Abzocke bei Parship

Foto: Rachel Scott / CC0 (via Pixabay)

Themen
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Gegen Parship und seine Tochterfirmen gibt es inzwischen eine wahre Klageflut, berichtet das Verbrauchermagazin SUPER.MARKT in seiner neuesten Ausgabe. Allein im vergangenen Jahr gab es über 1.200 Verfahren, wie das zuständige Amtsgericht Hamburg dem rbb auf Nachfrage mitteilt.

Das Problem: Wenn Kunden im Rahmen ihres 14tägigen Widerrufsrechts den Vertrag kündigen, berechnet das Vermittlungsportal einen sogenannten Wertersatz von mehreren hundert Euro, auch wenn es nur zu einigen wenigen Kontakten (Textnachrichten, Freischalten eines Fotos, Kommentare, Emojis) gekommen ist.

Verbraucherzentralen empfehlen jedoch, dagegen zu klagen. Die Chancen auf Erfolg stünden meistens gut, auch wenn sich Parship darauf beruft, dass ein Urteil die Praxis des Wertersatz-Abzugs für prinzipiell zulässig erklärt hat. In einem anderen Urteil zugunsten eines enttäuschten Parshipers heißt es nämlich: Die Hinweise zum sogenannten Wertersatz seien erstens gut versteckt und zweitens würden die wenigen Kontaktaufnahmen in keinem angemessenen Verhältnis zu den berechneten Geldsummen stehen.

Gegenüber dem Verbrauchermagazin SUPER.MARKT hält der Berliner Rechtsanwalt Thomas Meier-Bading das Vorgehen von Parship und seine Tochterfirmen für unzulässig. Er hat viele Geschädigte erfolgreich vertreten und sagt "Die Berechnung des Wertersatzes nach Kontakten ist falsch, weil die Kontakte nicht die Leistung sind, die vertraglich vereinbart ist, sondern vereinbart ist die zeitliche Nutzung." Seiner Ansicht nach mache Parship dies, um die Leute von ihrem Widerrufsrecht abzubringen und ans Portal zu binden, damit sie mit entsprechend vielen Mitgliedern werben könnten.

Parship will auch künftig den so genannten Wertersatz in Rechnung stellen. Das Vermittlungsportal begründet die Praxis dem rbb gegenüber mit den Interessen der Stamm-Mitglieder. "Sie dient vor allem dazu, unsere Mitglieder vor massenhaft versendeten, unpersönlichen E-Mails und Enttäuschungen durch halbherzige, kurzfristige Kontakte zu schützen."

Auch wenn Parship etwas anderes suggeriere, meint die Verbraucherzentrale: die Chancen, zu viel gezahltes Geld wiederzusehen, stehen gut - man muss sich trauen, zu klagen.



Quelle: ots/Rundfunk Berlin-Brandenburg


Themen (Top 10/365)

  • Achtung, Lobbyarbeit!
    Montag, 04. Februar 2019

    Grundschul-Toiletten sorgen in Bayern seit Tagen für Gesprächsstoff. Nachdem zum 1. Januar das Geschlecht "divers" als drittes Geschlecht gesetzlich anerkannt worden ist, kündigten mehrere...

  • Datenschutzbehörden beklagen massive Personalnot
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Die Datenschutzbehörden der Länder leiden unter massivem Personalmangel. Das hat eine bundesweite Umfrage des MDR-Magazins "exakt" ergeben. Die Datenschutzbeauftragten kritisieren eine viel zu dünne...

  • Armut darf sich nicht vererben
    Sonntag, 13. Januar 2019

    Kinderarmut - das bedeutet im reichen Deutschland nicht, dass Kinder Hunger leiden oder kein Dach über dem Kopf haben. Und doch ist, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband errechnet hat, jedes...

  • Gesetzeswidrige Abschiebung nach Afghanistan
    Dienstag, 17. Juli 2018

    Ein Asylbewerber, der am 3. Juli mit 68 weiteren nach Afghanistan gebracht wurde, hätte nach Recherchen des NDR nicht abgeschoben werden dürfen. Nasibullah S. hatte im Dezember 2015 Asyl beantragt,...

  • Kein Asyl für Nasibullah S.
    Freitag, 14. September 2018

    Die Klage des im Juli 2018 unrechtmäßig abgeschobenen afghanischen Flüchtlings Nasibullah S. gegen seinen abgelehnten Asylantrag ist nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der...

  • Polizei setzt immer stärker auf Social Media
    Mittwoch, 05. September 2018

    Information und Imagepflege, aber auch Unterhaltung und neuerdings sogar der Kampf gegen „Fake News“: Die Polizei baut ihre Präsenz in sozialen Netzwerken rasant aus. Bundesweit betreiben...

  • Lehren aus Datenklau: Unions-Innenexperte fordert Abgeordnete zu mehr Vorsicht auf
    Freitag, 11. Januar 2019

    Nach dem großangelegten Datenklau bei Politkern hat der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Mathias Middelberg, die Bundestagsabgeordneten zu mehr Vorsicht aufgerufen. Middelberg sagte der...

  • Zahl der minderjährigen Rekruten in der Bundeswehr 2018 deutlich gesunken
    Montag, 14. Januar 2019

    Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr 1679 Soldatinnen und Soldaten eingestellt, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren. Dies war ein deutlicher Rückgang um etwas mehr als 20 Prozent...

  • Internationaler Geldwäscher-Ring soll aus Deutschland agiert haben
    Dienstag, 13. November 2018

    Deutschland steht im Zentrum eines internationalen Geldwäsche-Verfahrens. Die französische Justiz wirft 14 Beklagten vor, in zahlreichen Fällen Gewinne aus Drogenverkäufen in Europa zunächst in den...

  • Bio-Hühner: Deutschland droht juristischer Ärger mit EU-Kommission
    Montag, 04. Februar 2019

    Deutschland droht erneut juristischer Ärger mit Europa. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, bemängelt die Brüsseler Generaldirektion für Landwirtschaft die Haltung der Elterntiere von...