Freitag, 14 Aug 2020
Foto: Wilfried Pohnke / CC0 (via Pixabay)
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Ein höheres Renteneintrittsalter kürzt die Rente nicht. Im Gegenteil: Wer länger Beiträge zahlt, erhält im Alter mehr. Die reflexartigen Antworten des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) auf den Vorschlag der Bundesbank führen in die Irre, weil die Zeche von den nachfolgenden Generationen bezahlt werden muss.

Die Dinge vom Ende her zu denken, erweist sich einmal mehr als Tugend der Bundeskanzlerin. Nun zeigt sich, dass ihr Söder darin mehr ähnelt als der ihr angeblich näherstehende Laschet.
Foto: Michael Lucan / CC BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Viel Verantwortung, keine Normalität

Die Forderung nach einer Rente mit 69 ist nicht neu, und die Deutsche Bundesbank steht mit ihrem Vorschlag auch nicht allein da. In die Irre führt dagegen die Antwort des Gewerkschaftsbunds, dass mit einem höheren Renteneintrittsalter die Rente gekürzt würde. Die gesetzliche Rentenversicherung verspricht nicht, dass die lebenslang gezahlten Beiträge "gut verzinst" zurückgezahlt werden. Vielmehr müssen die aktiv Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die aktuellen Rentenansprüche finanzieren. Und genau hier liegt die Krux.

Das Renteneintrittsalter ist in den vergangenen Jahrzehnten kaum gestiegen. Im Jahr 1980 erhielten die Versicherten mit 62,2 Jahren erstmals ihre Rente - aktuell liegt das Eintrittsalter bei rund 64 Jahren. So spät sind aber die Arbeitnehmer bereits 1970 in ihren wohlverdienten Ruhestand gegangen – damals mit durchschnittlich 64,3 Jahren.

Höhere Altersgrenze ist notwendig

Weil die Menschen aber immer älter werden, beziehen sie ihre Rente länger. Im Jahr 1970 erhielt ein Rentner in Westdeutschland im Schnitt elf Jahre lang sein Geld, aktuell sind es rund 20 Jahre. Das bedeutet, dass die Beitragszahler heute die Rentner aus neun zusätzlichen Jahrgängen finanzieren müssen. Auch deshalb ist die Zahl der Renten in Deutschland seit der Wiedervereinigung um mehr als sechs Millionen auf mittlerweile über 20 Millionen gestiegen.

Eine höhere Altersgrenze ist also notwendig, damit das zahlenmäßige Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern nicht aus dem Ruder läuft. Das gilt vor allem mit Blick auf die nächsten Jahrzehnte, wenn die Mitglieder der geburtenstarken Jahrgänge vermehrt in den Ruhestand wechseln.

Hinzu kommt: Mit der "Rente mit 67" ist Deutschland längst nicht mehr der Spitzenreiter in Europa. In den Niederlanden gilt zum Beispiel bereits ab dem Jahr 2021 eine Altersgrenze von 67 Jahren, ohne dass die dortige Grundrente vorzeitig in Anspruch genommen werden darf. Und bei einer weiter steigenden Lebenserwartung wird die Grenze dort künftig automatisch angehoben – so wie es die Bundesbank aktuell für Deutschland fordert. Die Diskussion muss sich deshalb vielmehr mit der Frage beschäftigen, wie Bürger länger erfolgreich und gesund am Arbeitsmarkt teilhaben können.



Quelle: IW Köln
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