Freitag, 25 Sep 2020
Für knapp 50.000 Ausbildungsplätze fanden sich keine passenden Bewerber.
Für knapp 50.000 Ausbildungsplätze fanden sich keine passenden Bewerber. Foto: Arbeitgeberverband Gesamtmetall / Flickr CC BY 2.0
 2-3 Minuten Lesezeit  441 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Rein rechnerisch ist der Ausbildungsmarkt laut Bundesagentur für Arbeit (BA) sehr ausgeglichen: 549.800 Berufsausbildungsstellen standen 547.800 Bewerber gegenüber. Dennoch bleiben viele Stellen unbesetzt, gleichzeitig finden junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Schulen und Unternehmen müssen handeln.

empty alt
Foto: lapping / CC0 (via Pixabay)

Demografischer Wandel: Forscher fordern gezielte Zuwanderung gegen Überalterung

Im Ausbildungsjahr 2016/2017 sind so viele Ausbildungsstellen wie noch nie unbesetzt geblieben: Für 48.900 Plätze fanden sich keine passenden Bewerber. Dabei suchen Unternehmen händeringend berufliche qualifizierte Fachkräfte und bieten daher immer mehr Ausbildungsplätze an. 2017 gab es knapp 100.000 betriebliche Ausbildungsplätze mehr als noch 2010. Allerdings haben viele Unternehmen Probleme, ihre angebotenen Stellen auch zu besetzen. Das liegt nicht unbedingt an zu hohen Ansprüchen an die Schulabschlüsse der Bewerber: Erstmals wurde 2017 in der Statistik der BA der von Arbeitgebern erwartete Schulabschluss ausgewiesen. Demnach fordert die Hälfte aller Unternehmen von Bewerbern mindestens einen Hauptschulabschluss, 36,8 Prozent mindestens einen Realschulabschluss, 7,2 Prozent die Fachhochschulreife und nur 1,5 Prozent verlangen die allgemeine Hochschulreife.

Gleichzeitig blieben 23.700 Interessenten ohne Stelle. Mehr als 90 Prozent der unversorgten Bewerber haben sogar einen höheren als den geforderten Schulabschluss. Insgesamt haben 27,5 Prozent aller Bewerber die Fachhochschulreife oder Abitur. Aber auch Noten, Fehltage und Sozialverhalten sind für Unternehmen bei der Bewerberauswahl entscheidend. Als weitere Ursachen für die wachsenden Ungleichgewichte spielen neben regionalen Ungleichgewichten – in Süddeutschland, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und im Saarland wurden mehr Stellen als Bewerber gemeldet, in Berlin, NRW und Hessen hingegen mehr Bewerber als Stellen – die Berufswünsche der Jugendlichen eine große Rolle. Diese entsprechen häufig nicht den angebotenen, noch offenen Stellen.

Die Bewerberzahl könnte unter anderem durch bessere Informationen für Schüler an Schulen gesteigert werden, die zur Fachhochschulreife oder dem Abitur führen: Befragungen unter Oberstufenschüler zeigen, dass sich gerade mal 38,9 Prozent aller Abiturienten über eine Ausbildung gut informiert fühlen. Hier sind Schulen und Unternehmen gefragt, noch aktiver zur Berufsorientierung beizutragen – sei es über Praktika, Schulkooperationen oder weitere Informationsangebote, die sich an Schüler, Lehrer aber auch Eltern richten können.

Neben der steigenden Zahl an Abiturienten kommen auch immer mehr geflüchtete junge Menschen auf dem Ausbildungsmarkt an. Allerdings kennt gerade einmal jedes dritte Unternehmen ausbildungsbegleitende Hilfen die Einstiegsqualifizierung oder das Programm Berufsorientierung für Flüchtlinge, das das Bundesinstitut für Berufsbildung anbietet. Auch andere Programme, die sich auch an sozialbenachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit Migrationshintergrund wenden, sind wenig bekannt. Hier müssen die BA wie auch die verantwortlichen Bundes- und Landesministerien die Programme stärker bewerben, indem sie Unternehmen und Multiplikatoren wie Verbände zielgruppengerecht über zentrale Ansprechpartner informieren. Zugleich müssen sie regelmäßig überprüfen, ob ihre Programme auch auf die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst sind. So könnte beispielsweise eine zeitlich flexiblere Ausgestaltung der Einstiegsqualifizierung dieses etablierte Instrument für weitaus mehr Unternehmen attraktiv machen.



Quelle: IW Köln


#mehrGesellschaft
"Es wäre vielleicht schön, wenn Greta nicht alles so negativ sähe, sondern auch mal etwas Positives sagen würde. Manchmal ist es besser, eine Lösung anzubieten, als immer nur anzuprangern."
Foto: Lëa-Kim Châteauneuf / CC-BY 4.0 (via Wikimedia Commons)

Lob und Tadel für Greta Thunberg

Laura Dekker (24), niederländisch-neuseeländische Seglerin, die 2012 als jüngster Mensch aller Zeiten eine Solo-Weltumrundung abschloss, sieht die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg (17)...
Angela Merkels Kanzlerschaft ist nach 15 Jahren so ungefährdet wie nie.
Foto: EU2017EE Estonian Presidency / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Merkels selbstbefreites Regieren

Angela Merkel würde es wieder so machen. Sie würde, wie sie deutlich macht, auch heute nicht die Grenzen schließen, wenn Zehntausende Flüchtlinge davor stünden. Für die Kanzlerin bleibt es eine...
Über 20 Jahre an der Macht. Vladimir Putin und Alexander Lukashenko
Foto: Kremlin.ru / CC-BY 4.0 (via Wikimedia Commons)

Eine Frage der Zeit

Die Zeit läuft. Vielleicht läuft sie auch ab - für einen Autokraten. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat einen beeindruckenden Gegner: sein eigenes Volk, das nach dem mutmaßlich...
Der sonst so nüchternen Kanzlerin war der Kragen geplatzt wegen der Sturköpfigkeit manch eines Landesoberhaupts.
Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Pandemie-Regeln: Mehr Einheitlichkeit ist gefragt

Rückblick auf den Frühsommer: Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder trafen sich im Zwei-Wochen-Rhythmus, um im Kampf gegen Corona eine gemeinsame Linie zu finden. Doch Gemeinsamkeit war oft mehr...
Back To Top