Dienstag, 22 Sep 2020
Foto: Pimbert / Flickr (CC)
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Die bundesweiten Hilferufe der Notaufnahmen in den Kliniken, die sich der Patientenströme kaum noch erwehren können, quittiert der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, in einer Pressemittelung vom 17.02.2015 mit den zynischen Worten: "Wir erwarten, dass die Krankenhäuser bei einem sich ändernden Behandlungsbedarf ihr Leistungsangebot den Bedürfnissen der Patienten anpassen und nicht einfach nur nach mehr Geld rufen".

Die Reiselust scheint den Bundesbürgern trotz allem erstmal nicht grundlegend abhanden gekommen zu sein.
Foto: Michael Siebert

Die Reise geht ins nahe Woanders

Auch die niedergelassenen Ärzte werden gleich mit ab gewatscht: "Wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Versorgungsauftrag nicht nachkommen und deshalb die Patienten am Wochenende mit einfachen Erkrankungen in die Notaufnahme kommen, darf das Problem nicht bei den Beitragszahlern abgeladen werden".

Es wäre sehr interessant zu wissen, was sich wohl der GKV-Spitzenverband unter einer "Anpassung des Leistungsangebots" bei den Notaufnahmen der Kliniken vorstellt. Möchte er künftig Notfallpatienten 1. und 2. Klasse? Warum werden wieder einmal Kliniken und niedergelassene Ärzte in Sippenhaft genommen für Verfehlungen der Gesundheitspolitik und der Ignoranz der Krankenkassen? Glauben Herr Lanz und der GKV-Spitzenverband wirklich, dass die Kliniken am Wochenende und nachts die Patienten mit Prämien in die Notaufnahme locken?

Sollte dem GKV-Spitzenverband tatsächlich entgangen sein, dass landauf und landab wegen eines faktisch bestehenden Ärztemangels die Notfalldienste der Kassenärztlichen Vereinigungen umorganisiert werden mussten mit der Konsequenz deutlich längerer Anfahrtswege für die Bereitschaftsärzte?

Die Bürger Initiative Gesundheit e.V. muss an dieser Stelle den Krankenkassen ins Stammbuch schreiben: Selbstverständlich kommen die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem Versorgungs-Auftrag nach, ganz im Gegenteil zu manchen Kassen, die ihren Beitragszahlern auf breiter Front immer wieder Leistungen verweigern. Dass im Bereich der Notfall-Versorgung viele Patienten förmlich mit "den Füßen abstimmen", kann weder den Kassenärzten noch den Kliniken zum Vorwurf gemacht werden.

Insofern ist auch das Argument des GKV-Spitzen-Verbandes, dass "das Problem nicht bei den Beitragszahlern abgeladen werden darf", eher als kurios anzusehen, denn hier entscheidet ja gerade der Beitragszahler in seinem eigenen Interesse, wenn er Klinik-Ambulanzen aufsucht. Und auch die Kliniken verfügen bei dieser Problematik über keinerlei Alternativen: Vor einer Sichtung der auflaufenden Notfallpatienten sind keinerlei Entscheidungen über das weitere Vorgehen möglich, echte Notfälle dürfen keinesfalls abgewiesen werden.

Hierzu ist außerdem auf die aktuelle Studie der Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e. V. (DGINA) zu verweisen, die festgestellt hat, dass rund 50% der in den Krankenhäusern erbrachten ambulanten Notfallbehandlungen aufgrund der notwendigen Leistungsinhalte grundsätzlich nicht im allgemeinen Notfalldienst der KV hätten versorgt werden können.

Daraus ergibt sich für uns, dass die bestehenden Strukturen der Notfallver- sorgung insgesamt den aktuellen Bedürfnissen und Notwendigkeiten angepasst werden sollten. Ein mehr an integrierter Notfallversorgung könnte insgesamt von Vorteil sein.

Unter diesen Gesichtspunkten muss die weitergehende Forderung des GKV-Spitzenverbandes, dass die „teuren, für die gute Versorgung der Menschen nicht benötigten Überkapazitäten dringend abgebaut werden müssen“ für Ärzte und Krankenpflegepersonal in den Notfall-Ambulanzen wie eine Ohrfeige wirken.

Für diese Beschäftigten ist nach dieser Pressemitteilung des Krankenkassen-verbandes klar: Weder wird ihre permanente Tätigkeit am Leistungslimit honoriert, noch ist von den Kassen in dieser Frage Abhilfe zu erwarten.

Im Gegenteil, billig muss die Medizin sein, die Gesundheit der "Leistungserbringer" spielt in diesem System keine Rolle.

Welche grandiose Motivation für alle jungen Menschen, die mit dem Gedanken spielen, im Gesundheitswesen tätig zu werden. Mit großem Bedauern stellt die Bürger Initiative Gesundheit e.V. fest: Aus früheren Partnern im Gesundheits-wesen - Ärzten, Kliniken und Krankenkassen - sind längst Gegner geworden und der GKV-Spitzenverband lässt keine Gelegenheit aus, dies immer wieder durch entsprechende Äußerungen zu untermauern und zu verstärken.

Quelle: Bürger Initiative Gesundheit


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