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Teenager, die wie Profis musizieren und tanzen, die moderieren wie Showstars oder ihre eigenen Kunstausstellungen haben: Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit öffnen Schulen ihre Türen und zeigen, was ihre Kinder draufhaben. Da können Eltern schon feuchte Augen bekommen. Vielleicht träumen sie schon von einer Künstlerkarriere des Nachwuchses. Gleichzeitig nimmt der talentierte Sprössling an der Matheolympiade teil, macht in der 10. Klasse ein Auslandsjahr und lernt neben Englisch auch noch Französisch und Spanisch.

Weiß oder schwarz zu sein, ist ein soziales Konstrukt.
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Eine freie Gesellschaft kennt keine Rassen

Es müssen keine Privatschulen sein, die diese Bildungskarriere ermöglichen. Auch an öffentlichen Gymnasien oder Grundschulen mit engagierten Lehrern ist eine Menge möglich - und auch üblich. Wenn Schulen zudem auf Eltern setzen, die alles darum geben, dass ihr Kind einen ordentlichen Bildungsweg hinlegt, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Doch wehe, ein Kind hat Schwierigkeiten, und es ist keiner da, der zu Hause lesen übt. Zum Beispiel, weil Eltern selbst wenig aus der Schulzeit mitgenommen haben und kaum in der Lage sind, den Sinn von komplexeren Texten zu erfassen. Oder weil die Verhältnisse so zerrüttet sind, dass sich niemand zuständig fühlt für die Schulkarriere des Kindes. Natürlich spielen in Einwandererfamilien die Deutschkenntnisse der Eltern eine Rolle. Pech gehabt, muss man kurzerhand diesen Kindern sagen. Denn das zeigt die aktuelle Pisa-Studie wieder einmal: Wer nicht unterstützt wird vom Elternhaus, hat es schwer.

Das ist der eigentliche Skandal, der aus der Pisa-Studie hervorgeht: Nach wie vor hängt der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ab. Der Trend hat sich sogar leicht verstärkt, und zwar obwohl nahezu mantraartig die OECD seit Jahren mahnt, Deutschland müsse mehr für die Bildungsgerechtigkeit tun. Die Folge dieser größten Schwäche im Bildungswesen: Viel zu viele Schüler in Deutschland schaffen noch nicht mal einen ordentlichen Schulabschluss. In Berlin etwa sind es fast zwölf Prozent eines Jahrgangs, die einfach durch den Bildungsrost fallen. Pro Grundschulklasse sind es also mehr als zwei Kinder. Darüber hinaus hat jedes fünfte Kind - 20 Prozent - große Mühe, den Anschluss an die Arbeitswelt zu finden, sagen Bildungsforscher. Natürlich gibt es Bemühungen, diesen Kindern zu helfen. Doch groß angekündigte Aktionen, mit denen Bildungsgerechtigkeit erreicht werden soll, verpuffen in der Realität.

Wie etwa soll ein Kind, das echte Schulprobleme hat, mit 15 Euro monatlich durch das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket den Anschluss finden? Lässt sich damit wirklich der Sportverein finanzieren? Der größte Fehler ist zudem: Es funktioniert - wie die Schule - nur, wenn die Eltern sich engagieren (können). Wenn es aber Eltern nicht schaffen, morgens mit ihren Kindern überhaupt aufzustehen - wie sollen sie dann mit einem Behördenmonster klarkommen? Zugegeben: Es ist schwer in Deutschland, die Balance zu finden. Engagierte Eltern lassen sich ungern reinreden. Viel mehr Eltern als in den Nachbarländern mögen auch den Zwang zur Ganztagsschule nicht; sie haben auch gern die Kontrolle über den Schulweg, den Inhalt des Ranzens, das Mittagessen und nicht zuletzt über den Fortschritt bei der Entwicklung der Rechtschreibung. Das Bildungswesen passt sich diesem Elternwillen perfekt an. Und die meisten Eltern sind höchst erfolgreiche Lobbyisten ihrer Kinder. So gesehen ist es logisch, dass sozial schwache Kinder so oft den Anschluss verpassen - es ist wie in so vielen Bereichen der Politik: Gibt es keine Lobby, passiert auch nichts.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost
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