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Montag, 30 Mär 2020
Staatliche Regelförderung soll funktionalen Analphabeten den Kurszugang erleichtern
Staatliche Regelförderung soll funktionalen Analphabeten den Kurszugang erleichtern Foto: Gerd Altmann / Pixabay CC0
 2-3 Minuten Lesezeit  419 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr
Volkshochschulen fordern mehr Geld für Alphabetisierung. Anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September hat der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) die anhaltend hohe Zahl von funktionalen Analphabeten in Deutschland beklagt. Seit 2011 ist wissenschaftlich belegt, dass rund 7,5 Millionen Erwerbsfähige kaum lesen und schreiben können. Das entspricht 14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und in etwa der Einwohnerzahl der vier größten deutschen Städte. "Keine andere Zahl verdeutlicht so drastisch die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Teilhabechancen", sagt Ulrich Aengenvoort, Direktor des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. "Ohne eine kraftvolle Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Gemeinden wird dieser beschämende Umstand noch Jahrzehnte fortbestehen." Als unzureichend kritisiert der Deutsche Volkshochschul-Verband die Strategie im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (2016 bis 2026), dem Problem allein durch Projektförderungen zu begegnen. Zwar gebe es eine Vielzahl von sinnvollen Ansätzen und neuen Erkenntnissen. Die finanzielle Ausstattung reiche aber bei Weitem nicht aus, um funktionalen Analphabetismus in Deutschland signifikant zu reduzieren und die Beteiligung Betroffener an Kursen zu Alphabetisierung und Grundbildung deutlich zu erhöhen. Auch die Volkshochschulen als größter Anbieter benötigen bessere Rahmenbedingungen, um mehr Menschen zu erreichen. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat der Deutsche Volkshochschul-Verband wichtige Grundlagen schaffen können für die Qualitätsentwicklung der Kurse, sei es mit neuen Lehr- /Lernmaterialien, mit einem Rahmencurriculum oder in der Professionalisierung der Lehrkräfte. Um Menschen mit unzureichenden Lese- und Schreibkompetenzen gezielter anzusprechen, gibt es Kooperationen mit Modellkommunen und mit Trägern der Arbeitsförderung. Seit 2004 betreibt und entwickelt der DVV außerdem das BMBF-geförderte Lernportal "Ich-will-lernen.de" mit mehr als 31.000 Übungen. Anlässlich des Weltalphabetisierungstages veranstaltet der DVV derzeit eine Fachkonferenz in Erfurt. Experten aus Volkshochschulen und Landesverbänden diskutieren über neue Ansätze, um funktionalen Analphabetismus in Deutschland wirksam zu reduzieren. "Diese konzeptionellen Entwicklungen sind unverzichtbar. Doch die dramatisch hohe Zahl von funktionalen Analphabeten verlangt darüber hinaus nach Anstrengungen in einer völlig neuen Dimension", betont DVV-Direktor Aengenvoort. An die im Bundestag vertretenen Parteien hat der DVV deshalb die Forderung nach staatlicher Regelförderung gerichtet, die allen Betroffenen die Teilnahme an Angeboten zur Alphabetisierung und Grundbildung ermöglicht. Die Reaktionen sind durchweg positiv: Unter den Bundestagsparteien besteht Einigkeit darin, dass das Kursangebot erweitert und der Kurszugang erleichtert werden muss. "Die Volkshochschulen und ihre Verbände werden entschieden dafür eintreten, dass sich die neue Bundesregierung im Verbund mit den Ländern deutlich stärker für die Alphabetisierungsdekade einsetzt." Aengenvoort abschließend: "Wir brauchen neben Projektförderungen ein starkes, staatliches Förderinstrument, das in der Lage ist, dieses große gesellschaftliche Problem zu lösen und für den Einzelnen den Anspruch auf Grundbildung einzulösen." Quelle: ots/Deutscher Volkshochschul-Verband

Anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September hat der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) die anhaltend hohe Zahl von funktionalen Analphabeten in Deutschland beklagt. Seit 2011 ist wissenschaftlich belegt, dass rund 7,5 Millionen Erwerbsfähige kaum lesen und schreiben können. Das entspricht 14,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und in etwa der Einwohnerzahl der vier größten deutschen Städte. "Keine andere Zahl verdeutlicht so drastisch die ungleiche Verteilung von Bildungs- und Teilhabechancen", sagt Ulrich Aengenvoort, Direktor des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. "Ohne eine kraftvolle Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Gemeinden wird dieser beschämende Umstand noch Jahrzehnte fortbestehen."

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Als unzureichend kritisiert der Deutsche Volkshochschul-Verband die Strategie im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (2016 bis 2026), dem Problem allein durch Projektförderungen zu begegnen. Zwar gebe es eine Vielzahl von sinnvollen Ansätzen und neuen Erkenntnissen. Die finanzielle Ausstattung reiche aber bei Weitem nicht aus, um funktionalen Analphabetismus in Deutschland signifikant zu reduzieren und die Beteiligung Betroffener an Kursen zu Alphabetisierung und Grundbildung deutlich zu erhöhen. Auch die Volkshochschulen als größter Anbieter benötigen bessere Rahmenbedingungen, um mehr Menschen zu erreichen.

Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat der Deutsche Volkshochschul-Verband wichtige Grundlagen schaffen können für die Qualitätsentwicklung der Kurse, sei es mit neuen Lehr- /Lernmaterialien, mit einem Rahmencurriculum oder in der Professionalisierung der Lehrkräfte. Um Menschen mit unzureichenden Lese- und Schreibkompetenzen gezielter anzusprechen, gibt es Kooperationen mit Modellkommunen und mit Trägern der Arbeitsförderung. Seit 2004 betreibt und entwickelt der DVV außerdem das BMBF-geförderte Lernportal "Ich-will-lernen.de" mit mehr als 31.000 Übungen. Anlässlich des Weltalphabetisierungstages veranstaltet der DVV derzeit eine Fachkonferenz in Erfurt. Experten aus Volkshochschulen und Landesverbänden diskutieren über neue Ansätze, um funktionalen Analphabetismus in Deutschland wirksam zu reduzieren.

"Diese konzeptionellen Entwicklungen sind unverzichtbar. Doch die dramatisch hohe Zahl von funktionalen Analphabeten verlangt darüber hinaus nach Anstrengungen in einer völlig neuen Dimension", betont DVV-Direktor Aengenvoort. An die im Bundestag vertretenen Parteien hat der DVV deshalb die Forderung nach staatlicher Regelförderung gerichtet, die allen Betroffenen die Teilnahme an Angeboten zur Alphabetisierung und Grundbildung ermöglicht. Die Reaktionen sind durchweg positiv: Unter den Bundestagsparteien besteht Einigkeit darin, dass das Kursangebot erweitert und der Kurszugang erleichtert werden muss.

"Die Volkshochschulen und ihre Verbände werden entschieden dafür eintreten, dass sich die neue Bundesregierung im Verbund mit den Ländern deutlich stärker für die Alphabetisierungsdekade einsetzt." Aengenvoort abschließend: "Wir brauchen neben Projektförderungen ein starkes, staatliches Förderinstrument, das in der Lage ist, dieses große gesellschaftliche Problem zu lösen und für den Einzelnen den Anspruch auf Grundbildung einzulösen."



Quelle: ots/Deutscher Volkshochschul-Verband


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