Dienstag, 07 Jul 2020
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 2-3 Minuten Lesezeit  563 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Frankfurt (ots) - Der Euro war unter den großen Währungen lange so etwas wie der Problembär - nicht nur wegen der Staatsschuldenkrise, sondern zuletzt auch wegen der für kontinentaleuropäische Verhältnisse sehr aggressiven geldpolitischen Lockerung.

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Der Fall des Euro-Kurses von 1,40 Dollar vor noch gut einem Jahr auf Werte von nur noch knapp über der Parität spricht Bände. Doch zuletzt konnte die Gemeinschaftswährung diese negative Rolle trotz des Kurses des griechischen Staatsschiffes Richtung Zahlungsunfähigkeit abstreifen. Stattdessen liegt derzeit der schwarze Peter am Devisenmarkt eindeutig beim Yen. Dies ist umso erstaunlicher, da die seit Frühjahr 2014 anhaltende Dollar-Rally zuletzt ausgelaufen ist und eine ganze Reihe Währungen Boden zum Greenback gutgemacht haben. Auf handelsgewichteter Basis hat bereits vor einigen Wochen die Aufwertung ein Ende gefunden, so Berechnungen von Morgan Stanley. Dabei zeigt sich, dass der Dollar eng mit dem Renditeabstand zweijähriger Treasuries zu den Anleihen dieser Laufzeit der G10-Länder (ohne USA) korreliert ist. G10 steht für die global zehn wichtigsten Währungen.

Vorsprung schrumpft

Nicht zuletzt der Renditesprung bei Euro-Staatsanleihen zu Monatsbeginn hat den Zinsvorsprung von US-Papieren weiter schrumpfen lassen. Zuletzt sinken in der Eurozone jedoch wieder die Renditen, während in der abgelaufenen Handelswoche Spekulationen über steigende US-Leitzinsen wieder hochkamen, was nicht zuletzt den Yen belastete. Zum Euro bewegte sich der Dollar hingegen so gut wie nicht. Wie geht es also weiter mit dem global wichtigsten Währungspaar? Möglicherweise werden sich die jüngsten Schwankungen einfach fortsetzen, so dass Analysten von einer volatilen Seitwärtsbewegung sprechen werden. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Ausbruch - über die Richtung ist der Markt gespalten. Grob gesagt gibt es zwei grundsätzliche, aber divergierende Erwartungshaltungen zum Euro-Dollar-Kurs. Im Kern geht es um die Frage, ob der Euro unter die Parität zum Dollar fällt oder nicht, also für einen Euro künftig weniger als ein Dollar gezahlt werden muss. Während die DZ Bank dieser Tage von der Prognose der Parität Abstand genommen hat und nun auf Zwölfmonatssicht eine Euro-Aufwertung erwartet, hält die Deutsche Bank an ihrer Skepsis fest und prognostiziert noch für dieses Jahr den Fall unter die Parität. Bei Morgan Stanley sieht man es ähnlich, dort lautet das Kursziel für das vierte Quartal 98 US-Cent je Euro.

Schwaches US-Wachstum

Analysten wie die der Deutschen Bank oder von Morgan Stanley erwarten eine erneute Euro-Abwertung, weil sie auf eine zügige Wiederbelebung des US-Wirtschaftswachstums hoffen. Die andere Seite beruft sich hingegen auf zuletzt schwache Wirtschaftsdaten aus den USA bei gleichzeitig einer Reihe positiver Überraschungen in der Eurozone. Diese Seite, zu der neben der DZ Bank auch HSBC zählt, erwartet eine Trendwende beim Euro-Kurs.

Rückenwind dürfte diese Gruppe in ihrer Argumentation von den jüngsten Wachstumsdaten aus den USA bekommen. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,7% geschrumpft. Zudem fiel der wichtige Chicago-Einkaufsmanagerindex unter die Expansionsschwelle. Noch ein schwaches Quartal, und die USA stecken offiziell in der Rezession. Dann wird ein viertes Anleihekaufprogramm (QE4) wahrscheinlicher als eine Zinserhöhung, die Parität wäre dann nicht in Sicht.

Euro-Schwemme

So weit ist es sicherlich noch nicht, aber die US-Konjunktur spricht derzeit nicht für einen deutlich stärkeren Dollar. Allerdings könnte der Euro aus anderen Gründen schwächeln. Die Währungsanalysten der Deutschen Bank sprechen von der Euro-Schwemme. Weil es in der Eurozone kaum noch Zinsen gibt, könnten die hohen Sparvermögen - insbesondere der Deutschen - auf Renditejagd in alle Welt gehen. Dann würde auch der Euro geschwächt werden.



Quelle: Börsen-Zeitung


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