#zeitfokus.

Samstag, 04 Apr 2020
François Mitterrand und Helmut Kohl
François Mitterrand und Helmut Kohl Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F076604-0021 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0
 2-3 Minuten Lesezeit  541 Worte im Text  vor 64 Tagen
Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Es gibt Bilder, die brennen sich tief ein in das kollektive Gedächtnis, weil sie eine viel größere Bedeutung haben als das Ereignis selbst, das sie zeigen. Etwa als sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand 1984 auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Verdun die Hände reichten, um der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten zu gedenken. Die Geste allein ist für Politiker schon äußerst bemerkenswert. Doch was sie aussagte, hatte umso größeres Gewicht: Anhaltender Friede ist möglich - auch zwischen Völkern, die in nicht allzu ferner Vergangenheit noch aufs Schlimmste verfeindet waren. Frieden, Sicherheit und Wohlstand - das ist das Versprechen der Europäischen Union. Es hält seit den 1950er Jahren bis heute, und die EU ist dafür zu Recht 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Den ehemals verfeindeten Nachbarn diesseits und jenseits des Rheins war das immer auch eine besondere Verpflichtung, weshalb die Achse Berlin (beziehungsweise Bonn) - Paris auch stets eine besondere Verbindung war. Nicht umsonst ist vom deutsch-französischen Motor Europas die Rede. "I want my money back!" Vielleicht ist es angesichts dessen unfair, den Briten vorzuhalten, dass es keine solch markanten Bilder mit ihren Premierministern gibt. Die gibt es ja schließlich auch nicht mit Staatenlenkern vieler anderer EU-Staaten. Vielleicht fangen aber auch genau da die Missverständnisse zwischen den Briten und den übrigen EU-Staaten an. Denn von ihrem Selbstverständnis her - als ehemalige Weltmacht mit dem immer noch großen Commonwealth im Rücken, als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat und vor allem als eine der stärksten Volkswirtschaften des Kontinents - wollten die Briten stets eine herausragende Rolle einnehmen. Wahrgenommen wurden sie zumeist als launische Diva, als Außenseiter, als "die von der Insel" - wozu die Briten freilich selbst ordentlich beigetragen haben. Vom Verhältnis der Briten zum Rest der EU bleibt vor allem ein markanter Satz: "I want my money back!" ("Ich will mein Geld zurück!") Gesagt hat ihn die britische Premierministerin Margaret Thatcher, und zwar rein zufällig ebenfalls 1984 in Frankreich - beim EU-Gipfel in Fontainebleau. Fortan bekamen die Briten zwei Drittel ihrer Nettobeiträge an den EU-Haushalt zurückerstattet. Mit den Sätzen, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen, verhält es sich aber ähnlich wie mit den Bildern: Sie haben eine größere Bedeutung als die eigentliche Aussage. Thatchers Satz bedeutete: Mir ist die EU eigentlich egal, aber ich mache mit, solange am Ende die Kasse stimmt. Kein Grund zur Schadenfreude Wirtschaftsunion oder Wertegemeinschaft? Die EU war immer beides. Vielleicht ist aber auch das Teil des Missverständnisses zwischen den Briten und dem Rest der EU: Die Briten haben die EU wohl eher als eine Art Freihandelszone begriffen. Doch wenn man die Wirtschaftsunion will, dann muss man auch die Wertegemeinschaft akzeptieren. Dass die Briten die EU verlassen, ist ein schwerer Schlag für die europäische Idee. Es gibt aber keinen Grund für ein schadenfrohes "Ihr werdet schon noch sehen" in Richtung London. Stattdessen sollte die EU diesen Schuss vor den Bug ernstnehmen und sich besinnen, denn Missverständnisse gibt es längst auch mit anderen Mitgliedsstaaten wie Polen oder Ungarn. Frieden, Sicherheit und Wohlstand, das erfordert Solidarität, Rücksichtnahme und Kompromisse. Es erfordert gemeinsame Werte. Es erfordert einen deutsch-französischen Motor, der nicht stottert. Und vielleicht erfordert es auch neue Bilder, die sich tief in das kollektive Gedächtnis einbrennen und den Menschen die Bedeutung eines geeinten Europas vermitteln. Quelle: ots/Aachener Nachrichten

Es gibt Bilder, die brennen sich tief ein in das kollektive Gedächtnis, weil sie eine viel größere Bedeutung haben als das Ereignis selbst, das sie zeigen. Etwa als sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand 1984 auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Verdun die Hände reichten, um der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten zu gedenken. Die Geste allein ist für Politiker schon äußerst bemerkenswert. Doch was sie aussagte, hatte umso größeres Gewicht: Anhaltender Friede ist möglich - auch zwischen Völkern, die in nicht allzu ferner Vergangenheit noch aufs Schlimmste verfeindet waren.

Verschärfte Hygieneregeln gelten auch beim Abendmahl.
Foto: wal_172619 / CC0 (via Pixabay)

Kirchen in Niedersachsen machen Ostergottesdienste von Corona-Entwicklung abhängig

Frieden, Sicherheit und Wohlstand - das ist das Versprechen der Europäischen Union. Es hält seit den 1950er Jahren bis heute, und die EU ist dafür zu Recht 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Den ehemals verfeindeten Nachbarn diesseits und jenseits des Rheins war das immer auch eine besondere Verpflichtung, weshalb die Achse Berlin (beziehungsweise Bonn) - Paris auch stets eine besondere Verbindung war. Nicht umsonst ist vom deutsch-französischen Motor Europas die Rede.

"I want my money back!"

Vielleicht ist es angesichts dessen unfair, den Briten vorzuhalten, dass es keine solch markanten Bilder mit ihren Premierministern gibt. Die gibt es ja schließlich auch nicht mit Staatenlenkern vieler anderer EU-Staaten. Vielleicht fangen aber auch genau da die Missverständnisse zwischen den Briten und den übrigen EU-Staaten an. Denn von ihrem Selbstverständnis her - als ehemalige Weltmacht mit dem immer noch großen Commonwealth im Rücken, als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat und vor allem als eine der stärksten Volkswirtschaften des Kontinents - wollten die Briten stets eine herausragende Rolle einnehmen. Wahrgenommen wurden sie zumeist als launische Diva, als Außenseiter, als "die von der Insel" - wozu die Briten freilich selbst ordentlich beigetragen haben.

Vom Verhältnis der Briten zum Rest der EU bleibt vor allem ein markanter Satz: "I want my money back!" ("Ich will mein Geld zurück!") Gesagt hat ihn die britische Premierministerin Margaret Thatcher, und zwar rein zufällig ebenfalls 1984 in Frankreich - beim EU-Gipfel in Fontainebleau. Fortan bekamen die Briten zwei Drittel ihrer Nettobeiträge an den EU-Haushalt zurückerstattet.

Mit den Sätzen, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen, verhält es sich aber ähnlich wie mit den Bildern: Sie haben eine größere Bedeutung als die eigentliche Aussage. Thatchers Satz bedeutete: Mir ist die EU eigentlich egal, aber ich mache mit, solange am Ende die Kasse stimmt.

Kein Grund zur Schadenfreude

Wirtschaftsunion oder Wertegemeinschaft? Die EU war immer beides. Vielleicht ist aber auch das Teil des Missverständnisses zwischen den Briten und dem Rest der EU: Die Briten haben die EU wohl eher als eine Art Freihandelszone begriffen. Doch wenn man die Wirtschaftsunion will, dann muss man auch die Wertegemeinschaft akzeptieren.

Dass die Briten die EU verlassen, ist ein schwerer Schlag für die europäische Idee. Es gibt aber keinen Grund für ein schadenfrohes "Ihr werdet schon noch sehen" in Richtung London. Stattdessen sollte die EU diesen Schuss vor den Bug ernstnehmen und sich besinnen, denn Missverständnisse gibt es längst auch mit anderen Mitgliedsstaaten wie Polen oder Ungarn.

Frieden, Sicherheit und Wohlstand, das erfordert Solidarität, Rücksichtnahme und Kompromisse. Es erfordert gemeinsame Werte. Es erfordert einen deutsch-französischen Motor, der nicht stottert. Und vielleicht erfordert es auch neue Bilder, die sich tief in das kollektive Gedächtnis einbrennen und den Menschen die Bedeutung eines geeinten Europas vermitteln.



Quelle: ots/Aachener Nachrichten
#mehrGesellschaft
Wir wissen aus der Forschung, dass im Auslauf der Krisen der Konkurrenzkampf wieder losgeht und dann Gruppen verdrängt werden.
Foto: Luz Fuertes

Forscher rechnet mit mehr Gewalt

Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick sieht wegen der Einschränkungen im Zuge der Coronakrise ein erhöhtes Risiko von Gewalttaten. "Die Konflikt- und Gewaltforschung rechnet in Krisenzeiten...
Das Tragen auch von einfachen Masken kann bei der Eindämmung des Virus sinnvoll sein.
Foto: David Veksler

Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selbst welche

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat an die Bevölkerung appelliert, Schutzmasken zu tragen: "Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selbst welche und tragen Sie diese...
Wir brauchen einen Schutzschirm für alle Krankenhäuser.
Foto: Hans Braxmeier / CC0 (via Pixabay)

Deutsche Krankenhausgesellschaft verlangt "finanziellen Schutzschirm für alle Krankenhäuser"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) hat einen sofortigen finanziellen "Schutzschirm für alle Krankenhäuser" gefordert, damit Kliniken in der Corona-Krise nicht pleitegehen. "Die Kliniken, ob...
Jede Maske schützt! Und je häufiger gelüftet wird, umso effektiver kann sie schützen.
Foto: Christo Anestev

Selbst genähte Schutzmasken bieten "hohen Schutz" vor Corona-Ansteckung

Im Gegensatz zum Robert-Koch-Institut raten Deutschlands führende Hygieniker zum Tragen eines einfachen Mund-Nase-Schutzes (MNS), weil dieser effektiv vor einer Corona-Ansteckung schütze: "Wer...
Langfristig könnten eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben.
Foto: P.J.L Laurens / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Charité-Virologe Drosten: Es wäre mit 278.000 Corona-Todesopfern zu rechnen

Der Chef-Virologe der Berliner Charité hält es für möglich, dass in Deutschland langfristig eine Viertelmillion Menschen am Coronavirus sterben werden. Das Virus werde sich erst dann nicht weiter...
Wer unter seiner Qualifikation arbeitet, ist nicht nur häufig im Arbeitsleben unzufrieden und verdient weniger.
Foto: Liam Martens

Fast jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland ist überqualifiziert

Fast jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland ist überqualifiziert. Gut 5,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (15,7 Prozent) haben einen Job mit einem Anforderungsprofil unterhalb der...
Nicht nur die großen Unternehmen, auch die Kleinstbetriebe und die "normalen Arbeitnehmer" müssen geschützt werden.
Foto: Moshe Harosh

Auch der Lohn muss sicher sein

Die Bundesregierung hat in der Corona-Krise einen Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen mit unbegrenzten Krediten beschlossen. Auch zur Rettung der Banken floss einst Geld des Steuerzahlers. "Too big to...
Back To Top