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Relotius: Bilanz der Fälschung

Gebäude der Gruppe DER SPIEGEL auf der Ericusspitze von Nordwest, HamburgFoto: Wolfgang Meinhart / GFDL 1.2 (via Wikimedia Commons)

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Relotius: Bilanz der Fälschung

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Der Fall Claas Relotius hat im Dezember 2018 die Medienwelt erschüttert. Der ehemalige „Spiegel“-Redakteur fälschte oder dramatisierte über Jahre viele seiner Reportagen. Er besaß die Gabe, seine Vorgesetzten zu blenden und die Leserinnen und Leser seiner Geschichten zu faszinieren.

Das NDR Medienmagazin „ZAPP“ beschäftigt sich am Mittwoch, 29. Mai, um 23.20 Uhr in einer ganzen Ausgabe mit dem spektakulären Fall. „ZAPP“ hat sich angesehen, was deutsche Verlage von ihm seit 2010 veröffentlicht haben. Von einem Praktikum bei der „taz nord“ mit kleineren und auch tagesaktuellen Berichten abgesehen, lieferte er allein hierzulande mehr als 100 Texte, vor allem Reportagen, Portraits und Interviews.

All diese Medien haben inzwischen Prüfergebnisse vorgelegt. Sie lassen Interpretationsspielraum zu, doch grob ergibt sich dieses Bild: Bei mehr als einem Viertel der Artikel haben die Redaktionen den Verdacht, dass Relotius Details dramatisiert, erfunden oder größere Teile aus anderen Medien abgeschrieben hat. Jede fünfte Geschichte gilt in den Redaktionen ziemlich sicher zu wesentlichen Teilen als Erfindung.

Bevor der „Spiegel“ kurz vor Weihnachten 2018 die Affäre selbst öffentlich machte, hatte Relotius in Deutschland für die Nachrichtenagentur dpa, das Magazin „Cicero“ die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Financial Times Deutschland“, das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, den „Tagesspiegel“, die „Welt“, für Medien der „Zeit“ und vor allem für „Spiegel“ und „Spiegel Online“ geschrieben. Seine Abschlussarbeit an der Hamburg Media School lief 2012 im NDR Fernsehen. Der Film war nach internen Prüfungen durch den NDR nicht zu beanstanden.

Auch in den Verlagen gelten nicht all seine Beiträge als Fälschung: Gut ein Viertel der Artikel sehen die Redaktionen im Wesentlichen als „sauber“ an. Immer wieder stoßen die Redaktionen bei der Prüfung der Texte, die sich veröffentlicht haben, jedoch an Grenzen: Protagonisten melden sich nicht oder sind tot. Relotius selbst hatte Ende 2018 einige Manipulationen zugegeben. Seitdem schweigt er zu weiteren Details.

„ZAPP“ dokumentiert wesentliche Aussagen der „Spiegel“-Chefredaktion und der vom Nachrichtemagazin selbst installierten Prüfkommission. In einer Reportage begleitet das Fernsehmagazin eine Gruppe von Journalistenschülern auf Auslandsrecherche: Wie verändert sich die Reportage ganz praktisch in Zeiten der Relotius-Affäre?



Quelle: NDR
338 Wörter im Bericht.

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