Foto: James M Shelley / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
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Das Woodstock-Festival fand genau vor 50 Jahren statt. Eigentlich standen kommerzielle Interessen hinter der Idee, die damals besten Bands und Musiker zusammenzubringen. Und es gab schreckliche organisatorische Pannen, weil man kurzfristig an einen anderen Ort ausweichen musste und offenbar keiner wusste, wie man die Anreise von 400 000 Menschen organisiert und sie versorgt. Aber es wurden dann doch Tage des Friedens und der Musik, wie die Veranstalter versprochen hatten.

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Bildung steht über der Pandemie

Die Festival-Besucher mögen auf dem Höhepunkt der Hippie-Bewegung zu viele Drogen genommen und unbeschwerten Sex gehabt haben, aber sie wollten auch, dass sich etwas ändert im Land. Sie fühlten sich als Teil von etwas Großem. Blickt man heute auf dieses Land, möchte man ihm wieder etwas Großes, wieder ein Woodstock wünschen. "Viele Probleme, über die wir uns damals Sorgen gemacht haben, sind zurück", sagt Mit-Organisator Michael Lang und meint damit vor allem die Spaltung der US-Gesellschaft etwa in Bezug auf den Umgang mit Migranten und das Rassen-Thema. Er meint auch seinen Präsidenten Donald Trump, dem der Klimawandel egal ist. Dabei gab es 1969 in den Staaten schon Anfänge der Umweltbewegung, die Hippies zog es in die Natur.

Gleichzeitig waren Hoffnungen zerstoben. Die Bürgerrechtsbewegung stand noch unter dem Schock der Morde an Martin Luther King und Bobby Kennedy ein Jahr zuvor. Und dann war da dieser Krieg, den die Vereinigten Staaten in Vietnam führten. Am Ende hatten dort 58 000 US-Soldaten ihr Leben verloren, 150 000 waren verwundet worden, hunderttausende traumatisiert. Auch heute befinden sich die USA in einer Art Krieg, einem Wirtschaftskrieg. Gegner sind vor allem China und die EU, die Waffen sind Zölle. Kein US-Soldat kommt dabei tot im Sarg zurück, daher ist es schwierig, einen Ansatz für eine neue Bewegung für Frieden und Freiheit zu finden. Und trotzdem blickt die Nation wieder auf Särge. Offener Rassismus bricht sich in Gewaltakten und Amokläufen Bahn, zuletzt in El Paso und Dayton mit 29 Toten. Das politische Klima in den USA ist heute wie vor 50 Jahren vergiftet.

Trump arbeitet unbeirrt an einem Amerika, das vor allem an sich denkt und von weißen, möglichst reichen Männern beherrscht wird. Damit hält er seine Wähler- und Fan-Basis. Allzu laxe Waffengesetze will der Präsident nicht angehen, für die Opfer dieser Politik zeigt er wenig Empathie. Ungerechtigkeit, Gewalt, Hass sind also wieder da 50 Jahre nach Woodstock. Die Folk-Sängerin Joan Baez stand damals mitten in der Nacht auf der Bühne, schwanger im sechsten Monat. Sie sang "We Shall Overcome" (Wir werden es überwinden), das wohl bekannteste Protestlied. Das machte nicht nur denjenigen unter den 400 000 Mut, die noch wach waren. Das ganze Festival gab trotz seiner Unzulänglichkeiten, einer Portion Pech mit dem Wetter, aber einer zutiefst friedlichen Ausstrahlung zumindest kurzzeitig denjenigen Rückenwind, die sich in Frauen-, Bürgerrechts- und Friedensbewegungen engagierten.

Wo sind heute die Impulse für eine Bewegung, die Lösungen befördert? Wer organisiert das neue Woodstock? Die Kommunikation wäre ungleich einfacher als 1969. Die sozialen Medien etwa sind nicht nur eine leider zu oft genutzte Plattform für Hassbotschaften, sondern wären ideal für eine breit angelegte Kampagne für Frieden und Ökologie, gepaart mit dem Aufruf zur Solidarität - mit Minderheiten, Rassen, der Weltgemeinschaft insgesamt. Woodstock bleibt natürlich auch wegen seiner musikalischen Höhepunkte in Erinnerung. Zu wenige davon sind durch den gleichnamigen Film und den Soundtrack überliefert. Aber Jimmy Hendrix' Version der US-Nationalhymne, Joe Cockers "With a Little Help from My Friends" oder das irrwitzige Gitarrenspiel von "Ten Years After"-Frontman Alvin Lee haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Der Titel, den Lee auch sang: "I'm Going Home" - eine Aussage, die sich Donald Trump zu Eigen machen könnte.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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