#zeitfokus.

Sonntag, 05 Apr 2020
  • Zur Überwindung des Organspende-Notstandes fordert die neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), eine Widerspruchslösung, bei der Spender oder deren Angehörige eine Entnahme ablehnen müssen. "Angesichts der vielen tausend Menschen, die in Deutschland verzweifelt auf ein Spenderorgan warten, halte ich diese Pflicht für zumutbar", sagte Schmidtke im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass jeder von uns schon morgen in diese Situation kommen und auf ein Organ angewiesen sein könnte."

  • Die heutige Debatte und Entscheidung über eine Neuregelung der Organspende könnte zu einer Sternstunde des Parlaments werden. Wie bei vorherigen zutiefst moralischen, das Leben betreffenden Diskussionen im Bundestag - etwa zum Umgang mit embryonalen Stammzellen, der vorgeburtlichen Gendiagnostik oder zu Patientenverfügungen - gibt es keine Fraktionsdisziplin. Die rund 700 Abgeordneten können heute frei nach ihrem Gewissen und ihrem Wissen entscheiden. Gut so.

  • Lehrerverbände zeigen sich dem Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegenüber skeptisch, Organspenden künftig in Lehrpläne aufzunehmen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestätigte gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) zwar, dass das Thema Organspende grundsätzlich in den Schulunterricht gehöre. GEW-Vorstand Ilka Hoffmann mahnte jedoch: "Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass sich die jungen Menschen erst ab einem bestimmten Alter mit diesem schwierigen Thema, das medizinisch und ethisch sehr komplex ist, auseinandersetzen können." Im Unterricht müssten die Vielschichtigkeit und Kontroversität des Themas behandelt werden. "Es ist nicht die Aufgabe von Schule, für die Organspende Werbung zu machen", betonte Hoffmann.

  • Bei der Organspende ist der Bundestag nach einer langen, klugen Debatte zu einer ausgewogenen Entscheidung gekommen. Warum kann Politik eigentlich nicht immer so sein? Die Lösung ist richtig, wonach ein Mensch oder dessen Angehörige weiter zugestimmt haben müssen, bevor die Organe eines Verstorbenen entnommen werden können. Zugleich enthält der Gesetzentwurf zahlreiche Neuerungen, durch die die Zahl der Organspenden in Deutschland steigen kann.

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