Diese groteske Kombination von Corona und Terror ist auch eine ebenso Metapher auf unsere Zeit.
Diese groteske Kombination von Corona und Terror ist auch eine ebenso Metapher auf unsere Zeit. Foto: Aneta Pawlik
 1-2 Minuten Lesezeit  370 Worte im Text  vor 27 Tagen

Für einen Novemberabend war es am Montag in Wien absurd warm mit knapp unter zwanzig Grad. Zugleich waren es die allerletzten Stunden vor dem neuerlichen Lockdown, der um Mitternacht beginnen sollte. Tausende nutzten die letzten Stunden noch einmal, um in den Gastgärten ein paar Gläser zu trinken, bevor man sich wieder in wochenlange Isolation begeben muss. Das allein hatte schon die Anmutung eines "letzten Walzers" - vor allem angesichts der explosionsartigen Zunahme der Infektionen in Österreich.

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Foto: Febiyan / CC0 (via Unsplash)

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Währenddessen machte sich ein Attentäter - ein 20jähriger, in Wien geborener Anhänger des "Islamischen Staates" mit österreichisch-mazedonischer Staatsbürgerschaft - bereit: mit automatischer Waffe, Unmengen an Munition, einer Sprengstoff-Gürtel-Attrappe. Auf Feiernde wurde geschossen, auf Passanten, auf junge Leute, die vor den Kneipen eine Zigarette rauchten. Die Innenstadt als Kriegs- und Sperrzone. Aus den anderen Gegenden der Stadt versuchten alle so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Verlassen Sie ihre Wohnungen nicht, so der unmissverständliche Aufruf des Innenministers.

Diese groteske Kombination von Corona und Terror ist auch eine ebenso Metapher auf unsere Zeit. Das Virus, der Terror - schon eines würde reichen, eine Gesellschaft und urbane Gemeinschaft einem immensen Stresstest auszusetzen. Das eine verstärkt das andere: Das Grundgefühl, dass der urbane Raum, das "da draußen", ein gefährlicher Ort ist. Und es addiert sich zu einem Gefühl der Überforderung.

Terror und die jihadistische Kriegserklärung gegen eine heterogene Gesellschaft der Freiheit erregen den spontanen, emotionalen Wunsch, gemeinsam aufzustehen, ein massives Zeichen zu setzen, sich aber damit als Gesellschaft auch wechselseitig psychisch zu stützen. In Zeiten der Ansteckung wird es das aber nicht geben können. Wie schrieb eine Wiener Journalistin auf Twitter? "Zusammenstehen nach Terroranschlag - isolieren wegen Lockdown. Es ist alles zu viel."

Schöne Momente in all dem? Gab es auch. Zwei austrotürkische Jungs stürmten in Todesverachtung im Kugelhagel in die Gefahrenzone um einen schwer verletzten, angeschossenen Polizisten zu bergen. Ein Passant rief dem Attentäter im breitesten Wienerisch nach: "Oaschloch", oder "Schleich di, du Oaschloch" ("Hau ab, du Arschloch"). Ganz genau ist das im Video nicht zu hören, wird aber längst - ob völlig akkurat oder nicht - zur Parole des Tages in den sozialen Netzwerken.

Schleich di, du Oaschloch: Viel besser kann man den unverwüstlich-sturen Geist von Wien schwer einfangen als in dieser Wendung.

Quelle: ots/taz - die tageszeitung
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