• Fünf Stunden Präsentationen, elf Referenten, 144 Folien: An Informationen hat es die Deutsche Bank auf ihrem Investorentag nicht mangeln lassen. Dass die Aktie dennoch schwächer als der Dax schloss, darf man als Indiz werten, dass sich die Begeisterung der Investoren in engen Grenzen hält. Man muss aber ebenso konstatieren: Es ist auch nichts weiter kaputt gegangen, nachdem die Bank noch im September ihre Ertragserwartung leicht gesenkt hatte.

  • Die ersten Investmentbanker der Deutschen Bank mussten in London und New York schon an diesem Montag ihre Sachen packen. 18.000 weitere Beschäftigte des größten heimischen Geldhauses werden dieses Schicksal in den kommenden Jahren teilen müssen. Jede fünfte Stelle fällt dem Schrumpfkurs der Bank zum Opfer. Normalerweise würde eine Branchengewerkschaft lautstark den Vorstand schelten und nach Rücknahme der Pläne rufen. Doch diesmal ist es anders.

  • Welche Kennziffer ist die mieseste der Deutschen Bank? Die harte Kernkapitalquote? Mit 13,4 Prozent lässt sie wenig Puffer für den laufenden Umbau, befindet sich aber im Lot. Die Aufwand-Ertrag-Relation? Mit 112,6 Prozent hat sie im zweiten Quartal wegen hoher Einmalkosten einen Sprung gemacht, und bereits zuvor war die Ziffer mit Werten nahe der Marke von 90 Prozent bescheiden. Die Eigenkapitalrendite? Sie beträgt nach Steuern je nach Rechnung zwischen 20,6 und 23,7 Prozent, und zwar mit negativem Vorzeichen, aber rote Zahlen sind die Aktionäre ja schon gewohnt. Die wichtigste Größe aber kann nur geschätzt, gefühlt, beschrieben, nicht aber gemessen werden: Vertrauen.

  • Just in dem Moment, in dem sich auch der letzte Beobachter darauf eingestimmt hatte, dass die Deutsche Bank ihre Verlustserie fortsetzen würde, fährt das Institut wieder einen Gewinn ein - mitten im Konzernumbau und am Beginn der vermutlich größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte scheint der Ertragsschwund überwunden zu sein. Erwartungsgemäß deutet Vorstandschef Christian Sewing die positive Entwicklung als Beleg für die Fortschritte des unter seiner Ägide eingeleiteten Umbaus.

  • Der angekündigte Konzernumbau der Deutschen Bank ist nicht irgendein Sparprogramm. Die jetzt verkündeten Maßnahmen markieren einen Wendepunkt in der Geschichte und Strategie von Deutschlands größtem Geldhaus. Es ist auch die Abkehr vom einstigen Anspruch und Selbstverständnis, einer der wichtigsten globalen Bankenriesen zu sein. Einer, der aber auch weltweit mit Problemen, Milliardenstrafen und Verlusten zu kämpfen hat.

  • Nicht alles lässt sich so schnell über Bord werfen wie 18.000 Mitarbeiter. Wer dachte, dass sich die Deutsche Bank mit dem am Wochenende angekündigten Kahlschlag in der Belegschaft und mit der Verschiebung von Risikoaktiva im Volumen von 74 Mrd. Euro in eine neue Bad Bank gleich auch ihrer vielen anderen Altlasten entledigen könnte, wurde in den vergangenen Tagen schnell wieder eines Besseren belehrt.

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