Sonntag, 29 Nov 2020
Foto: 25891 / pixabay (CC)
 2-3 Minuten Lesezeit  403 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel und kann ein kulinarischer Genuss sein. Doch der große Appetit auf Steak und Wurstsalat hat einen bitteren Beigeschmack: Rinder, Schweine und Geflügel werden meist mit gentechnisch-verändertem Soja aus Monokulturen gefüttert. Gülle belastet in Regionen mit intensiver Nutztierhaltung das Grundwasser. Und die Haltungsformen entsprechen nicht den Erwartungen der Verbraucher. Der WWF hat jetzt einen Ratgeber zur Orientierung an der Fleischtheke vorgelegt. Demnach verfehlen über 90 Prozent der in Deutschland angebotenen Fleisch- und Wurstwaren die Mindestanforderungen an ökologische Nachhaltigkeit.

empty alt
Foto: suky6661 / CC0 (via Pixabay)

Gut gemeint, aber in der Praxis kaum umsetzbar

Für die WWF-Empfehlungen wurden Produktionsmethoden, Labels und Warenklassen durchleuchtet und nach einem einfachen Ampelsystem bewertet. Als insgesamt empfehlenswert werden Bio- oder Neuland-Produkte, Weide- und Wildfleisch eingestuft. Zusammen erreichen sie jedoch nicht einmal zehn Prozent Marktanteil. Stattdessen dominiert konventionell produziertes Fleisch, mit enormen, negativen ökologischen Auswirkungen und ungenügenden Anforderungen an die Tierhaltung. "Die gute Nachricht ist, dass es der Verbraucher in der Hand hat, daran etwas zu ändern", sagt der zuständige WWF-Referent Markus Wolter. Schließlich sprächen gesundheitliche wie ökologische Gründe für einen bewussten Fleischgenuss.

Eine GUTE WAHL sind laut WWF die Produkte mit dem EU-Biosiegel. Die Verbands-Biosiegeln wie etwa Bioland, demeter, Naturland, Biopark und Biokreis erfüllen neben den EU-Mindestanforderungen zudem weitere Zusatzkriterien, so sind etwa weniger Zusatzstoffe erlaubt und es muss mehr hofeigenes Futter produziert werden. Auch europäisches Wildfleisch aus nachhaltiger, regulierter Jagd sei mit kaum negativen, ökologischen Auswirkungen verbunden.

Als ZWEITE WAHL wird das Neuland-Siegel bewertet. Es hat höhere Tierhaltungsstandards als konventionelle Ware und es wird auf Gentechnikfreies Soja und heimische Futtermittel zurückgegriffen. Eine Produktion nach Bio-Kriterien ist jedoch nicht vorgeschrieben. Der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger im Ackerbau wird weiterhin erlaubt. Auch regionales Weidefleisch wird positiv bewertet, da es überwiegend ohne Kraftfutter auskommt und eine bessere Tierhaltung hat. Da es jedoch kein einheitliches Zertifizierungssystem oder Siegel gibt, wird es vom WWF "gelb" bewertet. Im Zweifel, so die Empfehlung, solle sich der Verbraucher die Höfe vor Ort anschauen.

Mit LIEBER NICHT bewertet der WWF konventionell produzierte Fleisch- und Wurstwaren, da sie enorme ökologische Auswirkungen hätten und die Anforderungen an die Tierhaltung ungenügend seien. Konventionelle Fleisch-Markenlabels, also Fleisch welches mit Zusatzkriterien versehen ist, haben in der Regel jedoch keine nennenswerten Anforderungen mit ökologischem Mehrwert und sind meist reine Marketinginstrumente. Auch das QS-Siegel erfülle nur minimalste Anforderungen an die Tierhaltung und keine ökologischen Nachhaltigkeitskriterien. Wegen hoher CO2-Emissionen wird von importierte "Flug- oder Schiffware" abgeraten, wie etwa Schafsfleisch aus Neuseeland.



Quelle: WWF


#mehrGesellschaft
Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat bereits 170 seiner Produkte auf die Nutri-Score-Kennzeichnung umgestellt.
Foto: The RedBurn / CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Viele Lebensmittelhersteller wollen den Nutri-Score verwenden

Viele Lebensmittelhersteller planen, den Nutri-Score auf ihre Packungen zu drucken. Bereits Anfang Oktober haben sich 56 Unternehmen für die neue Nährwertkennzeichnung registrieren lassen, teilte...
Diese groteske Kombination von Corona und Terror ist auch eine ebenso Metapher auf unsere Zeit.
Foto: Aneta Pawlik

Der unverwüstlich-sture Geist von Wien

Für einen Novemberabend war es am Montag in Wien absurd warm mit knapp unter zwanzig Grad. Zugleich waren es die allerletzten Stunden vor dem neuerlichen Lockdown, der um Mitternacht beginnen...
Das Problem geht aber über Caffier hinaus. Sein Unwillen, auf die Frage zu antworten, steht sinnbildlich für die Verwilderung und autoritäre Entwicklung in weiten Teilen des Staatsapparates.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons

Keine Privatsache

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier ist auf einer Pressekonferenz der Frage ausgewichen, ob er eine Waffe bei einem Unterstützer der Gruppe "Nordkreuz" gekauft habe. Der...
Woidkes positiver Test zeigt aber auch, wie rasend schnell eine Infektion weite Kreise ziehen kann.
Foto: Adrian Fiedler / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Politiker als Risikogruppe

Politiker leben gefährlich in Zeiten der Pandemie. Da muss man nicht mal an Donald Trump und seine Super-Spreader-Events im Weißen Haus denken. Auch in Deutschland hat sich Covid-19 bereits in der...
In den nächsten Tagen und Wochen gilt es, die Ursachen für das Ergebnis zu analysieren.
Foto: Clay Banks

Erst einmal tief Luft holen

Wie auch immer die Präsidentschaftswahl in den USA am Ende ausgehen wird, etwas steht jetzt schon fest: Wer in der Meinungsforschung beschäftigt ist, sollte einen Berufswechsel ins Auge fassen. Jede...
Bislang erwerben Bundestagsabgeordnete - ohne wie Arbeitnehmer Beiträge zu zahlen - für jedes Jahr im Parlament einen Anspruch auf 2,5 Prozent der aktuellen Diäten (10.083,47 Euro) als Altersgeld.
Foto: Tobias Golla

51 Millionen Euro für Altersversorgung der Bundestagsabgeordneten

Die Ausgaben für die Altersversorgung ehemaliger Bundestagsabgeordneter und ihrer Hinterbliebenen sind stark gestiegen. Seit dem Jahr 2000 haben sie sich von 22,2 Millionen Euro auf 51,4 Millionen...
Gassen, Streeck und der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hatten am Tag des Corona-Gipfels am vergangenen Mittwoch ein Positionspapier veröffentlicht, in dem vor neuen Verboten zur Pandemiebekämpfung gewarnt wurde.
Foto: NickyPe

Oberster Lungenarzt verurteilt Anti-Lockdown-Vorstoß und fordert Aufhebung von Personaluntergrenzen

Deutschlands Lungenärzte haben den Anti-Lockdown-Vorstoß von Kassenarztchef Andreas Gassen und dem Virologen Hendrik Streeck scharf verurteilt. "Die Position, die unautorisiert im Namen der Ärzte-...
Back To Top