Vor allem in personeller Hinsicht blickt Bärbel Rogoschik, die Leiterin des NABU- Artenschutzzentrums, auf ein schwieriges Jahr 2011 zurück: "Durch den nicht verhinderbaren Systemwechsel hatten wir nicht nur wie üblich im Bereich der Tiere einen hohen Durchsatz, sondern auch in personeller Sicht. Zudem fiel der Wechsel genau in die Zeit der Jungtieraufzucht, wo wir von jeher auf flüssige Arbeitsabläufe angewiesen sind".
Der Hauptanteil der Pflegetiere summierte sich auch im vergangenen Jahr aus heimischen Wildvögeln, von denen 1.277 Tiere aus 90 Arten in Leiferde versorgt wurden. Unter Ihnen befanden sich 121 Greifvögel und 23 Eulen. Für letztere bedeutet dies den schwächsten Wert seit mindestens 10 Jahren. Gegenteiliges lässt sich von Weißstörchen berichten, welche gleich mit 38 Individuen zugegen waren.
Ebenfalls auf hohem Niveau bewegte sich mit 167 Tieren aus 40 Arten die Anzahl der aufgenommenen Reptilien (und Amphibien). Diese Zahl wäre sicher deutlich höher ausgefallen, sofern die Aufnahmekapazitäten des NABU- Artenschutzzentrums die Unterbringung weiterer Tiere zugelassen hätten. Darüber hinaus wurden als zahlenmäßig starke Gruppe 247 Säugetiere aus 16 Arten im NABU- Artenschutzzentrum beherbergt. Mit 164 Tieren spielten Igel hierbei eine besondere Rolle. Besonders erfreulich war die Auswilderung einer handaufgezogenen Wildkatze.
Anhand der Auswertung der Herkunft der gepflegten Tiere offenbarte sich einmal mehr, dass sich der Einzugsbereich des NABU- Artenschutzzentrums deutlich weiter als auf die umliegenden Landkreise erstreckt. Insgesamt stammen die im vergangenen Jahr in Leiferde gepflegten Tiere aus über 40 verschiedenen Landkreisen.
Bezüglich der Einlieferungsursachen bestätigten sich die Auswertungsergebnisse der vergangenen Jahre. So war auch im Jahr 2011 der (vermeintliche) Verlust der Elterntiere die häufigste Ursache (709 Tiere), welche eine Einlieferung in das NABU- Artenschutzzentrum zur Folge hatte. Mit reichlich Abstand folgten die Kategorien "Kollisionsopfer"(200 Ind.), "Verletzung durch Tiere" (155 Ind.), sowie "Entwichen/Ausgesetzt" (134 Ind.).
Nicht unerwartete Auffälligkeiten gab es bei der Auswertung der Einlieferungszeiten. Bedingt durch die bereits erwähnten personellen Veränderungen ist das NABU- Artenschutzzentrum nachts nicht mehr besetzt, so dass die Abgabe von Tieren zu diesen Zeiten nur noch in Ausnahmefällen möglich ist. Joachim Neumann, Mitarbeiter des NABU- Artenschutzzentrums, weist jedoch darauf hin, dass das NABU- Artenschutzzentrum zwar nicht mehr rund um die Uhr besetzt, dennoch aber rund um die Uhr erreichbar ist: "Für Notfälle haben wir eine Hotline eingerichtet, über die ein Mitarbeiter des Zentrums jederzeit erreichbar ist. Erfahrungsgemäß lassen sich viele Probleme telefonisch lösen, in Ausnahmefällen kann aber auch eine kurzfristige Übergabe von Tieren verabredet werden".
Neben seiner Funktion als Wildtierauffangstation wurde das NABU- Artenschutzzentrum auch seinem Umweltbildungsauftrag gerecht. Bei insgesamt 163 Veranstaltungen konnten 2.587 Teilnehmer der unterschiedlichsten Altersklassen begrüßt werden. Als besonders beliebt zeigten sich einmal mehr die Kindergeburtstage, welche allein 57 Mal gebucht wurden. Darüber hinaus fanden 46 Seminare oder Ferienspaßaktionen und 20 Führungen statt.
Ein besonderes Ereignis war das Storchenfest, welches am 17. April bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 20° C fast 4.000 Besucher auf das Gelände des NABU-Artenschutzzentrums lockte. Auch der Förderkreis war seinem Namen entsprechend im Jahr 2011 wieder sehr aktiv und unterstützte die Arbeit des NABU-Artenschutzzentrums großzügig mit der Finanzierung mehrerer Mitarbeiter.
Wie Uwe-Peter Lestin, Vorsitzender des Förderkreises des NABU- Artenschutzzentrums, betonte, soll diese Art der Förderung auch künftig fortgesetzt werden: "Die Unsicherheiten bei der Umstellung vom Zivil- zum Bundesfreiwilligendienst haben uns gezeigt, welchen Stellenwert personelle Planungssicherheit für die Arbeit des Zentrums innehat. Als Problem hat sich zudem in der Vergangenheit offenbart, dass bei einer realistischen Einarbeitungszeit von ca. 100 Tagen bei gleichzeitig immer kürzer werdenden Diensten die Qualität der Arbeit leidet. Wir haben uns deshalb entschlossen im nächsten Jahr eine Ausbildungsstelle zum Zootierpfleger zu finanzieren, um dieser Entwicklung gegenzusteuern. Da sich dankenswerterweise auch die Landkreis Gifhorn Stiftung und die Stadt Wolfsburg bereit erklärt haben jeweils eine Ausbildungsstelle zu finanzieren, sehe ich das NABU- Artenschutzzentrum auf einem gutem Weg die erfolgreiche Arbeit auf einem hohen Niveau fortzusetzen".
Foto: NABU- Artenschutzzentrum; Junger Brillenkaiman






















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