Doch warum waren damals Initiativen zur Gründung des Regionalverbandes entstanden? Wie meist in solchen Fällen gab es damals für die Verantwortlichen nicht nur einen Beweggrund. Maßgeblich war die Einsicht, dass im zusammenwachsenden Europa in größeren Zusammenhängen gedacht werden muss. Es galt, Kooperation, Koordination und Kommunikation zwischen den beteiligten Landkreisen mit Göttingen als Oberzentrum und den Städten und Gemeinden zu verbessern. Ziel war es darüber hinaus, in den Prozess der Regionsbildung auch Verantwortliche aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur einzubeziehen. Dies sollte erfolgen, ohne eine neue bürokratische Ebene zu schaffen. Vor zwanzig Jahren war - nicht gravierend abweichend von der heutigen Situation - viel von Konsens die Rede und von Selbstorganisation. Entstehen sollten Entwicklungskonzepte und Vorschläge für Maßnahmen und Projekte zur Lösung der regionalen Strukturprobleme.
Vorbilder für diesen Prozess gab es damals eigentlich kaum. In Niedersachsen gab es schon damals die Strukturkonferenz Ostfriesland. Und Braunschweig dachte der Innenminister Gerhard Glogowski über die Gründung eines Großraumverbands nach. Darüber hinaus waren die anderen Landkreise, Städte und Gemeinden weitgehend auf ihre Kommunalgrenzen fixiert. Der damalige Göttinger Kreisrat Rolf Erich Parr hatte sich aber bei einer Veranstaltung des Deutschen Instituts für Urbanistik in Berlin einen Überblick über die Diskussion auf Bundesebene verschafft und von dort Anregungen für die Verbandsgründung in Südniedersachsen mitgebracht.
Die Einladungen zu der Gründungskonferenz waren vom heutigen Northeimer Ehrenlandrat Axel Endlein und dem im vergangenen Jahr verstorbenen Göttinger Oberstadtdirektor Hermann Schierwater unterzeichnet worden. Aktiv dabei waren aber die heutigen Bürgermeister Dieter Sjuts aus Hardegsen, Frank Priebe aus Nörten-Hardenberg und Wolfgang Nolte aus Duderstadt. Zu den Promotoren gehörte aber auch die Kreistagsabgeordnete der Grünen, Maria Gerl-Plein.
Der damalige Landtagsabgeordnete Thomas Oppermann war der kraftvollste und entschiedenste Befürworter der Verbandsgründungsidee. Er sorgte auch dafür, dass Wirtschaftsminister Dr. Peter Fischer und Regierungspräsident Helmut Dohr an der Versammlung teilnahmen und aktiv am Prozess der Verbandsbildung mitwirkten.
Wichtigste Aufgabe war zunächst der Öffentliche Personennahverkehr, der damals außerhalb des Stadtgebietes Göttingen noch mangelhaft ausgestaltet war. In der Gründungsversammlung wurde aber auch über eine engere Zusammenarbeit in der Abfallwirtschaft, über die Entwicklung der Kultur, über die Notwendigkeit eines Regionalmarketings nach innen und außen und über eine verbesserte Abstimmung in der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung debattiert.
Damals ging es jedoch ausdrücklich nicht um die Veränderung kommunalpolitischer Grenzen. Man wollte keine Gebiets- und keine Funktionalreform. Man wollte keine neue Verwaltungsebene. Alles sollte auf freiwilliger Basis passieren.
Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Regionalverbands, Landrat Bernhard Reuter, sind vom Regionalverband viele wichtige Impulse ausgegangen. Er habe dazu beigetragen, dass sich das Zusammengehörigkeitsgefühl in Südniedersachsen verbessert habe – was sich auch positiv auf die Arbeit anderer Institutionen ausgewirkt habe. Nach außen spiele das seit 15 Jahren vom Verband mit heraus gegebene RegionalJournal RegJo zu Recht eine große Rolle.
Der Regionalverband, so Reuter, wirke aber mehr nach innen. So werden die Städte und Gemeinden beispielsweise bei der Frage beraten, wie sie ihre Innenentwicklung stärken und damit ihre Attraktivität steigern können. Die Freiwilligkeit stoße aber auch an ihre Grenzen. Reuter: „Das haben wir bei dem Thema Einzelhandel deutlich gemerkt. Die eine Hälfte unserer Kommunen macht bei unserer regionalen Einzelhandelskooperation mit, die andere nicht. Künftig müssen wir in der regionalen Zusammenarbeit mehr Verbindlichkeit schaffen. Das gilt insbesondere auch für die Regionalplanung.“
Ausgehend vom Regionalverband wurde in den neunziger Jahren der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen gegründet. Er ist inzwischen für die Planung des Bus- und Bahnverkehrs der Region verantwortlich. Der Regionalverband hat nicht zuletzt durch seine zahlreichen Veranstaltungen viele Diskussionen angestoßen– in den letzten Jahren insbesondere zu den Auswirkungen des demographischen Wandels. Vom Regionalverband ist die Bildung der Dachmarke „Genius Göttingen“ ausgegangen, er hat 2010 für die Gründung des Vereins Gesundheitsregion Göttingen gesorgt. Besondere Bedeutung hat derzeit die Entwicklung der Bildungsregion Göttingen. Parallel dazu hat der Regionalverband für seine Arbeit Mittel auf Landes- und Bundesebene eingeworben und EU-Mittel genutzt.






















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