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Sonntag, 31 Mai 2020
Die Entlohnung in den systemrelevanten sozialen Berufen, auf die es gerade in der Krise besonders ankommt, ist zu niedrig.
Die Entlohnung in den systemrelevanten sozialen Berufen, auf die es gerade in der Krise besonders ankommt, ist zu niedrig. Foto: Luis Melendez
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Im Moment geht es gar nicht anders, als mit der Corona-Brille auf politische und gesellschaftliche Themen zu blicken. Die Pandemie und ihre Folgen und Herausforderungen rücken alles andere in den Hintergrund. Manches aber auch in ein völlig neues Licht. Der Gender Pay Gap, die nach wie vor weit auseinanderklaffende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, ist ein Problem, das die breite Öffentlichkeit eigentlich nur am Equal Pay Day, der in diesem Jahr in Deutschland auf den 17. März fiel, so richtig bemerkt. Nun aber wird klar: Hier geht es unter anderem genau um die Menschen, die im Moment an vorderster Front dem Corona-Virus die Stirn bieten.

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Foto: Jiří Vítek / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Die Entlohnung in den systemrelevanten sozialen Berufen, auf die es gerade in der Krise besonders ankommt, ist zu niedrig. Dort arbeiten zwar auch Männer, aber zum Großteil sind es Frauen. Die Vorliebe - oder sollte man sagen: besonders ausgeprägte Kompetenz - weiblicher Beschäftigter für diese vergleichsweise gering bezahlten Care-Berufe ist einer der Gründe für die Lohnlücke. Aber eine Entschuldigung ist es nicht. In diesem Jahr beträgt die Kluft zwischen den durchschnittlichen Gehältern von Frauen und Männern 20 Prozent, das ist ein Prozentpunkt weniger als 2019. Der Tag der Entgeltgleichheit, der Equal Pay Day, markiert den Zeitpunkt, bis zu dem Frauen im Vergleich zu Männern quasi umsonst arbeiten. In den letzten Jahren fiel der Stichtag auf den 18. März. Die Tendenz verbessert sich, doch nur sehr langsam. Noch eklatanter erscheint das Missverhältnis, betrachtet man nicht nur den Stundenlohn oder das Jahreseinkommen, sondern nimmt das ganze Erwerbsleben in den Fokus. Das hat aktuell eine von der Bertelsmann Stiftung geförderte Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin getan.

Das Ergebnis: Frauen in Deutschland verdienen nur etwa halb so viel wie Männer. Im Westen liegt das Lebenserwerbseinkommen durchschnittlich bei rund 830 000 Euro für Frauen und bei etwa 1,5 Millionen Euro für Männer (Ostdeutschland: Frauen rund 660 000 Euro, Männer knapp 1,1 Millionen Euro). Obwohl sich Männer immer mehr in die Kinderbetreuung einbringen, ist die wertvolle, aber unbezahlte Familienarbeit vor allem ein Frauenthema. Häufig unterbrechen sie ihre Erwerbszeit für Erziehungs- und Pflegezeiten. Frauen arbeiten oft in Teilzeit und in schlechter bezahlten Jobs, sie machen seltener und später Karriere. Rechnet man diese Tatsachen aus der Vergleichsrechnung heraus, wird die Lücke kleiner, der "bereinigte" Gender Pay Gap liegt bei rund sechs Prozent. Die Wortwahl suggeriert, dass es eine saubere Sache sei, wenn der Markt von Frauen dominierte Berufe weniger gut honoriert als klassische Männerberufe - und das auch noch bei ähnlichen beruflichen Anforderungen und Belastungen.

Die Comparable Worth Studie der Hans-Böckler-Stiftung von 2018 hat die Ungleichbehandlung berufsübergreifend untersucht - und nachgewiesen. Fazit: "Gleiche und gleichwertige berufliche Anforderungen und Belastungen gehen mit hoher statistischer Signifikanz mit niedrigeren Entgelten von Frauen im Vergleich zu Männern einher." Das frauendominierte Klinikpersonal - in der nicht-akademischen Krankenpflege liegt der Frauenanteil bei 87 Prozent -, dem aktuell die Versorgung von Corona-Patienten überantwortet ist, wird vermutlich in Kürze Extra-Schichten schieben müssen. Es trägt ein erhöhtes Ansteckungsrisiko und wird dieses vielleicht auch in die eigenen Familien hinaustragen. Es wird am Limit arbeiten und dabei an psychische und physische Grenzen stoßen. Die bessere Bezahlung von Pflege- und Sorgeberufen ist gesellschaftlicher und parteiübergreifender Konsens. Warum wird sie nur schleppend umgesetzt? Diese Frage stellt sich nicht nur, aber gerade jetzt.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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