#zeitfokus.

Sonntag, 29 Mär 2020
Foto: Engin_Akyurt / CC0 (via Pixabay)
 1-2 Minuten Lesezeit  367 Worte im Text  vor 90 Tagen
Fünf Jahre Uni sind nicht in zwei Wochen nachzuholen. Immer wieder die Lehrer. Zu viele in den falschen Fächern, zu wenige an der richtigen Schulform. Wenn der Präsident des deutschen Lehrerverbands die Schmalspur-Qualifikation von Quereinsteigern als Verbrechen an Kindern bezeichnet, ist das zwar juristisch gesehen ein falscher Begriff. Vom Laienverständnis her liegt er aber vollkommen richtig. Ohne qualifizierte Lehrkräfte werden Kinder ihrer Chancen beraubt. Vor allem die Grundschule, in der mit Lesen und Schreiben die Grundlagen für die spätere Leistungskompetenz gelegt werden, muss jedem Kind das Beste bieten. Die neusten Pisa-Ergebnisse zeigen, dass ein Fünftel der Schüler nur unzureichend bis gar nicht lesen kann. Da braucht es erst recht geballte Kompetenz im Klassenzimmer. Wer lesen und schreiben kann, kann es noch lange nicht kompetent vermitteln. Kinder zu alphabetisieren bedarf besonderer pädagogischer und didaktischer Kenntnisse. Ein Lehramtsstudium dauert im Schnitt fünf Jahre, das Referendariat je nach Land ein bis zwei Jahre. Erst danach ist eine Lehrkraft vollständig qualifiziert, Schüler eigenständig zu unterrichten. Neben dem Fachwissen - das im Unterricht meist eine untergeordnete Rolle spielt - geht es um Lernstrategien und Kompetenzorientierung, um Motivation und darum, den Kessel der Konflikte im überaus heterogenen Sozialgefüge auf Sparflamme zu halten. Das lernt man nicht in einem Zwei-Wochen-Seminar. Inklusion und Integration managt auch niemand intuitiv. Das Problem ist auch, dass viele denken, weil sie selbst mal Schulkind waren, wüssten sie, wie der Beruf funktioniert. Nein. Lehrer sein bedeutet nicht, sich vor die Klasse zu stellen und ein bisschen was zu erzählen, während die Kinder stillsitzen. Das war vielleicht mal so. Zumal der Frontalunterricht mittlerweile verpönt ist. Binnendifferenzierung und individuelle Lernpläne sind die Methoden des Zeitgeistes. Wenn die Quereinsteiger darauf nicht optimal vorbereitet werden, sind nicht nur die Kinder die Leidtragenden. Auch der motivierteste Quereinsteiger wird nicht lange durchhalten, wenn ihm keine ausreichenden pädagogischen und didaktischen Mittel an die Hand gegeben werden. Mit Motivation allein ist das nicht zu stemmen. Quereinsteiger sind eine gute Stütze, um die Not zu überbrücken. Keinesfalls dürfen sie ohne Nachqualifikation dauerhaft unterrichten. Kinder haben einen Anspruch auf gute Bildung. Und Eltern darauf, dass ihre Kinder in der Obhut von Fachkräften sind. Sollten Eltern merken, dass Unqualifizierte vor ihren Kindern stehen, könnte das zudem den Boom von Privatschulen fördern, soziale Trennung inklusive. Quelle: ots/Westdeutsche Zeitung

Immer wieder die Lehrer. Zu viele in den falschen Fächern, zu wenige an der richtigen Schulform. Wenn der Präsident des deutschen Lehrerverbands die Schmalspur-Qualifikation von Quereinsteigern als Verbrechen an Kindern bezeichnet, ist das zwar juristisch gesehen ein falscher Begriff. Vom Laienverständnis her liegt er aber vollkommen richtig.

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Foto: Couleur / CC0 (via Pixabay)

Zum Jahreswechsel

Ohne qualifizierte Lehrkräfte werden Kinder ihrer Chancen beraubt. Vor allem die Grundschule, in der mit Lesen und Schreiben die Grundlagen für die spätere Leistungskompetenz gelegt werden, muss jedem Kind das Beste bieten. Die neusten Pisa-Ergebnisse zeigen, dass ein Fünftel der Schüler nur unzureichend bis gar nicht lesen kann. Da braucht es erst recht geballte Kompetenz im Klassenzimmer.

Wer lesen und schreiben kann, kann es noch lange nicht kompetent vermitteln. Kinder zu alphabetisieren bedarf besonderer pädagogischer und didaktischer Kenntnisse. Ein Lehramtsstudium dauert im Schnitt fünf Jahre, das Referendariat je nach Land ein bis zwei Jahre. Erst danach ist eine Lehrkraft vollständig qualifiziert, Schüler eigenständig zu unterrichten. Neben dem Fachwissen - das im Unterricht meist eine untergeordnete Rolle spielt - geht es um Lernstrategien und Kompetenzorientierung, um Motivation und darum, den Kessel der Konflikte im überaus heterogenen Sozialgefüge auf Sparflamme zu halten. Das lernt man nicht in einem Zwei-Wochen-Seminar. Inklusion und Integration managt auch niemand intuitiv.

Das Problem ist auch, dass viele denken, weil sie selbst mal Schulkind waren, wüssten sie, wie der Beruf funktioniert. Nein. Lehrer sein bedeutet nicht, sich vor die Klasse zu stellen und ein bisschen was zu erzählen, während die Kinder stillsitzen. Das war vielleicht mal so. Zumal der Frontalunterricht mittlerweile verpönt ist. Binnendifferenzierung und individuelle Lernpläne sind die Methoden des Zeitgeistes. Wenn die Quereinsteiger darauf nicht optimal vorbereitet werden, sind nicht nur die Kinder die Leidtragenden. Auch der motivierteste Quereinsteiger wird nicht lange durchhalten, wenn ihm keine ausreichenden pädagogischen und didaktischen Mittel an die Hand gegeben werden. Mit Motivation allein ist das nicht zu stemmen.

Quereinsteiger sind eine gute Stütze, um die Not zu überbrücken. Keinesfalls dürfen sie ohne Nachqualifikation dauerhaft unterrichten. Kinder haben einen Anspruch auf gute Bildung. Und Eltern darauf, dass ihre Kinder in der Obhut von Fachkräften sind. Sollten Eltern merken, dass Unqualifizierte vor ihren Kindern stehen, könnte das zudem den Boom von Privatschulen fördern, soziale Trennung inklusive.



Quelle: ots/Westdeutsche Zeitung
#mehrGesellschaft
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Foto: CDC

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