Sonntag, 12 Jul 2020
Foto: obs/Mercer Deutschland/dpa-infografik GmbH
 2-3 Minuten Lesezeit  437 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Frankfurt (ots) - 90 Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind auch im Urlaub geschäftlich erreichbar und nur ein Prozent steht nach Feierabend für berufliche Anrufe und Mails nicht zur Verfügung. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Trendstudie "Stressfaktor Smartphone 2015", für die das internationale Beratungsunternehmen Mercer in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München und der Fachhochschule Rosenheim mehr als 150 Führungskräfte in Deutschland befragt hat.

Angela Merkel
Foto: James Rea / CC0 (via Pixabay)

Halbzeitbilanz der Groko: Grüne erteilen schwarz-roter Europapolitik ein Mangelhaft

Laut Studie sind 88 Prozent der befragten Führungskräfte durch die ständige Erreichbarkeit über ihre Smartphones höherem Stress ausgesetzt, 33 Prozent spüren diese Mehrbelastung häufig oder jederzeit. Damit bewegt sich das Stressempfinden 2015 auf ähnlich hohem Niveau wie 2012, als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde. Das Nutzungsverhalten der Studienteilnehmer hat sich seit 2012 jedoch deutlich verändert. Mittlerweile verwenden 81 Prozent der Führungskräfte ein und dasselbe Smartphone für berufliche und private Zwecke (2012: 70 Prozent). Eine Folge: Nur ein Prozent der Befragten ist nach Feierabend für Kollegen oder Geschäftspartner nicht zu erreichen und liest auch keine arbeitsrelevanten E-Mails. Die damit verbundene Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben führt bei etwa der Hälfte der Befragten zu einer verkürzten Regenerationszeit - mit unerwünschten Folgen.

"Neben dem erhöhten Stresslevel infolge permanenter Erreichbarkeit sprechen wir hier auch über rechtliche Fragestellungen", kommentiert Prof. Volker Nürnberg, Leiter Health Management bei Mercer. "Wird die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit vom Arbeitnehmer wegen der Bearbeitung von E-Mails nicht eingehalten, kann der Arbeitgeber zur Verantwortung gezogen werden. Im Extremfall z. B. auch dann, wenn der Arbeitnehmer morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Verkehrsunfall verursacht und sich dies u. a. auf eine Nichteinhaltung der Ruhezeit zurückführen lässt."

Allerdings ist das Smartphone mittlerweile ein fester Bestandteil der Berufswelt und ein wichtiges Arbeitsgerät, auf das Arbeitnehmer - und besonders Führungskräfte - nicht verzichten möchten. "Durch den Zugewinn von Flexibilität und Mobilität kann das Smartphone eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Es liegt jedoch sowohl an den Unternehmen als auch an den Mitarbeitern, dass diese Flexibilität am Ende nicht mehr Stress als Nutzen erzeugt", so Prof. Nürnberg. "Verbindliche Regelungen wie z. B. eine Abschaltung der Geräte am Abend sind in einzelnen Fällen sicherlich sinnvoll. Allerdings können solche Vorschriften einen der größten Vorteile des Smartphones - die Flexibilität - auch schnell zunichtemachen. Hilfreich sind dagegen Richtlinien zur Erreichbarkeit und zum Umgang mit E-Mail."

"Unternehmen sollten außerdem versuchen, ihre Mitarbeiter aufzuklären und im gesundheitsgerechten Umgang mit Smartphones zu schulen. Das kann über entsprechende Workshops und Seminare im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, z. B. zu Zeit- und Stressmanagement, vor allem jedoch über die Unternehmens- und Führungskultur erreicht werden. Wenn mein Chef von mir erwartet, seine E-Mails auch im Urlaub zu beantworten, nützt mir auch das beste Stressmanagement nichts."



Quelle: Mercer


#mehrGesellschaft
Womöglich ist die Zeit der "Alles-unter-einem Dach"-Häuser einfach vorbei.
Foto: Magnussen, Friedrich (1914-1987) - Stadtarchiv Kiel / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Zeit der Warenhäuser ist vorbei

Was für ein Niedergang! Einst war die Warenhaus-Branche eine Sammlung klangvoller Namen: Horten, Hertie, Karstadt, Kaufhof teilten sich den großen Umsatzkuchen. Dann kam Amazon und machte den Weg...
Deutschland ist nicht durch und durch rassistisch, aber es gibt gefährliche rassistische Tendenzen.
Foto: Euku / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Rassismus in Deutschland: Schwarze Abgeordnete fordern "mehr Bereitschaft zuzuhören"

Die beiden schwarzen Abgeordneten Aminata Touré und Karamba Diaby haben an die Gesellschaft appelliert, sich intensiver mit Rassismus auseinanderzusetzen und bei rassistischen Vorfällen nicht...
Die Schulen benötigen die Zeit, um sich auf eine neue Art des Unterrichts einzustellen.
Foto: Andy Falconer

Schulen benötigen Zeit für das neue Lernen

Seit Mitte März befinden sich Schüler, Eltern und Lehrer in einem permanenten Ausnahmezustand. Mit der Entscheidung, alle Schulen zu schließen, hat die Landesregierung richtig gehandelt. Sie dürfte...
Werde der Werkvertrag verboten, stünden einige Unternehmen "vermutlich kurzfristig vor erheblichen Personalproblemen".
Foto: Jai79 / CC0 (via Pixabay)

Geplantes Verbot von Werkverträgen: Fleischwaren-Präsidentin zweifelt an Durchsetzungsfähigkeit

Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbandes der Fleischwarenindustrie, ist skeptisch, dass das von der Bundesregierung angekündigte Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft so umgesetzt...
Treffend spricht Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen davon, dass hier der Flügel längst der ganze Vogel geworden sei.
Foto: Vincent Eisfeld / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Die AfD macht sich selbst verdächtig

Die Beobachtung ihres gesamten Landesverbandes durch den Verfassungsschutz hat sich die Brandenburger AfD selbst zuzuschreiben. Wenn zum einen der AfD-Landeschef Andreas Kalbitz selbst dem eigenen...
Der Begriff Rasse gehört, um es klar zu formulieren, auf den Müllhaufen der Geschichte.
Foto: Gemma Chua-Tran

Nicht unantastbar

Kritiker wittern eine Scheindebatte. Sie sprechen von Symbolpolitik ohne Gehalt, die sich wie so oft darin erschöpft, das gute Gewissen zu streicheln. Und sie warnen davor, ohne Not Hand an die...
"Ich fürchte die Signalwirkung für Funktionäre vom Schlage des zurückgetretenen Schalker Aufsichtsrats-Chefs Tönnies, die eigentlich über große Vermögen verfügen, aber im Notfall mit dem Klingelbeutel vor der Politik stehen."
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Kevin Kühnert gegen NRW-Landesbürgschaft für Schalke 04

Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert hat sich kritisch zu Plänen in Nordrhein-Westfalen geäußert, dem Fußball-Bundesligisten Schalke 04 mit einer Bürgschaft zu helfen. Kühnert...
Back To Top