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Häufig nicht erkannt: Wenn Vitamin-Mangel auf die Nerven geht

Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für neurologisch-psychiatrische Erkrankungen.

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gesundheit.
Foto: tookapic / pixabay (CC)

Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für neurologisch-psychiatrische Erkrankungen.

Insbesondere ältere Menschen weisen häufig Versorgungslücken an lebenswichtigen Biofaktoren auf. Zu den Ursachen zählen Fehl- und Mangelernährung, Erkrankungen sowie alters- oder arzneimittelbedingte Aufnahmestörungen im Magen-Darm-Trakt, sagte der klinische Pharmakologe Prof. Dr. Dr. Dieter Loew. Diese Defizite werden häufig nicht erkannt. Denn: "Mangelerscheinungen sind tückisch", so Loew. Sie äußerten sich anfangs in unklaren, oft verkannten Krankheitsbildern. Aber sie können schwerwiegende Folgen haben und unter anderem Nerven und Hirn schaden.

So führe eine unzureichende Verfügbarkeit fast aller B-Vitamine zu empfindlichen Störungen der Hirn- bzw. Nervenfunktion, wie Prof. Dr. Karlheinz Reiners, Stv. Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg, betonte. Ein Mangel an Vitamin B1 könne schon kurzfristig einen Einbruch der Leistungsfähigkeit in verschiedenen Teilbereichen des Nervensystems zur Folge haben: Im Gehirn reduziere sich das kognitive Potenzial. Im peripheren Nervensystem könne der Vitamin-B1-Mangel zu Nervenschäden, zu einer so genannten Polyneuropathie, führen, die sich meist zuerst durch Schmerzen, Missempfindungen oder sensible Störungen in Füßen oder Händen bemerkbar mache. Nervenschäden dieser Art treten häufig auch in Folge eines erhöhten Alkoholkonsums oder eines Diabetes mellitus auf. Daher werde Vitamin B1 - insbesondere die für den Körper besser verfügbare Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin - auch in der Behandlung dieser Erkrankungen angewendet, sagte Prof. Hilmar Stracke, Stv. Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Wie Studien zeigten, könne Benfotiamin bei diabetischer Neuropathie zur Verbesserung der Nervenfunktion und der Symptome beitragen, so der Diabetologe.

Einige neurologische Erkrankungen werden auch in Zusammenhang mit einem Vitamin-D-Mangel gebracht. Das unter Sonnenlichteinfluss in der Haut gebildete Vitamin hat unter anderem starke Auswirkungen auf das Immunsystem. Diese Effekte könnten bei Multipler Sklerose eine schützende Rolle spielen, wie PD Dr. Mathias Buttmann, Oberarzt und Leiter der Spezialambulanz für Multiple Sklerose an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg, verdeutlichte. In den letzten Jahren habe eine Reihe epidemiologischer Studien überzeugende Belege erbracht, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Multiplen Sklerose zu erkranken, umso größer ist, je niedriger der Vitamin-D-Spiegel ist, und dass bei bestehender Erkrankung erniedrigte Vitamin-D-Spiegel mit erhöhter Erkrankungsaktivität verbunden sind. Ein Mangel an Vitamin D scheint auch die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen bakterielle Hirnhautentzündungen zu schwächen, wie tierexperimentelle Studien von PD Dr. Marija Djukic, Institut für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen und Leitende Oberärztin des Geriatrischen Zentrums am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, zeigen.



Quelle: ots / GfB