Foto: Erich Westendarp / CC0 (via Pixabay)
 2-4 Minuten Lesezeit  611 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Mehrere Tierversuchsstudien für die Zulassung des Pestizids Glyphosat stammen von einem Laborbetreiber, der offenbar Ergebnisse von Experimenten gefälscht hat. Das staatliche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt in seinem letzten Gutachten über das Unkrautvernichtungsmittel für die EU bei 14 Untersuchungen die Hamburger Firma "LPT" (Laboratory of Pharmacology and Toxicology) als Quelle, wie die Tageszeitung "taz" (Mittwochausgabe) berichtet. Hinzu kommen mindestens 7 Studien, die sich anhand der Nummernkennung und des Autors wahrscheinlich dem LPT zuordnen lassen. Alle 21 Untersuchungen wurden von dem Hamburger Chemiehändler Helm AG beauftragt, der zu den Antragstellern für die Zulassung von Glyphosat gehörte. Das BfR-Gutachten war die wichtigste Vorarbeit für die EU-Behörden, die Glyphosat 2017 für weitere 5 Jahre zugelassen haben.

Es ist nicht auszuschließen, dass ein Teil der Anhängerschaft Trumps den Vorwurf des Wahlbetrugs ernst nimmt und glaubt, die amerikanische Demokratie notfalls auch mit Waffen verteidigen zu müssen.
Foto: Daniel Stub

US-Wahl: "Es kann jetzt zu Gewalt kommen"

Der Fall könnte die Glaubwürdigkeit des amtlichen Pestizid-Zulassungssystems weiter erschüttern. Denn das BfR vertraute den LPT-Studien stärker als von der Industrie unabhängigen Untersuchungen, weil die zuständige Landesbehörde in Hamburg das Labor nach den "Grundsätzen der Guten Laborpraxis" zertifiziert hatte. Die Richtlinien schreiben den Laboren zum Beispiel interne Kontrolleure vor, die überprüfen sollen, ob Ergebnisse gefälscht werden. "Dieses System hat hier auf jeden Fall versagt", sagte Toxikologe Peter Clausing, Vorstandsmitglied der Umweltorganisation Pestizid-Aktionsnetzwerk Deutschland, der taz.

Möglicherweise beeinflusst der Fall LPT auch das gerade laufende EU-Verfahren zur Verlängerung der Erlaubnis für den Wirkstoff Glyphosat, den die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat. Glyphosat wird unter anderem von Monsanto - der der US-Tochter des Chemiekonzerns Bayer - produziert und ist das meistverkaufte Ackergift weltweit.

In der ARD-Fernsehsendung "Fakt" hatten im Oktober und November mehrere ehemalige LPT-Mitarbeiter bestätigt, dass die Firma Versuche mit Medikamenten manipuliert habe.

"Der LPT-Skandal hat deutlich gemacht, dass die Integrität des GLP-Systems nicht gewährleistet ist und die vermeintliche 'Fälschungssicherheit' von GLP-Studien daher trügerisch ist", sagte Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker des österreichischen Umweltverbands Global 2000, der taz. Weil die Manipulationen so eklatant und jahrzehntelang nicht aufgefallen seien, liege der Verdacht nahe, dass auch in anderen Labors gefälscht werde. "Da die Behörden sich sehr stark auf GLP-Studien verlassen, ist keine Pestizidzulassung mehr sicher", so Burtscher.

Der Grüne Bundestagsabgeordnete und Pestizidexperte Harald Ebner erklärte, der Fall "stellt den ganzen GLP-Standard in Frage". Die Risikobewertung von Glyphosat müsse "neu aufgerollt werden", so der Politiker.

In Hamburg ist die dortige Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz nach eigenen Angaben für die GLP-Prüfungen zuständig. "Aktuell ist die GLP-Bescheinigung für LPT aus dem Jahre 2017 gültig", teilte das Amt der taz mit. Nachdem dem Labor vorgeworfen worden war, Versuchstiere ausgetauscht zu haben, "wurde zusätzlich eine Nachinspektion im Dezember 2019 durchgeführt". Doch dabei habe man "keine grundsätzlichen Verstöße" gegen die GLP-Regeln festgestellt. Auf die Frage der taz, ob das Amt in dem Fall versagt habe, antwortete es: "Nein, die im gesetzlichen Rahmen vorgeschriebenen Prüfungen wurden durch die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz regelmäßig durchgeführt" - und zwar seit 1991 "mindestens alle 3 Jahre".

Die taz fragte das LPT, ob es auch die Glyphosat-Studien gefälscht habe. Das Unternehmen antwortete, "dass wir alle gesetzlichen Vorschriften insbesondere im Zusammenhang mit dem Tierwohl einhalten."

Das BfR, die Bayer AG und der Hamburger Chemiehändler Helm AG, der in Frage stehende LPT-Studien in Auftrag gegeben hatte, ließen eine Bitte der taz um Stellungnahme bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Das grundlegende Problem ist für Umweltschützer Clausing, dass die Pestizidhersteller die Studien für die Zulassung selbst in Auftrag geben und selbst die Labore aussuchen. Dadurch könnten die Labore unter Druck geraten, Gefälligkeitsgutachten zu erstellen, um weitere Aufträge von den Herstellern zu bekommen. "Deshalb müssen die Studien künftig über einen industrieunabhängig verwalteten Fonds finanziert werden, der sich aus Gebühren der antragstellenden Firmen speist", so Clausing.

https://taz.de/Zweifelhafte-Glyphosat-Gutachten/!5661084/



Quelle: ots/taz - die tageszeitung/jma/ksc
#mehrGesellschaft
Die Lage im Nahen Osten ist explosiver, als es zuletzt - auch überdeckt von der die ganze Welt beschäftigenden Corona-Krise - erschienen sein mag.
Foto: Wikimedia Images

Zurück auf der Tagesordnung: Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern

Der Frust der Palästinenser hat sich seit vielen Jahren aufgestaut. Nicht nur, dass ihre vor zwei Dekaden noch berechtigte Hoffnung, eines Tages in einem eigenen Staat leben zu können, teils durch...
Es geht jedoch nicht nur um alte Schummeleien oder Schludrigkeiten. Vielmehr geht es darum, dass Giffey im September Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Glaubwürdigkeit von Franziska Giffey

Ob Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) aufgrund der Plagiate in ihrer Dissertation nun doch der Doktortitel entzogen wird oder nicht, könnte eine zu vernachlässigende Randnotiz sein....
Die Realität dagegen: Brandenburg und Sachsen gehören, was den Anteil der Erstgeimpften gegen Corona angeht, zu den Schlusslichtern in Deutschland.
Foto: WorldInMyEyes

Das dauert noch

Geimpfte können trotz Corona-Beschränkungen wieder mehr Freiheit genießen: Einkaufen oder Essen gehen zum Beispiel oder einen Kurzurlaub antreten. Das ist die Verheißung. Die Realität dagegen:...
Der Sozialverbands-Präsident wirft der Bundesregierung vor, nicht rechtzeitig erkannt zu haben, dass ärmere Menschen stärker von der Pandemie betroffen sind.
Foto: Jordan Whitt

Mitte der Gesellschaft rutscht in Armut ab

Kurz vor der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hat der Sozialverband Deutschland vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich gewarnt. "In den...
Beim Netto-Vergleich liegen die Altersbezüge der freien Berufe aber noch immer 1,8-mal so hoch wie die durchschnittliche gesetzliche Rente.
Foto: pasja1000

Renten aus Versorgungswerken doppelt so hoch wie gesetzliche Renten

Die Altersrente der Versorgungswerke freier Berufe wie Ärzte, Apotheker, Notare oder Rechtsanwälte liegt mehr als doppelt so hoch wie die Altersrente gesetzlich Versicherter. Zahlten die...
Impfpass mit Eintragungen der beiden Impfungen
Foto: Superikonoskop / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Gefälschte Impfpässe: Polizeigewerkschaft fordert für Polizisten Zugang zu Impfdaten des RKI

In der Debatte um gefälschte Impfpässe und Impfbescheinigungen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) für Polizisten den Zugang auf die Impf-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der...
Man hätte das viel früher vorbereiten können und müssen", sagte Landsberg
Foto: Alfred Derks

Lockerungen für Geimpfte bundeseinheitlich regeln

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, drängt auf bundeseinheitliche Regelungen im Umgang mit Geimpften. "Die Aufhebung von Einschränkungen für bereits geimpfte...
Back To Top