Viele Ärzte und Psychotherapeuten lehnen Anschluss an Telematik-Infrastruktur weiterhin ab

Foto: Wynn Pointaux / CC0 (via Pixabay)

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Laut E-Health-Gesetz sollen sich alle Arzt- und Psychotherapiepraxen bis zum 30. Juni 2019 an die Telematik-Infrastruktur (TI) anschließen. Doch die Ablehnung bei den Ärzten und Psychotherapeuten ist weiterhin groß. Das teilte die Freie Ärzteschaft (FÄ) am Mittwoch mit. "Viele Kolleginnen und Kollegen lassen sich nicht anschließen und nehmen den angekündigten Honorarabzug von 1 Prozent in Kauf", sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich in Essen. Diese Haltung werde von zahlreichen Verbänden der Ärzte und der Psychologischen Psychotherapeuten unterstützt.

Informationen zufolge sind bisher nur 30 bis 40 Prozent der Praxen angeschlossen, regional teilweise auch nur um die 20 Prozent. Viele Ärzte zweifeln an der Sicherheit der Patientendaten. "Die zentrale Speicherung von Gesundheitsdaten kann nicht sicher sein", sagt FÄ-Vizevorsitzende Dr. Silke Lüder. "Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geplante Öffnung der TI für mobile Geräte kompromittiert die vorgebliche Sicherheit des Systems vollends."

Zudem sei die TI nicht praxistauglich: Ärzte, die sich mit ihrer Praxis angeschlossen haben, berichten von Systemabstürzen, Behinderungen der Abläufe und der Nichteinlesbarkeit älterer Versichertenkarten. Laut einer Umfrage des Ärztenachrichtendienstes gibt es in bis zu 50 Prozent der TI-Praxen funktionelle Probleme. Etliche Ärzte sind von einer geplanten Installation zurückgetreten, weil die Refinanzierung teilweise ungewiss ist und künftig mit ständigen und steigenden Kosten für Hard- und Software zu rechnen ist.

Die IT-Firmen machen unterdessen Druck und manche Ärzte sorgen sich, dass ihnen außer Honorarabzug weitere negative Folgen drohen - etwa, dass man irgendwann ohne TI nicht mehr abrechnen kann. FÄ-Vize Lüder betont: "Dafür gibt es derzeit keine Grundlage. Der 1-Prozent-Abzug wird ohnehin beklagt werden - Kollegen sollten gegen den Abrechnungsbescheid der betroffenen Quartale stets Widerspruch einlegen." Und ob angesichts eines zunehmenden Ärztemangels später mit weiteren Sanktionen zu rechnen sei, sei nicht sicher. Bei der hohen Zahl von Praxen, die sich absehbar nicht anschließen würden, seien schärfere Sanktionen politisch derzeit kaum vorstellbar.



Quelle: Freie Ärzteschaft

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