Manche Lernkurve entwickelt sich halt so zaghaft, wie man es sich sehnlichst von der Corona-Infektionskurve wünscht.
Manche Lernkurve entwickelt sich halt so zaghaft, wie man es sich sehnlichst von der Corona-Infektionskurve wünscht. Foto: Claudio Schwarz
 2-3 Minuten Lesezeit  552 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Es ist die dritte Woche der starken Ausgangsbeschränkungen in Bayern und zumindest gefühlt sind 13 Millionen Bürgerinnen und Bürger nun zu Corona-Experten mutiert. Die Lernkurve zeigt nach oben, wenn auch in unterschiedlichem Tempo. Das lässt sich im Mikrokosmos Supermarkt jetzt vor Ostern exakt studieren: Viele halten inzwischen ganz selbstverständlich Abstand, die Zahl der Kunden mit selbst genähten Schutzmasken steigt und nur ein zum Glück immer kleinerer Teil bugsiert seinen Einkaufswagen ohne Rücksicht auf jede Distanzregeln durch die Gänge. Manche Lernkurve entwickelt sich halt so zaghaft, wie man es sich sehnlichst von der Corona-Infektionskurve wünscht.

Die Aufträge bleiben aus, die Lieferketten sind unterbrochen, jedes siebte Unternehmen erwartet aktuell Geldengpässe.

Industrie bleibt im Abwärtsstrudel

Dabei ist keine Zeit zu verspielen. Bayern ist trotz aller Anstrengungen das Bundesland mit der höchsten Zahl an Infizierten, auch die Verdoppelungsrate ist hier höher als anderswo. Das wirkte als Turbo für die Lernkurve der politisch Verantwortlichen. Ministerpräsident Markus Söder und Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger sind auf die Überholspur gewechselt und verlassen diese auch nicht mehr. Im Bundesvergleich geben sie das Tempo vor. Söder ist dabei staatsmännischer, Aiwanger geländegängig unterwegs - beide fahren streckenweise etwas übertourig, aber die Richtung stimmt. Ob tatsächlich jede einzelne Aktion am Ende richtig gewesen ist, wird nach der Corona-Krise akribisch aufgearbeitet werden - speziell von denen, die im Nachhinein immer alles besser wissen.

Bei den milliardenschweren Wirtschaftshilfen, dem Hochfahren der Intensivkapazitäten in Krankenhäusern, der neuen Patientenstudie, dem Bonus für Pflegekräfte und der Eigenproduktion von Schutzmasken ist der Fall aber klar: Alles gut und richtig. Zu den Besonderheiten gehört auch die sehr konstruktive Rolle der Opposition, die nur dort den Finger in die Wunde legt, wo wie beim Eingriff in Freiheitsrechte Nachhaken lohnt. Zu wenig ist bisher allerdings zu hören, wie das Leben ab dem Tag X wieder hochgefahren werden kann. Österreich macht es soeben vor. Hier wünscht man sich von Bayern sachlichen Wettstreit um die besten Lösungen. Sobald die Ausbreitung des Virus stagniert, werden sich Sicherheit und mehr Bewegungsfreiheit mit etwas Kreativität an vielen Stellen kombinieren lassen. Sofern der größte Knackpunkt gelöst ist und für alle Schutzkleidung zur Verfügung steht. Das fordert aber auch die Bürger neu heraus.

Schutzmasken verlangen Selbstdisziplin und hohe Hygienestandards. Sonst sind sie nur "Virenschleudern", wie es Kanzlerin Angels Merkel dem Vernehmen nach intern drastisch formuliert hat. Die Pandemie lehrt, was jeder immer hätte wissen können: Die Politik kann nicht alles lösen. Jeder trägt Eigenverantwortung. Corona macht zudem klar, dass phasenweise schlimme Ungewissheit zu ertragen ist. Das fällt besonders schwer, da alle darauf trainiert sind, Probleme möglichst eins, zwei, drei aus dem Weg zu schaffen. Nun weiß niemand: Wann ist es vorbei, wie schaut die Welt danach aus, werden geliebte Menschen unter den Toten sein? Ausgerechnet aus einem Land, das zuletzt den Irrsinn des Brexits zelebrierte, kommt Tröstliches - von der Queen, die in 93 Lebensjahren mehrfach geprüft worden ist: "Wir werden uns wiedersehen", richtet sie als Versprechen an alle, die nun wegen Corona voneinander getrennt sind. Sie hoffe, dass in den kommenden Jahren alle stolz darauf sein könnten, wie sie auf diese Herausforderung reagiert haben.

Lernkurven - sie sind überall auf der Welt unterschiedlich. Man denke an US-Präsident Donald Trump. Die Queen hat mit Premier Boris Johnson ein eigenes Exemplar vor der Haustür. Doch so einfach und in diesem Fall leicht es dieser Tage ist, auf andere zu zeigen. Jeder muss sich fragen: Tue ich selbst genug, damit die Corona-Krise rasch gemeistert wird?

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrGesellschaft
Der Sozialverbands-Präsident wirft der Bundesregierung vor, nicht rechtzeitig erkannt zu haben, dass ärmere Menschen stärker von der Pandemie betroffen sind.
Foto: Jordan Whitt

Mitte der Gesellschaft rutscht in Armut ab

Kurz vor der Vorstellung des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hat der Sozialverband Deutschland vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich gewarnt. "In den...
Es geht jedoch nicht nur um alte Schummeleien oder Schludrigkeiten. Vielmehr geht es darum, dass Giffey im September Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden will.
Foto: Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Die Glaubwürdigkeit von Franziska Giffey

Ob Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) aufgrund der Plagiate in ihrer Dissertation nun doch der Doktortitel entzogen wird oder nicht, könnte eine zu vernachlässigende Randnotiz sein....
Beim Netto-Vergleich liegen die Altersbezüge der freien Berufe aber noch immer 1,8-mal so hoch wie die durchschnittliche gesetzliche Rente.
Foto: pasja1000

Renten aus Versorgungswerken doppelt so hoch wie gesetzliche Renten

Die Altersrente der Versorgungswerke freier Berufe wie Ärzte, Apotheker, Notare oder Rechtsanwälte liegt mehr als doppelt so hoch wie die Altersrente gesetzlich Versicherter. Zahlten die...
Die Realität dagegen: Brandenburg und Sachsen gehören, was den Anteil der Erstgeimpften gegen Corona angeht, zu den Schlusslichtern in Deutschland.
Foto: WorldInMyEyes

Das dauert noch

Geimpfte können trotz Corona-Beschränkungen wieder mehr Freiheit genießen: Einkaufen oder Essen gehen zum Beispiel oder einen Kurzurlaub antreten. Das ist die Verheißung. Die Realität dagegen:...
Die Lage im Nahen Osten ist explosiver, als es zuletzt - auch überdeckt von der die ganze Welt beschäftigenden Corona-Krise - erschienen sein mag.
Foto: Wikimedia Images

Zurück auf der Tagesordnung: Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern

Der Frust der Palästinenser hat sich seit vielen Jahren aufgestaut. Nicht nur, dass ihre vor zwei Dekaden noch berechtigte Hoffnung, eines Tages in einem eigenen Staat leben zu können, teils durch...
Man hätte das viel früher vorbereiten können und müssen", sagte Landsberg
Foto: Alfred Derks

Lockerungen für Geimpfte bundeseinheitlich regeln

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, drängt auf bundeseinheitliche Regelungen im Umgang mit Geimpften. "Die Aufhebung von Einschränkungen für bereits geimpfte...
Impfpass mit Eintragungen der beiden Impfungen
Foto: Superikonoskop / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Gefälschte Impfpässe: Polizeigewerkschaft fordert für Polizisten Zugang zu Impfdaten des RKI

In der Debatte um gefälschte Impfpässe und Impfbescheinigungen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) für Polizisten den Zugang auf die Impf-Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI). Der...
Back To Top