#zeitfokus.

Sonntag, 29 Mär 2020
Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, kann das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg haben.
Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, kann das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg haben. Foto: Tyrone Daryl / CC BY 2.0 via Flickr
 1-2 Minuten Lesezeit  306 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr
Bildungsarmut wird vererbt. In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen. Werden die regional unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, gelten 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als armutsgefährdet. Das bedeutet, ihren Familien stehen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Überdurchschnittlich hoch ist die sogenannte Armutsgefährdungsquote in einigen Regionen Ostdeutschlands. So liegt sie in Leipzig bei fast 28 Prozent und im nördlichen Sachsen-Anhalt bei gut 32 Prozent. Gleichzeitig brechen dort knapp 12 beziehungsweise 11 Prozent der Jugendlichen die Schule ab – rund doppelt so viele wie im bundesweiten Durchschnitt. Ähnlich sieht es in Gelsenkirchen aus: Dort liegt die Armutsgefährdungsquote bei 39 Prozent und der Anteil der Schulabbrecher bei fast 11 Prozent. Im westlichen Mittelfranken sind dagegen weniger als 7 Prozent der Minderjährigen armutsgefährdet, nur 3 Prozent brechen die Schule ab. „Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, hat das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg“, erklärt IW-Forscher Wido Geis. Zwar zeigen Untersuchungen, dass die Ursache weniger das geringe Familieneinkommen ist, sondern die mangelnde Bildung vieler einkommensschwacher Eltern. Sie können ihre Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben kaum unterstützen. Dadurch werden Bildungs- und Einkommensarmut häufig weiter vererbt, die Zahl der auf Sozialleistungen angewiesenen Personen bleibt hoch und die Wachstumsmöglichkeiten von Regionen können leiden. Zwar kann die Schulabbrecherquote nicht mit Bildungsarmut gleichgesetzt werden, weil viele Jugendliche ihren Abschluss im beruflichen Übergangssystem nachholen. Das gilt jedoch nicht für alle, kostet Geld und Zeit, in denen der Nachwuchs dem Arbeitsmarkt trotz Fachkräfteengpässen nicht zur Verfügung steht. Deshalb sollte die Politik für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten ein Lernumfeld schaffen, das es ihnen leichter macht, in der Schule Erfolg zu haben, fordert Geis. Quelle: IW Köln

In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen.

empty alt
Foto: Peggy Choucair / CC0 (via Pixabay)

Greenpeace und Schweinehalter wollen verpflichtendes Tierwohllabel

Werden die regional unterschiedlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt, gelten 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als armutsgefährdet. Das bedeutet, ihren Familien stehen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Überdurchschnittlich hoch ist die sogenannte Armutsgefährdungsquote in einigen Regionen Ostdeutschlands. So liegt sie in Leipzig bei fast 28 Prozent und im nördlichen Sachsen-Anhalt bei gut 32 Prozent. Gleichzeitig brechen dort knapp 12 beziehungsweise 11 Prozent der Jugendlichen die Schule ab – rund doppelt so viele wie im bundesweiten Durchschnitt. Ähnlich sieht es in Gelsenkirchen aus: Dort liegt die Armutsgefährdungsquote bei 39 Prozent und der Anteil der Schulabbrecher bei fast 11 Prozent. Im westlichen Mittelfranken sind dagegen weniger als 7 Prozent der Minderjährigen armutsgefährdet, nur 3 Prozent brechen die Schule ab.

„Wenn Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, hat das einen negativen Effekt auf ihren Schulerfolg“, erklärt IW-Forscher Wido Geis. Zwar zeigen Untersuchungen, dass die Ursache weniger das geringe Familieneinkommen ist, sondern die mangelnde Bildung vieler einkommensschwacher Eltern. Sie können ihre Kinder beim Lernen und bei den Hausaufgaben kaum unterstützen. Dadurch werden Bildungs- und Einkommensarmut häufig weiter vererbt, die Zahl der auf Sozialleistungen angewiesenen Personen bleibt hoch und die Wachstumsmöglichkeiten von Regionen können leiden.

Zwar kann die Schulabbrecherquote nicht mit Bildungsarmut gleichgesetzt werden, weil viele Jugendliche ihren Abschluss im beruflichen Übergangssystem nachholen. Das gilt jedoch nicht für alle, kostet Geld und Zeit, in denen der Nachwuchs dem Arbeitsmarkt trotz Fachkräfteengpässen nicht zur Verfügung steht. Deshalb sollte die Politik für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten ein Lernumfeld schaffen, das es ihnen leichter macht, in der Schule Erfolg zu haben, fordert Geis.



Quelle: IW Köln


#mehrGesellschaft
Der Lohnstückkostenunterschied zwischen dem Euroraum und Deutschland ist im Jahr 2018 auf acht Prozent gestiegen.
Foto: Piqsels CC0

Teures Arbeiten

Die deutsche Industrie schultert im internationalen Vergleich nach wie vor hohe Kosten: Im Ausland produzieren Unternehmen rund 13 Prozent weniger arbeitskostenintensiv als in Deutschland, zeigt...
Die Einschätzung des Robert-Koch-Institutes, es könnten sich binnen drei Monaten zehn Millionen Menschen anstecken, "ist realistisch".
Foto: Sangga Rima Roman Selia

Helmholtz-Chefepidemiologe fordert Strategiewechsel im Kampf gegen Coronavirus

Helmholtz-Chefepidemiologe Gérard Krause hat angesichts der hochschnellenden Fallzahlen einen Strategiewechsel im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert. Es werde nicht mehr rechtzeitig gelingen,...
Langfristig könnten eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben.
Foto: P.J.L Laurens / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Charité-Virologe Drosten: Es wäre mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen

Der Chef-Virologe der Berliner Charité hält es für möglich, dass in Deutschland langfristig eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben werden. Das Virus werde sich erst dann nicht weiter...
Die Gütersloher Denkfabrik hatte im vergangenen Juli die Empfehlung zu einer Halbierung der Klinikanzahl herausgegeben.
Foto: fernando zhiminaicela / CC0 (via Pixabay)

Halbierung der Klinikanzahl: Bertelsmann-Stiftung verteidigt umstrittene Studie

Trotz des grassierenden Coronavirus hat die Bertelsmann-Stiftung ihre Studie zu einer weitgehenden Verringerung der Anzahl deutscher Krankenhäuser verteidigt. In einem Gespräch mit der in Bielefeld...
Standardrente seit 2014 brutto um 200 beziehungsweise 250 Euro gestiegen.
Foto: pasja1000 / CC0 (via Pixabay)

Rentenversicherung meldet "deutliches Plus" für Senioren

Während an den Börsen wegen der Ausbreitung des Coronavirus die Aktienkurse fallen, verkündet die Deutsche Rentenversicherung (DRV) "erfreuliche Nachrichten für die mehr als 21 Millionen...
Wir brauchen einen Schutzschirm für alle Krankenhäuser.
Foto: Hans Braxmeier / CC0 (via Pixabay)

Deutsche Krankenhausgesellschaft verlangt "finanziellen Schutzschirm für alle Krankenhäuser"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) hat einen sofortigen finanziellen "Schutzschirm für alle Krankenhäuser" gefordert, damit Kliniken in der Corona-Krise nicht pleitegehen. "Die Kliniken, ob...
Kritisch ist aktuell vor allem die Lage auf den griechischen Inseln in der Ostägäis.
Foto: Jim Black

Flüchtlingsnot in Griechenland: Menschenrechtsbeauftragte schlägt Alarm

Auch nach einem ablehnenden Votum im Bundestag reißen die Forderungen nach schneller Hilfe für ausgesuchte Flüchtlinge in Griechenland nicht ab. So sagte die Menschenrechtsbeauftragte der...
Back To Top