von der Schulwissenschaft anerkannten und erwiesenen Erkenntnissen aus der Naturheilkunde.
„Lass Nahrung deine Arznei sein und deine Arznei deine Nahrung!“, zitiert Christine Thuma-Werner den einem Jedem zumindest vom altehrwürdigen Namen her bekannten Lehrer, Arzt und Philosophen Hippokrates immer wieder gern, so auch dem Schreiberling gegenüber, der gemeinsam mit ihr vor einer kleinen Auswahl getrockneter Kräuter in der wohl sortierten und ordentlich aufgeräumten, sauberen Hexenküche sitzt und die gespannten Ohren spitzt, um möglichst viel ihres Wissens förmlich aufzusaugen. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – noch ein Zitat aus dem alten Griechenland –„ich lerne jeden Tag dazu, und das nach mehr als 40 Jahren Praxis,“ meint die auch auf einem ganz speziellen Randgebiet aus- und weitergebildete, adrette Frau und schaut mir dabei ernst in mein unwissendes Gesicht, während ein Lächeln um ihre wissenden Augen huscht. „Schon im Alter von 7 Jahren unterrichtete mich meine Großmutter, und ich hatte das einmalige Glück, bei meinem Vater in seinem Praxislabor schon sehr früh mit den wunderbaren Eigenschaften der Heilpflanzen in Kontakt zu kommen. So konnte ich nicht nur uraltes Wissen erfahren, sondern mich auch durch eigene akademische Studien zur Ernährungsphysiologin und Ernährungspsychologin ausbilden lassen.“ Dabei greift sie immer wieder in Gläser mit allerlei duftenden, bunten und getrockneten Blüten und Blättern, lässt mich schnuppern, erklärt mir, was es mit dem Lavendel und der Mistel auf sich hat.
Zugegeben, es ist alles andere als leicht, der ‚Hexe‘ ohne warzenbedeckte Hakennase, Kinder verabscheuendem Image und Reisigbesen zur Hand (obwohl dieser seinen angestammten Platz in ihrer Küche durchaus hat) zu folgen; zu umfangreich sprudelt ihr Wissen aus ihr heraus wie aus einer frischen Bergquelle und ich frage mich, wie die vorzugsweise in ein traditionelles Dirndl gekleidete Mittvierzigerin es nur bewerkstelligt hat, sich all das in ihrem noch so jungen Leben angeeignet zu haben. Jetzt weiß ich auch, dass ich nichts weiß!
Demnächst und exklusiv im Zeitfokus: Ein Kräuterkalender von Christine Thuma-Werner
Selbst aufgewachsen im Harz, wird mir gewahr, dass ich zwar oft und schon als Kind durch die herrlichen Wälder gestreift bin, doch offensichtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen habe. Doch ich weiß auch, dass ich mehr wissen möchte, dass ich lernen möchte von Christine Thuma-Werner, und meine Freude ist groß, als sie mir mitteilt, sie beabsichtige fortan möglichst jeden Monat mindestens einen Beitrag für den Zeitfokus zu verfassen, damit unsere Leser sich mit den Wundern der Natur wieder vertraut machen können. Eine Art Kräuterkalender schlägt sie vor, immer bezugnehmend auf die jeweilige Jahreszeit, auf den Mondkalender und weitere magische Zyklen und Zeitpunkte, auf Astrologie und Zauberei, auf Tarot und Mineralien, deren es ebenso viele gibt wie Heilkräuter und denen ebenso starke Wirkungen innewohnen. „Meine persönlichen magischen Heilsteine sind die Perle, der Amethyst und die chinesische Jade.“
Die Stunden verfliegen wie im Hexenflug und sind geprägt von geheimnisvoller Magie. Ich verspüre deutlich positive Schwingungen, es scheint zu knistern in der Luft. Überall duftet es, getrocknete Kräuter zieren Wände und Fenster, doch nirgendwo ist Übermaß zu erkennen, nichts scheint zu viel, alles fein sortiert und in kleinen Mengen abgepackt und aufgehangen. „Hexen sind naturverbundene Wesen, die lebenslang lernen und Traditionen leben! Einer meiner wichtigen Leitsätze lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Jeder kann lernen, sich selbst und andere Mitmenschen zu heilen, ihnen zu helfen, gesund zu werden, aber auch, alte Traditionen zu begreifen und zu leben. Gerade in unserer modernen, hektischen, von allen möglichen Einflüssen wie Fernsehen, Handys und Computer bestimmten Zeit möchte ich mit meinem Kräuterkalender einen wertvollen Gegenpol zur Verfügung stellen, damit die Menschen zurückfinden können zu Mutter Natur, die unseren allerhöchsten Respekt und unsere wirkliche Demut verdient.“
Und dazu gehört nicht nur das Sammeln, das Kennen und Erkennen der wundersamen Heilpflanzen, wilden und gezogenen Kräuter sowie Pilzen, Beeren, Sträuchern und deren Früchte, sondern natürlich auch deren Haltbarmachung und Verarbeiten nach strengsten Regeln und Rezepturen. „Ich unterrichte nicht nur mittels Kräuterwanderungen und sehr praxisnah in meiner kleinen ‚Hexenküche‘. Eine ‚Hexe“ zu sein und ihr entsprechendes Dasein zu leben beinhaltet nämlich auch, uralte Traditionen zu erhalten, zu fördern und – ganz wichtig – an Mitmenschen weiterzugeben, wie z.B. die hexentraditionelle Textilkunst in Form von Patchwork, das in geduldiger Handarbeit Anfertigen von Dirndlen und Trachten oder gar von moderner, handgestrickter ‚Hexenmode‘.“ Voll Enthusiasmus und Freude zeigt mir Christine Thuma-Werner halbfertige Patchwork- Arbeiten und erzählt mir von einer kleinen Gruppe traditionsbewusster und handwerklich geschickter Damen aus dem schönen Sieber, mit denen sie gemeinsam Ausstellungen ihrer Handarbeiten organisiert. (Termine und Orte werden hier beizeiten bekannt gegeben).
Ich komme nicht umhin, der liebenswerten Dame die Frage nach ihrer Lieblingspflanze zu stellen. Ihr Antwort überrascht mich nicht: „Alle! Mir ist die Mistel allerdings am heiligsten! Viscum album (so der Fachbegriff) war bereits den Druiden, auch denen um das Gebiet Karlstein an der Thaya in Niederösterreich, wo der Name Thuma herstammt, schon die heiligste aller Zauber- und Heilpflanzen. Mir besonders, da sie auch heute in der Krebstherapie erfolgreich eingesetzt wird. Seit den 30igern des letzten Jahrhunderts wird diese wundersame Pflanze, die insbesondere alljährlich zu Weihnachten so manchen Hauseingang schmückt, äußerst wissenschaftlich erprobt in zahlreichen Therapien verwendet. Überwiegend bekannt ist die Mistel in Form von Ampullen zum Spritzen, beispielsweise von der Firma Wulf Rabe. Doch weitere Geheimnisse dazu, wie z.B. die Baumart, auf der die Mistel wachsen muss, damit sie besondere Kräfte entwickeln kann, oder Ähnliches gebe ich aus Respekt vor Mutter Natur besser nicht preis!“
Nun hat er mich wieder, der Harz und sein Zauber, seine Magie und seine wunderbare Kraft. Kaum nach Berlin umgesiedelt, packt mich das Heimweh und die Sehnsucht nach meinen Wäldern, nach Waldgeistern, Pilzen und Wildkräutern, nach frischem Quellwasser und moosüberwucherten Baumstümpfen. Und nun auch nach uraltem Wissen. Doch ich muss zurück nach Berlin, glücklicherweise im Gepäck das „Hausgemachte Hexenallerlei“ von meiner Interviewpartnerin. Wen nun das Hexenfieber gepackt hat, der kann sich schlau machen, kann zurückfinden zu Mutter Natur und ihren Schätzen, in respektvoller Anleitung durch die Niederösterreicherische Berliner Hexe, die nun den Harz mit ihrer wertvollen Anwesenheit bereichert.
Der bei Books on Demand GmbH in Norderstedt erschienene Einband ist zu bestellen unter der ISBN- Nr. 978-3-8423-6370-0 und kostet € 29,95 (DE). Einen weiteren Artikel von Christine Thuma-Werner unter dem Titel „Ein Fest für Heilpflanzen zu Mariä Himmelfahrt“ finden Sie hier im Zeitfokus.






















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