Lesezeit: 2 Min

UNHCR-Flüchtlingsbericht: Deutsche Verantwortung vor der Geschichte

BDM-Führerinnen beim Besuch des Konzentrationslagers Dachau, 1936Foto: Bundesarchiv, Bild 152-11-30 / CC-BY-SA 3.0

Themen
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

UNHCR-Flüchtlingsbericht: Deutsche Verantwortung vor der Geschichte

.

Genau 50 Jahre nach der Gründung ihres Flüchtlingskommissariats UNHCR erklärten die Vereinten Nationen (UN) 2001 den 20. Juni erstmals zum Weltflüchtlingstag. Seither wird das Datum vom UNHCR jährlich zum Anlass genommen, seinen Bericht "Global Trends" zu den weltweiten Fluchtbewegungen zu veröffentlichen. Und seit 2012 weist die Zahl Jahr für Jahr weiter nach oben. "So viele wie nie zuvor" wird zur Routineformulierung.

Die Brandherde auf der Welt verschieben sich dabei zum Teil. Aber die Kernaussagen sind seit Jahren stabil: Die meisten Menschen sind innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht; die armen Länder tragen die größte Last; noch nicht einmal zehn Prozent der Flüchtlinge leben in Europa.

Es ist gut, dass die teils irrationale Emotionalität, mit der das Thema Flüchtlinge zeitweise in Deutschland diskutiert wurde, abgekühlt ist. Denn das könnte Raum geben für die nüchterne Bestandsaufnahme, dass die internationalen Fluchtbewegungen neben (und teils im Zusammenhang mit) dem Klimawandel eine der dauerhaften Zukunftsherausforderungen für die Weltgemeinschaft bleiben werden. Also nichts, was sich wegsperren, wegdrängen, verhindern oder leugnen ließe. Wer heute darauf keine Antworten findet oder sich zumindest darum bemüht, den werden sie morgen mit umso größerer Wucht treffen.

Deutschland bemüht sich, Antworten zu finden. Ja, es ist richtig und wichtig, dass Hilfsorganisationen wie Pro Asyl, Flüchtlingshelfer und Kirchen weiter den Finger in die zahlreichen Wunden legen. Deutschland profitiert von der brutalen Abschottung der Balkanroute und vom kritikwürdigen Flüchtlingspakt mit der Türkei. Die Unterdrückung der Seenotrettung bleibt ein fortwährender Skandal. Und manche Entscheidung deutscher Ausländerbehörden lässt die Menschen, denen die Not der Betroffenen aus den täglichen Begegnungen vertraut ist, die Haare raufen. Aber zur Wahrheit gehört auch: Es gibt weit und breit keine westliche Industrienation, die sich auch nur annähernd so engagiert wie Deutschland.

Das ist mehr als der Einäugige unter den Blinden. Daran lässt sich noch immer so etwas wie Verantwortung vor der Geschichte ablesen, die Gott sei Dank von den Vereinfachern und Hetzern noch nicht aus dem kollektiven Bewusstsein gelöscht werden konnte. Das Lob des UNHCR und der Blick auf die Fakten des jährlichen Berichts sind in emotional abgekühlteren Zeiten dazu angetan, dieses Verantwortungsgefühl zu stärken und zu stabilisieren. Und das wird dringend notwendig sein. Das nächste "So viele wie nie zuvor" ist nur eine Frage der Zeit.



Quelle: ots/Westdeutsche Zeitung
370 Wörter im Bericht.

Themen (Top 10/365)

  • Achtung, Lobbyarbeit!
    Montag, 04. Februar 2019

    Grundschul-Toiletten sorgen in Bayern seit Tagen für Gesprächsstoff. Nachdem zum 1. Januar das Geschlecht "divers" als drittes Geschlecht gesetzlich anerkannt worden ist, kündigten mehrere...

  • Datenschutzbehörden beklagen massive Personalnot
    Mittwoch, 13. Februar 2019

    Die Datenschutzbehörden der Länder leiden unter massivem Personalmangel. Das hat eine bundesweite Umfrage des MDR-Magazins "exakt" ergeben. Die Datenschutzbeauftragten kritisieren eine viel zu dünne...

  • Armut darf sich nicht vererben
    Sonntag, 13. Januar 2019

    Kinderarmut - das bedeutet im reichen Deutschland nicht, dass Kinder Hunger leiden oder kein Dach über dem Kopf haben. Und doch ist, wie der Paritätische Wohlfahrtsverband errechnet hat, jedes...

  • Gesetzeswidrige Abschiebung nach Afghanistan
    Dienstag, 17. Juli 2018

    Ein Asylbewerber, der am 3. Juli mit 68 weiteren nach Afghanistan gebracht wurde, hätte nach Recherchen des NDR nicht abgeschoben werden dürfen. Nasibullah S. hatte im Dezember 2015 Asyl beantragt,...

  • Kein Asyl für Nasibullah S.
    Freitag, 14. September 2018

    Die Klage des im Juli 2018 unrechtmäßig abgeschobenen afghanischen Flüchtlings Nasibullah S. gegen seinen abgelehnten Asylantrag ist nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der...

  • Polizei setzt immer stärker auf Social Media
    Mittwoch, 05. September 2018

    Information und Imagepflege, aber auch Unterhaltung und neuerdings sogar der Kampf gegen „Fake News“: Die Polizei baut ihre Präsenz in sozialen Netzwerken rasant aus. Bundesweit betreiben...

  • Lehren aus Datenklau: Unions-Innenexperte fordert Abgeordnete zu mehr Vorsicht auf
    Freitag, 11. Januar 2019

    Nach dem großangelegten Datenklau bei Politkern hat der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Mathias Middelberg, die Bundestagsabgeordneten zu mehr Vorsicht aufgerufen. Middelberg sagte der...

  • Zahl der minderjährigen Rekruten in der Bundeswehr 2018 deutlich gesunken
    Montag, 14. Januar 2019

    Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr 1679 Soldatinnen und Soldaten eingestellt, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren. Dies war ein deutlicher Rückgang um etwas mehr als 20 Prozent...

  • Internationaler Geldwäscher-Ring soll aus Deutschland agiert haben
    Dienstag, 13. November 2018

    Deutschland steht im Zentrum eines internationalen Geldwäsche-Verfahrens. Die französische Justiz wirft 14 Beklagten vor, in zahlreichen Fällen Gewinne aus Drogenverkäufen in Europa zunächst in den...

  • Bio-Hühner: Deutschland droht juristischer Ärger mit EU-Kommission
    Montag, 04. Februar 2019

    Deutschland droht erneut juristischer Ärger mit Europa. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, bemängelt die Brüsseler Generaldirektion für Landwirtschaft die Haltung der Elterntiere von...