Wie kamen Sie dazu, sich intensiv mit dem Thema Immission zu beschäftigen?
Hierzu muss ich in meine Kindheit zurückgehen. Ich absolvierte 1964 eine Lehre als Elektriker in einem Heizöl- und Kohlelager. Am Abend danach bekam ich die ersten neurologischen Ausfälle in Form von Migräneattacken, mein Gesichtsfeld war eingeschränkt und der sogenannte Tunnelblick stellte sich ein. Meine Farbwahrnehmung veränderte sich rapide, helle Möbel nahm ich nur noch als schwarze Schatten wahr. Dies hielt ein paar Stunden an, verbesserte sich aber bald wieder.
Wussten Sie von Anfang an, dass der Auslöser in Ihrer damaligen Arbeitsstätte zu suchen war?
Nein, mir war dies anfänglich nicht bewusst. Erst, nachdem die Symptome immer wieder kamen und über längere Zeit auftraten, machte ich mir mehr Gedanken darüber. Aber richtig ernst nahm ich dies als Jugendlicher nicht. Meine Krankheitsschübe, - ich dachte, ich wäre zu faul, um zu arbeiten. Damals dachte man so.
Wann wurde Ihnen wirklich real bewusst, dass hier eine körperliche und psychische Reaktion auf Schadstoffe stattfand?
1976 hatte ich in der Schweiz einen sogenannten Aha- Effekt. An einem schönen Sonnentag ging ich in der tollen Natur wandern, bis ein Traktor meinen Weg kreuzte. Während dieser an mir vorbei zog, bemerkte ich starke Reaktionen auf dessen Abgase. Überrascht auf meine körperlichen Reaktionen, aber auch neugierig auf das Warum haben mich veranlasst, mich gezielt damit zu beschäftigen. Danach habe ich in der Zeit von 1976 bis ca. 1981 nur Informationen über Dieselstoffe gesammelt. Was sich mir hier an Wissen auftat, war außergewöhnlich.
Nach meinen Informationen waren Sie an der Wichmann-Studie beteiligt. Wie kam es dazu?
Ja, ich bin 1981 auf die Arbeitsgemeinschaft "Allergiekrankes Kind" in Herborn aufmerksam geworden und kam mit der Geschäftsführerin Frau Stock ins Gespräch. Über den Verein habe ich 1984 Hans-Erich Wichmann, der einen Vortrag über Schadstoffe hielt, kennengelernt. Hier konnte ich mein angesammeltes Wissen anbringen und somit entstand die noch heute international anerkannte Wichmann-Studie.
Erwähnt hat Wichmann Sie aber nicht in seiner Studienarbeit?
Nein, leider wurde mir hier keine Beachtung geschenkt.
Wie ging es danach weiter? Ich kann mir gut vorstellen, dass es recht schwierig ist, sich nach so einem herben Rückschlag wieder neu aufzuraffen, um an dem Thema Dieselschadstoffe aktiv weiter zu arbeiten?
Es ist noch heute ein schwarzer Punkt in meinem Leben, aber gut. Ich arbeitete in meinem Beruf als Elektriker und habe dies auch zu meinem Hobby gemacht. Über die Firma Klöckner -Moeller, bei der ich mich ehrenamtlich engagierte, baute ich eine Sicherheitsanlage. Gleichzeitig realisierten wir eine Computeranlage, dessen Ziel es war, den ersten leistungsfähigen einheitlichen Computer mit System zu bauen und diese mit der Dieselabgasthematik zu koppeln. Leider konnte dies aus Kostengründen bis heute nicht umgesetzt werden. Selbst der Mineralölkonzern Aral hatte zur damaligen Zeit in einer Studie die Schädlichkeit von Diesel erwähnt. Und dadurch den ersten Superdiesel erfolgreich entwickelt.
Ein ziemlich komplexes Thema...?
Ja, aber wenn man einmal den Hintergrund verstanden hat, zeigt es den Menschen auf, wie gefährlich veränderte Dieselabgasstoffe in Wirklichkeit sind und welche Auswirkungen sie auf Mensch und Natur haben.
Nun berechnen Sie ja die Human Immissionswerte und sind auf besorgniserregende Daten gekommen. Was muss man sich unter dem Begriff Human Immission vorstellen und was lösen diese Stoffe aus?
HI ist der wirksame Schadstoffanteil, der bei einem Menschen eine Wirkung auslöst. Herausgefunden wurde auch von einer Eliteuniversität aus Fernost, dass Stoffe im Nano-Bereich eine tausendfache größere Wirkung auslösen können. Das heißt, kommt ein Mensch in Verbindung mit einer Niedrigdosis Stoffen, kann es tausendfach schlimmere Auswirkungen haben als herkömmliche Wirkstoffe.
Wenn ich dies richtig verstanden habe, haben Sie durch Ihre Berechnungen herausgefunden, das Inhaltstoffe von Diesel, die in diesen Nanobereich fallen, diese tausendfach erhöhte Wirkung auslösen können?
Genau so ist es. Wenn Dieselabgase in dieser Niedrigdosis in die Atmosphäre geraten, entspricht das tausend gleichwertiger Dieselfahrzeuge, die an einem vorbeifahren.
Aber unsere Erde ist vollgepumpt mit Schadstoffen? Wie kann also eine Niedrigdosis schädigend sein?
Die Schädigung erfolgt durch den relativ hohen Sauerstoffanteil. Wenn dieser in der Atmosphäre herrscht, können die Dieselstoffe in Niedrigdosis schädigend wirken.
Wie kann man dies verhindern?
Verhindern kann man dies nur, indem keine Dieselabgasstoffe in die Atmosphäre geleitet werden. Und was noch viel wichtiger ist, dass man dieselverstärkte Stoffe sofort verbietet.
Sie meinen mit dieselverstärkten Stoffen vor allem die Palmölbeimischungen?
Ja, korrekt. Ohne Palmölbeimischungen sind Dieselstoffe mittlerweile relativ humanverträglich mit geeigneten Filtern. Hinzu kommt bei den Palmölbeimischungen noch ein fader Beigeschmack von Inflationsproblematik. Wissen Sie, Palmöl ist ein Stoff, der, solange er in einem kalten Zustand verwendet wird, unschädlich ist, wird er erwärmt oder verbrannt, entstehen schädliche Stoffe - dies bemerkt man meistens an dem Geruch/Gestank. Da es keine hundertprozentige Verbrennung gibt, verbleibt ein unverbrannter Rest von Kohlenwasserstoff, der an sich schon schädigend ist. Wird dieser geringe Stoff dazu noch mit Sauerstoff und Stickstoff in der Atmosphäre angereichert, entsteht ein neues hoch toxisches Gift.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Elektroautos, die durch alternative Energien hergestellt werden. Wir haben genug alternative Stromerzeugung auf der Welt. Dies wird leider als problematisch dargestellt, was es bei Weitem nicht ist. Ausserdem schaffen die neuen Energien auch neue Arbeitsplätze. Dann würde es uns Umweltpatienten auch besser gehen und wir müssten nicht so isoliert leben.
Herr Winter, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen alles erdenkliche Gute.
Weitere Informationen über Wolfgang Winter erhalten Sie unter nachfolgenden links:
http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2004/1702/pdf/ab146-1.pdf
http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2004/1702/pdf/ab146-2.pdf
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