Zurzeit gebe es jedoch keinen Überblick über die medizinische und pflegerische Basisversorgung.
Zurzeit gebe es jedoch keinen Überblick über die medizinische und pflegerische Basisversorgung. Foto: Vesna Harni
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Patientenschützer werfen Bund, Ländern und Robert-Koch-Institut ein Versagen mit Blick auf die ambulante Versorgung von Corona-Infizierten vor. Es sei "ein Skandal sondergleichen, dass bei Altenpflegekräften, niedergelassenen Ärzten und Arzthelfern Infektionen nicht statistisch erfasst werden", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Das sei "ein riesen Fehler".

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Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die AfD macht sich selbst verdächtig

Der allergrößte Teil der infizierten Menschen in Deutschland werde nicht in Krankenhäusern behandelt, sondern außerhalb, erklärte Brysch. Das sei auch so gewollt, um Hospitäler zu entlasten. Zurzeit gebe es jedoch keinen Überblick über die medizinische und pflegerische Basisversorgung. "Also muss die Statistik sofort auch diesen Bereich erfassen. Um die Krise zu überwinden, muss dort hingeschaut werden, wo sie bewältigt wird."

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind 2300 Ärzte und Pflegekräfte mit Covid-19 infiziert. Allerdings wird nur das Klinikpersonal erfasst. Auch die Länder haben keinen Überblick über die Zahl erkrankter Pflegekräfte und Ärzte außerhalb der Kliniken, wie Recherchen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR ergaben.

Die RKI-Statistik "sagt nichts über die Wirklichkeit aus", kritisierte Patientenschützer Brysch. Auf diese Weise würden diejenigen, die die Hauptlast in der Krise tragen, "diskriminiert". "Die wichtigsten Feuerwehrleute im Kampf gegen Corona sind überhaupt nicht im Blick der Krisenmanager des Bundes, der Länder und der Kommunen", sagte Brysch der NOZ.

Wegen infizierten Personals sind bereits Hunderte Arztpraxen geschlossen, zahlreiche Pflegeheime haben ein Aufnahmestopp verhängt. Um die Versorgung sicherzustellen, müsse das in den Kliniken verfügbare Personal bei der ambulanten Versorgung und in Heimen mit anpacken, forderte Brysch: "Es ist absurd, wenn jetzt erste Krankenhäuser Kurzarbeit für ihr nicht ausgelastetes Personal erwägen", sagte der Stiftungsvorstand. "Gleichzeitig spielen sich in Altenheimen aus Personalmangel dramatische Szenen ab. Wir brauchen also Brücken statt Mauern zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung."

Seine konkrete Forderung: "Wir brauchen in jeder Kommune einen Pool, in dem Mediziner und Pfleger aus Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen mit niedergelassenen Ärzten und Altenpflegekräften zusammenarbeiten", sagte er. "Diese Teams müssen dorthin geschickt werden, wo die Not am größten ist." Bisher werde streng zwischen stationär und ambulant unterschieden. "Eine solche harte Trennung ist in Krisenzeiten aber fatal."

Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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