Freitag, 04 Dez 2020
Das Gebäude des Deutschen Bundesrats in Berlin-Mitte, Leipziger Straße
Das Gebäude des Deutschen Bundesrats in Berlin-Mitte, Leipziger Straße Foto: Manfred Brückels / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
 2-3 Minuten Lesezeit  540 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Am 17. Mai entscheidet der Bundesrat über die Straßenzulassung von E-Scootern. Und gerade noch rechtzeitig ist das Verkehrsministerium von der bemerkenswerten Idee abgerückt, bis zu zwölf km/h schnelle und völlig lautlose Fahrzeuge auf Gehwegen fahren zu lassen, die eigentlich ein sicherer Schutzraum für Fußgänger, für Senioren und Kinder im Straßenverkehr sein sollten. Immerhin. Doch auch ohne diese Absurdität wirkt die aktuelle Debatte um die batteriebetriebenen Tretroller, die womöglich noch in diesem Sommer auf deutschen Straßen und Radwegen fahren sollen, erschreckend unausgewogen.

Der rot-rot-grüne Berliner Senat hatte am Dienstag letzter Woche beschlossen, dass die Schulen der Hauptstadt zum Start des neuen Schuljahrs 2020/21 wieder in den Regelbetrieb übergehen.
Foto: Sandro Halank / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Berlins Bildungssenatorin Scheeres verteidigt Komplettöffnung der Schulen

In einer Mischung aus Silicon-Valley-Verliebtheit, Lobbygläubigkeit und einer diffusen Angst, den Anschluss zu verpassen, stellt kaum noch jemand die Frage, ob es tatsächlich sinnvoll ist, noch einen neuen Fahrzeugtyp auf die Straßen zu lassen. Im Gegenteil: Kritikern wird mit Verweis auf die vielen anderen Länder, in denen E-Scooter schon unterwegs sind, typisch deutscher Regulierungswahn vorgeworfen. Und es klingt ja auch verführerisch: Als klein, leicht und flexibel, emissions- und geräuschfrei werden die Gefährte angepriesen, und, weil sie das ideale Verkehrsmittel für die sogenannte "Letzte Meile"- den Weg von der Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels zum Arbeitsplatz - seien, als nächster Schritt der Mobilitätswende.

Aber es lohnt sich, das genauer anzuschauen: Denn wenn es das Ziel der Mobilitätswende ist, die Zahl der mit Verbrennungsmotor betriebenen Fahrzeuge auf der Straße zu reduzieren, dann muss sich die Zulassung neuer Fahrzeugarten daran messen lassen, ob sie ein diesel- oder benzinbetriebenes Auto oder Motorrad ersetzen können. Ein E-Scooter - ohne Dach, ohne Kofferraum oder Platz für Kindersitze - kann dies nur dort, wo Menschen für ihren Arbeitsweg öffentliche Verkehrsmittel nutzen könnten, den Weg dorthin bzw. von dort zum Arbeitsplatz aber nicht zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad oder dem unmotorisierten Tretroller zurücklegen wollen. Aber bereit sind, sich auf einen E-Scooter zu stellen. Die Zahl der so eingesparten Autos dürfte also ziemlich gering sein. Stattdessen wird der E-Scooter wohl eher für bisherige Fußgänger interessant sein oder andere Kleinfahrzeuge ersetzen. Und damit ebenso wie andere elektrisch angetriebenen Zweiräder Verkehr dorthin bringen, wo bislang keiner ist und dorthin, wo der Platz ohnehin knapp ist.

Die Alpenvereine konstatieren schon jetzt eine Zunahme des Verkehrs in den Bergen durch E-Bikes und Pedelecs. In den Innenstädten könnten Touristen in Zukunft statt zu Fuß mit dem E-Scooter unterwegs sein. Fahrradfahrer ohne Motor müssen sich die Radwege - wo sie vorhanden sind - schon jetzt mit Pedelecs teilen, riskante Überholmanöver aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten sind an der Tagesordnung. Noch schlimmer wird das dort, wo es gar keine Radwege gibt und sich Autos, Motorräder, Mofas, E-Bikes und Fahrradfahrer drängeln. Verschärft werden könnte die Situation außerdem durch die zahlreichen Verleihfirmen, die in nahezu allen größeren Städten schon in den Startlöchern stehen: Hunderte E-Scooter, die Parkflächen im Stadtgebiet brauchen, hunderte Kurzstreckenfahrer, die mal eben einen E-Roller nehmen, ohne an das Gefährt gewöhnt zu sein.

Und auch die Umweltbilanz der E-Scooter, rechnet man Lebensdauer, Stromverbrauch und Batterieherstellung ein, ist nicht per se positiv. So fällt es schwer, die Gefährte tatsächlich als geeignetes Mittel zum Erreichen der Mobilitätswende zu sehen. Im Gegenteil: Die Zulassung von E-Scootern wird die Risiken für alle Verkehrsteilnehmer, die nicht mit dem Auto unterwegs sind, wohl eher erhöhen. Und könnte so schlimmstenfalls sogar mehr Menschen dazu bringen, wieder aufs Auto umzusteigen.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrGesellschaft
Die USA entwickeln sich also vom ehemaligen Partner (zugegeben: einem schwierigen) zum potenziellen Systemrivalen.
Foto: Library of Congress

Folgen der US-Wahl auf die Transatlantischen Beziehungen

Europa hat nach dieser US-Wahl ein Problem, egal wie sie am Ende ausgegangen sein wird. Regiert Donald Trump weitere vier Jahre, womit wir uns Stand Mittwochmittag ernsthaft beschäftigen müssen,...
Gassen, Streeck und der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hatten am Tag des Corona-Gipfels am vergangenen Mittwoch ein Positionspapier veröffentlicht, in dem vor neuen Verboten zur Pandemiebekämpfung gewarnt wurde.
Foto: NickyPe

Oberster Lungenarzt verurteilt Anti-Lockdown-Vorstoß und fordert Aufhebung von Personaluntergrenzen

Deutschlands Lungenärzte haben den Anti-Lockdown-Vorstoß von Kassenarztchef Andreas Gassen und dem Virologen Hendrik Streeck scharf verurteilt. "Die Position, die unautorisiert im Namen der Ärzte-...
Das Problem geht aber über Caffier hinaus. Sein Unwillen, auf die Frage zu antworten, steht sinnbildlich für die Verwilderung und autoritäre Entwicklung in weiten Teilen des Staatsapparates.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons

Keine Privatsache

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier ist auf einer Pressekonferenz der Frage ausgewichen, ob er eine Waffe bei einem Unterstützer der Gruppe "Nordkreuz" gekauft habe. Der...
"Natürlich ist das Corona-Virus gefährlich! Wir haben es mit einer durchaus ernst zu nehmenden Infektionskrankheit zu tun", sagte Bhakdi
Foto: Engin Akyurt

Sucharit Bhakdi: "Natürlich ist das Corona-Virus gefährlich!"

Der hoch umstrittene Bestseller-Autor und Wissenschaftler Sucharit Bhakdi hat den Vorwurf zurückgewiesen, er sei ein Corona-Leugner. "Natürlich ist das Corona-Virus gefährlich! Wir haben es mit...
Man kann Giffey vorhalten, dass sie nicht eher diesen Schritt gegangen ist.
Foto: SPD Berlin/ Joachim Gern / CC BY 4.0 via Wikimedia Commons

Der richtige Schritt

Ein blauer Fleck wird bleiben. Für eine Spitzenpolitikerin ist es nie schön, wenn ihr unsaubere Arbeit vorgehalten wird, und sei es in einer vor zehn Jahren erstellten Dissertation, als sie noch...
Bis September 81.100 Selbstständige Arbeit suchend gemeldet.
Foto: Leni und Tom

Zahl der Selbstständigen in Grundsicherungsbezug wegen Corona um 1000 Prozent angestiegen

Die Zahl der Selbstständigen, die aufgrund der Corona-Pandemie zwischenzeitlich Grundsicherung beziehen mussten, ist seit dem Frühjahr massiv in die Höhe geschossen. Insgesamt haben sich in den...
In den nächsten Tagen und Wochen gilt es, die Ursachen für das Ergebnis zu analysieren.
Foto: Clay Banks

Erst einmal tief Luft holen

Wie auch immer die Präsidentschaftswahl in den USA am Ende ausgehen wird, etwas steht jetzt schon fest: Wer in der Meinungsforschung beschäftigt ist, sollte einen Berufswechsel ins Auge fassen. Jede...
Back To Top