Mittwoch, 08 Jul 2020
Foto: Pete Linforth / CC0 (via Pixabay)
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Die Vorsitzende des Deutschen Historikerverbandes, Eva Schlotheuber, hat angesichts des Klimawandels zu Besonnenheit und Zuversicht aufgerufen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte sie, "Gesellschaften hatten schon immer ihre Schreckensvisionen, in jeder Zeit." Das kulturelle Gedächtnis habe viele reale und fiktive Schrecken bewahrt: Der Weltuntergang und das Jüngste Gericht im Christentum, die Pest des 14. Jahrhunderts, Weltkriege, Flucht und Vertreibung. "All diese Erfahrungen, Erzählungen und Vorstellungen gehören in jeder Generation zum Leben dazu."

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Foto: Suzy Hazelwood / CC0 (via pxhere)

Paradies für Kriminelle

"Die aktuellen Herausforderungen fühlen sich für jede Zeit groß und unbewältigbar an", sagte die Mittelalter-Professorin der Universität Düsseldorf. Hier könne Geschichte Mut machen. Sie ordne Ängste der Gegenwart ein, gegenwärtig die vor dem Klimawandel. "Am Ende ist der Weltuntergang bis jetzt ausgeblieben, die Menschen konnten sich retten durch Anpassung, Technik, neue Regeln des Zusammenlebens." Geschichtliche Bildung verschaffe dem Menschen "Gelassenheit und die Gewissheit, dass der Mensch letztlich die Folgen seines Handelns nicht in dem Maße bestimmen kann, wie er oftmals meint". Es brauche den Mut, Veränderungen zu akzeptieren - "sowohl von Küstenlinien als auch im Zusammenleben".

Gleichzeitig sei es offenkundig, "dass zu unserer Vorstellung einer zukünftigen Gesellschaft eine neue Form von Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit gehören sollte", sagte Schlotheuber. Es sei auch im besten Sinne demokratisch, wenn sich Umweltschützer mit radikalen Forderungen und Formulierungen Gehör verschafften: "Wie sollen sie sonst auf ein Umdenken hinwirken?" Demokratie lebe davon, dass Gruppen ihre Meinung klar äußerten und die Gesellschaft mit ihnen in den Dialog trete.

Die Historikerin und Kirchenspezialistin warnte allerdings parallel vor Klima-Extremismus bis hin zu Terror. "Das Aufkommen großer religiöser oder weltanschaulicher Bewegungen ist in der Geschichte ein wohlbekannter Prozess. Wenn zentrale neue Anliegen nicht hinreichend in den Diskurs der Gesellschaft integriert werden können, kommt es zur Radikalisierung. Insofern liegt in jeder großen neuen Bewegung das Potenzial für Extremismus", führte die Professorin aus. Wie es jeweils konkret verlaufe, hänge von der Veränderungsbereitschaft der Gesellschaft ab. Aber: "Es wird immer Splittergruppen geben, denen der Wandel nicht schnell oder nicht weit genug geht."



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung
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