Foto: Claus Rebler / Flickr (CC)
 1-2 Minuten Lesezeit  304 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Mediziner der Universität Magdeburg fordern, die Regeln für die Krankschreibung von Beschäftigten zu lockern. Doch das ist der falsche Weg: Die Arztbesuche ließen sich anders besser regulieren.

Womöglich ist die Zeit der "Alles-unter-einem Dach"-Häuser einfach vorbei.
Foto: Magnussen, Friedrich (1914-1987) - Stadtarchiv Kiel / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Zeit der Warenhäuser ist vorbei

In Deutschland gehen Patienten mehr als dreimal so häufig zum Arzt wie in Norwegen. Für Forscher an der Universität Magdeburg ist klar: Ein Großteil der Konsultationen ist darauf zurückzuführen, dass erkrankte Arbeitnehmer spätestens ab dem 3. Tag ihrem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegen müssen. In Norwegen hingegen kann ein Beschäftigter nach eigener Einschätzung und ohne Attest länger zu Hause bleiben. Die Fehlzeiten laufen deshalb keineswegs aus dem Ruder. Darum schlägt das Magdeburger Projektteam vor, auch hierzulande zu testen, ob es nicht ausreicht, erst nach dem fünften Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung zu verlangen. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler vor allem eine Entlastung der Arztpraxen.

Allerdings entscheiden bereits heute viele Arbeitnehmer eigenverantwortlich, ob sie zur Arbeit gehen können oder nicht. Denn die meisten Arbeitgeber verlangen erst nach dem 3. Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung, obwohl sie laut Gesetz bereits ab dem 1. Fehltag auf ein Attest bestehen können.

Einer Verlängerung dieser Frist steht vor allem das Gesundheitsinteresse der Arbeitnehmer entgegen. Wer vermag denn zu beurteilen, wann eine Bronchitis aufhört und eine Lungenentzündung anfängt? Gut, wenn der Arzt solche Fragen abklärt. Laienhafte Fehleinschätzungen können auch die Krankenkasse teuer zu stehen kommen.

Dabei lassen sich die unterschiedlich vielen Arztbesuche auch anders erklären: In Norwegen müssen Patienten nämlich bei jedem Arztbesuch in die eigene Tasche greifen. Umgerechnet sind derzeit für jeden regulären Hausarztbesuch gut 16 Euro fällig, während der nächtliche Notdienst sogar über 27 Euro kostet. Beim Facharzt muss der Patient mehr als 36 Euro zahlen, falls er eine Überweisung hat, sonst kann es noch teurer werden. Eine ähnliche hohe Zuzahlung hätte man in Deutschland testen können - wenn die Praxisgebühr im Jahr 2013 nicht abgeschafft worden wäre.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln


#mehrGesellschaft
Impfpass mit Eintragungen der beiden Impfungen
Foto: Superikonoskop / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Gefälschte Impfpässe: Polizeigewerkschaft fordert für Polizisten Zugang zu Impfdaten des RKI

In der Debatte um gefälschte Impfpässe und Impfbescheinigungen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) für Polizisten den Zugang auf die Impf-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der...
Der Sozialverbands-Präsident wirft der Bundesregierung vor, nicht rechtzeitig erkannt zu haben, dass ärmere Menschen stärker von der Pandemie betroffen sind.
Foto: Jordan Whitt

Mitte der Gesellschaft rutscht in Armut ab

Kurz vor der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hat der Sozialverband Deutschland vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich gewarnt. "In den...
Beim Netto-Vergleich liegen die Altersbezüge der freien Berufe aber noch immer 1,8-mal so hoch wie die durchschnittliche gesetzliche Rente.
Foto: pasja1000

Renten aus Versorgungswerken doppelt so hoch wie gesetzliche Renten

Die Altersrente der Versorgungswerke freier Berufe wie Ärzte, Apotheker, Notare oder Rechtsanwälte liegt mehr als doppelt so hoch wie die Altersrente gesetzlich Versicherter. Zahlten die...
Man hätte das viel früher vorbereiten können und müssen", sagte Landsberg
Foto: Alfred Derks

Lockerungen für Geimpfte bundeseinheitlich regeln

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, drängt auf bundeseinheitliche Regelungen im Umgang mit Geimpften. "Die Aufhebung von Einschränkungen für bereits geimpfte...
Die Lage im Nahen Osten ist explosiver, als es zuletzt - auch überdeckt von der die ganze Welt beschäftigenden Corona-Krise - erschienen sein mag.
Foto: Wikimedia Images

Zurück auf der Tagesordnung: Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern

Der Frust der Palästinenser hat sich seit vielen Jahren aufgestaut. Nicht nur, dass ihre vor zwei Dekaden noch berechtigte Hoffnung, eines Tages in einem eigenen Staat leben zu können, teils durch...
Die Realität dagegen: Brandenburg und Sachsen gehören, was den Anteil der Erstgeimpften gegen Corona angeht, zu den Schlusslichtern in Deutschland.
Foto: WorldInMyEyes

Das dauert noch

Geimpfte können trotz Corona-Beschränkungen wieder mehr Freiheit genießen: Einkaufen oder Essen gehen zum Beispiel oder einen Kurzurlaub antreten. Das ist die Verheißung. Die Realität dagegen:...
Es geht jedoch nicht nur um alte Schummeleien oder Schludrigkeiten. Vielmehr geht es darum, dass Giffey im September Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Glaubwürdigkeit von Franziska Giffey

Ob Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) aufgrund der Plagiate in ihrer Dissertation nun doch der Doktortitel entzogen wird oder nicht, könnte eine zu vernachlässigende Randnotiz sein....
Back To Top