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Deutschen Bank: Kein Grund zur Häme

Deutsche Bank New YorkFoto: Ajay Suresh / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

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Deutschen Bank: Kein Grund zur Häme

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Die ersten Investmentbanker der Deutschen Bank mussten in London und New York schon an diesem Montag ihre Sachen packen. 18.000 weitere Beschäftigte des größten heimischen Geldhauses werden dieses Schicksal in den kommenden Jahren teilen müssen. Jede fünfte Stelle fällt dem Schrumpfkurs der Bank zum Opfer. Normalerweise würde eine Branchengewerkschaft lautstark den Vorstand schelten und nach Rücknahme der Pläne rufen. Doch diesmal ist es anders.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Betriebsrat des Instituts unterstützen den harten Sanierungskurs von Vorstandschef Christian Sewing. Es geht also nicht wie so oft um eine Maximierung der Gewinne im Sinne der Aktionäre. Es geht fast 150 Jahre nach der Gründung des renommierten Geldinstituts schlicht ums Überleben der Bank, deren Name eng mit dem Aufstieg Deutschlands zur wirtschaftlichen Supermacht verbunden ist. Mitleid kann der Konzern nicht erwarten. Die Deutsche Bank war bei vielen der kleinen und großen Schweinereien in den vergangenen Jahren dabei, die seit dem Beginn der Finanzkrise ruchbar wurden. Ob bei Geldwäschevorwürfen, der Manipulation von Zinsen und anderen Regelverstößen: Immer wieder standen Angestellte des Branchenprimus im Fokus der Ermittler. Milliardenschwere Strafzahlungen waren die Folge.

Auch das einst höchst einträgliche Investmentbanking kostete zunehmend nur noch viel Geld, in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem durch die weiter fließenden Millionenboni für erfolglose Banker. Erst waren die führenden Manager überheblich bis großmäulig, dann sahen sie zunehmend konzeptlos dem Niedergang zu. Die Quittung lässt sich am Wert des Unternehmens ablesen. Steuerte die Deutsche Bank in den besten Zeiten mal in Richtung eines Aktienkurses von 100 Euro, wären die Aktionäre heute schon über einen niedrigen zweistelligen Preis überglücklich. Die Vorstandschefs wechselten in den vergangenen Jahren fast so häufig wie der Sportverein HSV die Fußballtrainer. Der Traditionsclub ist wie die Deutsche Bank trotzdem in die zweite Liga abgestiegen. Doch Häme über das Versagen der selbstbewussten Manager ist fehl am Platze.

Erstens sind mit dem Schrumpfkurs viele Tausend menschliche Schicksale verbunden. Zweitens sollten Sewing eher die Daumen für den Erfolg seiner Sanierung gedrückt werden. Eine wirtschaftlich starke heimische Bank in Deutschland ist auch im Interesse der Gesellschaft. Die vergangenen Jahre haben zur Genüge gezeigt, wie schnell aus Verbündeten Konkurrenten reifen können, wie schnell nationale Interessen das Gefüge einer eher kooperativ ausgerichteten Weltwirtschaft durcheinanderrütteln können. Es bietet eine gewisse Sicherheit, wenn sich deutsche Unternehmen zur Finanzierung ihrer Vorhaben künftig nicht nur auf Geldhäuser im Ausland verlassen müssen.

Ob der von vielen Fachleuten als mutig begrüßte Schritt ausreicht, muss sich nun noch zeigen. Stärken hat die Bank zweifelsohne. Ob sie allein ausreichen oder doch noch eine Fusion mit einem starken Partner notwendig wird, ist offen. Denn es sind nicht nur die Sünden der Vergangenheit, die der Deutschen Bank wie anderen Traditionsinstituten auch das Leben schwer machen. Die Digitalisierung verändert die Branche nachhaltig. Das klassische Filialgeschäft ist auf lange Sicht ein Auslaufmodell. Das wird noch viele Arbeitsplätze kosten. Die Kunden, ob große oder kleine, suchen sich für ihren Bedarf den jeweils besten Anbieter. Die Zinsen bleiben auf mittlere Sicht niedrig, damit auch die Margen. Stabilität dürfte der größte Erfolg sein, der im derzeitigen Umfeld möglich erscheint.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost
505 Wörter im Bericht.

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