Freitag, 25 Sep 2020
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Hitzefrei für alle, die im Freien arbeiten müssen. Ab nach Hause ins Homeoffice für alle, die im Büro schwitzen. Das sind die beiden Megabotschaften, die die Grünen am Donnerstagmorgen zum Start eines der heißesten Tage dieses Sommers in die überhitzte Republik sendeten. Sie hätten auch gleich Freibier für alle fordern können. Oder freien Eintritt in alle Freibäder. Der Erfolg könnte nicht größer sein.

Die Bundesregierung habe ein Machtvakuum aufkommen lassen, viele Bundesländer hätten deshalb ihr Heil in eigenen Entscheidungen gesucht.
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Autorität der Kanzlerin auf "fast tragische Weise zerstört"

Hitzefrei für Menschen, die bei 40 Grad im Schatten, sagen wir mal, frischen Teer bearbeiten oder Dachpfannen verlegen müssen - wer könnte was dagegen haben? Und das Recht auf einen entspannten Tag im Homeoffice, mit bloßen Füßen, kurzer Hose und Laptop auf dem schattigen Balkon? Sagen wir mal so: Das Paradies war nichts dagegen. Sollten die Grünen auch noch Kanzlerpartei werden, regnet es im Anschluss an solche Hitzetage in Deutschland in Zukunft wahrscheinlich auch noch Milch mit Honig.

Doch Spaß beiseite. Die Forderung der Grünen zeigt zwei Dinge: erstens, wie zielsicher die einst so sperrige, moralinsaure Partei inzwischen Sorgen und Sehnsüchte der Bundesbürger versteht, aufnimmt und in politische Forderungen übersetzt. Früher hätte es doch durchaus passieren können, dass ein Grüner sich hinstellt und sagt: "Selbst schuld, dass ihr so schwitzt. Wer immer nach Mallorca fliegt, macht eben das Klima kaputt."

Heute dagegen machen sie es wie die Sozialdemokraten in ihren besten Zeiten und fordern erst mal eine ordentliche Entlastung für die schwitzende Mehrheit der Beschäftigten. Mehr noch: Für die Älteren haben sich die Grünen "Hitze-Patenschaften" ausgedacht, um alleinstehenden Senioren die Angst vor tropischen Tagen zu nehmen. Und auch für die Pendler haben sie eine Idee: Wer in der Hitze mit Bus und Bahn unterwegs sein muss, soll in Zukunft an den Haltestellen kostenfreie Trinkwasserbrunnen vorfinden. Klar: So gut das alles auf dem Papier klingt, so schwierig ist vieles in der Umsetzung. In Berlin, wo die Grünen mitregieren, werden jetzt immerhin 100 neue Trinkbrunnen im Stadtgebiet aufgestellt. Doch die populären Forderungen der Grünen zeigen noch etwas anderes. Sie machen für jeden sichtbar, dass sich Deutschland angesichts des Klimawandels tatsächlich umstellen muss. Nicht nur beim Klimaschutz. Sondern mit Blick auf den Alltag kommender Hitzesommer.

In einer Gesellschaft, in der immer mehr ältere und hochbetagte Menschen leben, werden Perioden mit extremer Hitze zu einer bislang unüberschaubaren gesundheitlichen Herausforderung. Deutschland ist zudem ein Land, das anders als Italien oder Spanien in seinem gesamten Alltag, seinen Ernährungsgewohnheiten, seiner Klimatechnik und sogar bei der Bepflanzung seiner öffentlichen Grünanlagen auf durchwachsene mitteleuropäische Sommer ausgelegt ist. Heißt mit anderen Worten: Wir werden noch viel lernen können von unseren Nachbarn in Südeuropa. Die Grünen sind ja auch nicht die Ersten, die auf die Idee kommen, Menschen, die im Freien arbeiten, nicht nur bei besonders schlechtem, sondern auch bei sehr heißem Wetter zu schonen. Die Forderung nach flexibleren Arbeitsorten ist sogar steinalt.

Die Bundesregierung hat sich ebenfalls bereits Gedanken zu Hitzeaktionsplänen gemacht, dann aber entschieden, dass Hitzeschutz Sache der Länder und Kommunen ist. Doch eins ist sicher: Bei CDU und SPD, wo Bürgernähe und das Ohr an der Basis gerade wieder als politische Heilmittel gepriesen werden, dürfte so mancher neidisch auf den Hitze-Coup der Grünen sein.



Quelle: ots/Berliner Morgenpost
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