Allgemeine Zeitung Mainz: Gaga? Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Abhören durch Haushaltsgeräte

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Mainz (ots) - Keine acht Wochen ist es her, da ging zu Recht ein Aufschrei durch die Republik. Alexa, die scheinbar zauberhafte Sprachassistentin aus dem Hause Amazon, erwies sich als hinterhältige Spionin. Gespräche aus intimstem Umfeld wurden mitgeschnitten und ausgewertet - angeblich, um Alexa leistungsfähiger zu machen. Eine Frechheit, getragen von krimineller Energie, Lichtjahre entfernt von Rechtsstaatlichkeit und anständigem Umgang mit Kunden. Und siehe da: Wenn Daten da sind, dann wecken sie Begehrlichkeiten. Horst Seehofer - lange nichts mehr von ihm gehört. Er ist noch immer Bundesinnenminister. Und aus seinem Hause erschallt der Ruf: Zum Wohle der Kriminalitätsbekämpfung dürften Daten smarter Haushaltsgeräte den Sicherheitsbehörden nicht verschlossen bleiben. Die Innenministerkonferenz in Kiel wird sich damit befassen, Seehofers schleswig-holsteinischer Amtskollege Grote (CDU) gibt sich erschrocken: Der Smart-Home-Vorstoß stamme nicht von ihm. Was er nicht sagt, aber wohl denkt: Man kann es ja mal probieren. Ein bisschen Aufruhr in die Kieler Jamaika-Koalition bringen, zeigen, wer der Sheriff ist und wo der Hammer hängt. Profilierung betreiben, gegenüber der FDP, vor allem gegenüber den Grünen, die ja mit Riesenschritten Richtung Kanzler*innen-Partei zu marschieren scheinen. Wahr ist: Die Sicherheitsbehörden müssen angemessene Befugnisse besitzen, um Verbrechen zu bekämpfen und Bürger zu schützen. Aber: Selbst der beste Zweck heiligt nicht jedes Mittel. Wer wann in Deutschland abhören darf, ist geregelt, in Gesetzen. Von Alexa & Co. steht dort nichts. Das muss auch so bleiben. Alles andere wäre gaga.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz


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