Freitag, 10 Jul 2020
Rezos Video taugt als Unterrichtseinheit für jede Journalistenschule.
Foto: Rewinside / CC BY 3.0 (via Wikimedia Commons)

Blaue Haare und gute Argumente

Mainz (ots) - Der Käfer aus den seligen Wirtschaftswundertagen, er lief und lief und lief. Der Betrug des Volkswagenkonzerns an gutgläubigen Kunden, er läuft und läuft und läuft - nicht mehr. Ist durch das Karlsruher Urteil jetzt also endlich alles gut oder wenigstens geheilt? Mitnichten. Immerhin: VW wird kräftig zahlen müssen. Etwaige Versuche, den Richterspruch mit Nachverhandlungen über Laufleistungen oder Kaufdaten noch abzumildern, werden daran nur noch graduell etwas ändern. Das mag ein Trost für alle diejenigen sein, die jetzt - Justitia sei Dank - nach Jahren noch vorhandene Restansprüche gegen die Wolfsburger (und andere) Rosstäuscher geltend machen können. Die Aufarbeitung darf aber an dieser Stelle keinesfalls enden. Die Wiederholung eines solchen Skandals muss an mehreren Stellen in Zukunft verhindert werden. Der massenhafte Betrug und seine quälend langsame Aufarbeitung waren nur möglich, weil es eine ungute Kumpanei zwischen Konzern, Politik und nachgeordneten Behörden gab. Es kann und darf ferner nicht mehr sein, dass die Getäuschten hierzulande selbst ihre Ansprüche über Jahre durchklagen müssen, während auf der anderen Seite ein milliardenschwerer Konzern stehen und darauf spekulieren darf, dass den Klägern die Luft schneller ausgeht als den Schummeldieseln. Während in anderen Ländern sehr wohl rasch und gesammelt entschädigt worden ist. Die Politik, die dieses unwürdige Schauspiel verfolgt hat, sollte die Verbraucher jetzt zügig durch neue Gesetze besserstellen als bisher. Das würde auch aus der aktuellen Debatte um milliardenschwere Corona-Hilfen für die Autobauer einigen Zündstoff heraus nehmen.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz
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