Sonntag, 05 Jul 2020
Zu Hochmut oder Leichtsinn besteht aber weiterhin nicht der geringste Anlass. Das Virus ist nach wie vor da. An der Gefährdungslage ändert sich nichts.
Zu Hochmut oder Leichtsinn besteht aber weiterhin nicht der geringste Anlass. Das Virus ist nach wie vor da. An der Gefährdungslage ändert sich nichts. Foto: Annie Spratt
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So, jetzt ist gelockert. Viele Beschränkungen, denen wir wegen der Corona-Pandemie unterlagen, entfallen jetzt - bis auf Weiteres. Große Teile der Freiheit, die wir für einige Wochen nicht hatten, sind wieder da. Diese Freiheit hat aber wie immer ihren Preis. Sie bedeutet auch nochmals gestiegene Verantwortung. Verantwortung, mit dieser Freiheit angemessen umzugehen. Damit wir nicht die jetzt verkündeten Maßnahmen bald wieder zurückdrehen müssen.

Vor allem im Interesse der Risikogruppen und derer, die weiterhin mit massiven Einschränkungen leben müssen. Von ihnen gibt es nach wie vor mehr als genug. Es ist der Vernunft einer großen Mehrheit und den großen Leistungen vieler, die an vorderster Front gegen das Virus gekämpft haben, zu verdanken, dass der jetzige Weg beschritten werden kann.

Bund und Länder stellen sich mit ihren Beschlüssen sowohl selbst als auch den Bürgern ein gutes Zeugnis aus. Zurecht. Zu Hochmut oder Leichtsinn besteht aber weiterhin nicht der geringste Anlass. Das Virus ist nach wie vor da, einen Impfstoff wird es frühestens in etwa einem Jahr geben. An der grundlegenden Gefährdungslage ändert sich nichts. Es ist somit ein Beweis der Klugheit der politisch Handelnden, eine bei Bedarf regionalisierbare Notfallklausel einzubauen. So weit so gut. Allein, jede Klugheit nützt nur so viel, wie sie auch gewertschätzt wird.

Ja, es gibt anhaltend ungute, zum Teil dramatische Situationen. In Heimen, in der Gastronomie, bei Künstlern und Selbstständigen, in Schulen oder Familien mit ungeklärter Betreuungssituation. Aber wir haben uns nicht über Wochen in dunklen Höhlen von abgekauten Fingernägeln ernähren müssen, und wir werden auch nicht wie in anderen Staaten von Militär in die - nach wie vor gut gefüllten - Supermärkte hinein und wieder heraus getrieben. Von ungewohnten Frisuren geht die Welt nicht unter, und wenn der Profi-Fußball mit auf Biegen und Brechen durchgesetzten Geisterspielen seinen treuen Fans ins Gesicht sagt, dass sie ihm egal sind, ist das hart, aber verkraftbar.

Wer unbedingt ein Geist werden will, soll es werden. Alle übrigen, die sich nach wie vor dem Miteinander verpflichtet fühlen, sollten jetzt unbedingt die Kirche verbal im Dorf lassen und - sich locker machen. Der Weg in die gesellschaftliche Entmündigung findet nicht statt, egal was irgendwelche Krakeeler von sich geben. Dort, wo sachliches Aufarbeiten von Politikversagen nottut - vorneweg bei den Themen Masken und elektronische Datenketten -, muss dieses jetzt ohne Wenn und Aber stattfinden. Aber das Vertrauen ineinander dürfen und müssen Politik und Bürger behalten. Die einen, indem sie den Entscheidern weiterhin das Fahren auf Sicht zugestehen. Die anderen, indem sie dieses Vertrauen, wann immer und sobald es geht, mit Vertrauen in den vernünftigen Umgang mit Freiheit zurückzahlen.

Mit dieser Haltung zueinander stehen wir die Unsicherheit durch, die Corona uns noch lange aufzwingen wird. Nicht immer locker, aber souverän.

Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz
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