Dienstag, 04 Aug 2020
Ein Vorbild war die Kreativität des Buchhandels im Moment des Shutdowns.
Foto: InstagramFOTOGRAFIN / CC0 (via Pixabay)

Buchhandel sieht Kreativität kleinerer Läden als Vorbild

Regensburg (ots) - Es ist ein Satz, der sich ins allgemeine politische Gedächtnis eingebrannt hat. "Wir wollen mehr Demokratie wagen", sagte Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) 1969 in einer legendären Regierungserklärung. Er schlug vor, das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre zu senken. Am 31. Juli 1970 - also heute vor 50 Jahren - passierte dann die notwendige Grundgesetzänderung den Bundestag nahezu einstimmig. Durchaus schon mit Blick auf die im kommenden Jahr anstehende Bundestagswahl wird seit einiger Zeit wieder über eine Absenkung des Wahlalters diskutiert. Sollen bereits 16-Jährige mitstimmen dürfen? Die klare Antwort lautet: Ja! Der Schritt ist sogar überfällig. Einwände von Gegnern kreisen meist um Reife, um Verstand oder um Verantwortung. Aber nur weil jemand älter ist, ist er ja nicht automatisch reifer, verständiger oder verantwortungsbewusster. Solche Argumente reichen also nicht sehr weit. Maximal bis 18. Ab da darf dann jeder wählen - ganz ohne Wahleignungstest. Und am Rande bemerkt: Statistisch gesehen sind mehr als 40 Prozent der über 90-Jährigen dement. Trotzdem fordert - aus guten Gründen - niemand, dieser Altersgruppe pauschal das Wahlrecht zu entziehen. Junge Menschen früh einzubinden, fördert das Verständnis für demokratische Prozesse. Verantwortung spielt tatsächlich eine Rolle. Aber eben viel mehr als Argument für die Absenkung des Wahlalters. Denn, um mit Spiderman zu sprechen: Aus großer Kraft oder - je nach Übersetzung - auch Macht folgt große Verantwortung. Hat die eigene Stimme Gewicht oder anders gesagt, darf man mitbestimmen, dann erwächst daraus auch ein Verantwortungsbewusstsein. Schließlich hat die eigene Entscheidung somit auch Konsequenzen. Die Älteren sollten den Jüngeren also durchaus mehr zutrauen. Die demografische Entwicklung ist ein weiterer Grund für die Absenkung des Wahlalters. Die jüngeren Generationen sind politisch deutlich unterrepräsentiert. Bei der Bundestagswahl 2017 ergab sich eine bemerkenswerte Schieflage: 70 Prozent der Wahlberechtigten war älter als 40. Das Machtgefälle zwischen Jung und Alt ist überdeutlich. Dabei sind es die Jungen, auf die sich aktuelle Weichenstellungen am meisten auswirken werden. Milliardenprogramme zur Bewältigung der Corona-Krise? Die Folgen einer höheren Verschuldung müssen die Jungen schultern. Verfehlte Klimaziele? Die Rechnung geht an die kommenden Generationen. Hunderttausende junge Menschen haben vor wenigen Wochen ihren Schulabschluss gemacht. Kaum 16 Jahre alt müssen viele eine ihr weiteres Leben stark beeinflussende Entscheidung treffen: Welchen Berufsweg schlage ich ein? Die Umstände sind dafür derzeit wahrlich nicht ideal. Die Corona-Krise wird zu schwindenden Chancen auf dem Jobmarkt führen. Etliche junge Menschen werden ihren Traumjob nicht bekommen. Wer so eine Entscheidung trifft, soll aber andererseits nicht fähig sein, an eine Wahlurne zu treten? Das ist absurd. Den Forderungen der Friday-For-Future-Bewegung muss man nicht zustimmen. Das Engagement von Klimaaktivisten ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass sich junge Menschen für Politik interessieren, vielleicht mehr als frühere Generationen. Der oft gehörte Vorwurf von Älteren, der Nachwuchs sei desinteressiert, greift jedenfalls längst nicht mehr. Gleichzeitig wird gerade dieser aktuell jungen Generation mehr als ihren Vorgängern prophezeit, dass es für sie abwärts gehen wird. Pessimismus pur schlägt ihnen, die doch die Zukunft gestalten sollen, entgegen. Das Wahlalter jetzt zu senken, wäre auch ein Zeichen an die jungen Menschen, dass ihre Stimme gehört wird. Weil es auf sie ankommen wird.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


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