Osterode a.H., 10. Juli 2012 – Migrantinnen und Migranten sind in Deutschland und auch im Landkreis Osterode am Harz überproportional von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Neben dem zentralen Vermittlungshemmnis Sprache wirken besonders fehlende Qualifikationen und Schulabschlüsse, mangelnde Erfahrung mit den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes und feste Traditionen einer Integration entgegen. Die Notwendigkeit von Qualifikation und beruflichem Erfolg, um unabhängig von staatlicher Hilfe zu werden, wird oft nicht erkannt.
Entsprechend stellt sich die Eingliederung von langzeitarbeitslosen Menschen mit Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt als komplexes Aufgabenfeld dar. Auch diese Herausforderung hat das Jobcenter des Landkreises Osterode am Harz mit seiner Gründung 2005 angenommen und nutzt für die spezifische Zielgruppe die Fachkompetenz der AWO, die als Träger umfangreiche Erfahrungen mit den besonderen Herausforderungen der Migrationsarbeit hat. Unter Fachaufsicht des Jobcenters arbeiten spezielle Fallmanager mit interkulturellen Kompetenzen gemeinsam mit den Migranten an einer erfolgreichen Eingliederung.
Die Integration in den Arbeitsmarkt ist nicht nur Voraussetzung für eine gelungene Eingliederung in die Gesellschaft, sie eröffnet auch die Möglichkeit, multikulturelle Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Zuvor müssen jedoch multiple Vermittlungshemmnisse erkannt und beseitigt werden. Neben Sprachkursen und der Erarbeitung eines Persönlichkeits- und Tätigkeitsprofils spielen oft Fragen zum Aufenthaltsrecht oder der Anerkennung von Zeugnissen eine Rolle. Die Migrationsfallmanager benötigen daher nicht nur eine ausgeprägte Beratungskompetenz und interkulturelles Fingerspitzengefühl, sondern auch sehr gute Kenntnisse in migrationsspezifischen Rechtsfragen.
Die Arbeit mit Migranten ist in vielen Beziehungen komplex. Sie kommen aus allen möglichen Ländern und Kulturkreisen, umfassen alle Altersgruppen mit ihren spezifischen Anforderungen und erfordern die Auseinandersetzung mit verschiedensten Problemlagen, sei es in Zusammenhang mit Kultur, Tradition, Familie, Qualifikation oder psychischen Beeinträchtigungen durch traumatische Erfahrungen im Heimatland. Oft ist es nach Klärung der rechtlichen Grundlagen die erste Aufgabe, überhaupt ein Problembewusstsein zu wecken, z.B. für die Bedeutung fehlender Sprachkenntnisse oder nicht vorhandener Ausbildung. Es handelt sich um einen Prozess intensiver Einzelfallarbeit, der nicht selten unter Einbeziehung der gesamten Familie stattfinden muss.
Erfolgserlebnisse entschädigen immer wieder für die umfangreiche Arbeit: Ein junger Mann aus Tunesien hatte in seinem Heimatland angefangen, Maschinenbau zu studieren. Auf Grund einer Familienzusammenführung kam er nach Deutschland, bekam das Aufenthaltsrecht und wurde somit vom Migrationsfallmanagement im Jobcenter betreut. Mit dem Ziel, auch in Deutschland Maschinenbau zu studieren, absolvierte er innerhalb eines Jahres mehrere aufeinander aufbauende Sprachkurse. Parallel bekam er Unterstützung dabei, Unterlagen und Zeugnisse aus Tunesien zu beschaffen. In Tunesien ist es unerlässlich, persönlich bei Behörden vorzusprechen, schriftlich ist kaum etwas zu regeln. Nachdem die Unterlagen aus Tunesien endlich vorlagen, überprüfte der zuständige Fallmanager gemeinsam mit der Technischen Universität Clausthal, ob der Abschluss dem Abitur in Deutschland entspricht und die Voraussetzung für das gewünschte Studium bietet. Inzwischen ist der junge Mann an der TU für die Fachrichtung Petroleum Engineering immatrikuliert und wird später eine dringend benötigte Fachkraft im technischen Bereich werden.
Unterstützt werden die Migrationsfallmanager intern von den verschiedenen Fachabteilungen des Jobcenters und extern von wichtigen Netzwerkpartnern wie der Ausländerbehörde oder dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Seit 2005 wurden im Rahmen dieser Kooperation unzählige Integrationssprachkurse und spezifische Qualifizierungsmaßnahmen für Migranten entwickelt und durchgeführt. Derzeit plant das Projektmanagement des Jobcenters in Zusammenarbeit mit der Prager Schule eine spezifische Qualifizierungsmaßnahme zur Vorbereitung der Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt für männliche Migranten im gewerblich technischen und kaufmännisch verwaltenden Bereich.
Bildunterschrift: Ala D. im Gespräch mit einem Migrationsfallmanager; Foto: Landkreis Osterode am Harz





















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