Lesezeit: 2 Min

Last statt Lust

Willy Brandt; Herbert Wehner und Helmut SchmidtFoto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F048637-0006 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA 3.0

Meinung
Typographie
  • kleiner klein Standard groß größer
  • Standard Helvetica Segoe Georgia Times

Last statt Lust

.

So kann's kommen. Ein Trio führt die Sozialdemokraten kommissarisch. Es gab in der SPD-Geschichte zweimal eine "Troika", beide Male mehr Last als Lust. In den Sechziger- und Siebzigerjahren: Herbert Wehner, Willy Brandt, Helmut Schmidt. Ab 1993:Rudolf Scharping als Kanzlerkandidat, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder. Aber auch unabhängig von dieser negativen historischen Erfahrung: Die aktuelle Trio-Lösung ist wahrhaftig nicht der Weisheit letzter Schluss.

Vermutlich soll sie Solidarität, Gediegenheit, ein breites Verantwortungsfundament signalisieren. In Wahrheit ist sie eher Verlegenheit und die Angst, eine oder einen allein ins Feuer der kommenden Monate zu schicken. Und: Alle drei sind nun, da sie eine finale Bewerbung um den Parteivorsitz ausschließen, böse formuliert: lame ducks. Dass Schwesig, Stand jetzt, absagt, ist eine Sensation - und schade. Man hätte geschworen, sie will das Amt, unbedingt. Und den Versuch wär's wert gewesen. Stephan Weil winkt ab, ebenso Olaf Scholz, Letzterer bei "Anne Will" auf unsouveräne, fast schräge Weise. Es wäre schlimm, sollte das Vorsitzendenamt einer zwar aktuell erfolglosen, aber insgesamt wichtigen und honorigen Partei angeboten werden müssen wie sauer Bier. Heiko Maas bringt eine Doppelspitze ins Spiel. Skurril, bei grünem Gedankengut zu klauen, aber in der Not... A propos Maas. Wieso ist sein Name fast nie zu hören, wenn es um künftige Spitzenkandidaten geht? Er ist nicht der Lebhaftesten Einer, hat einst aber immerhin bei Oskar Lafontaine gelernt, im Saarland. Bei alledem muss klar bleiben: Das Land ist wichtiger als jede Partei. Somit stellt sich die Regierungs-, also die GroKo-Frage. Die Protagonisten ergingen sich lange in Ego-Shows. Zuerst die Union mit Seehofer/Maaßen und der Merkel-Nachfolge, jetzt die SPD. In der übrigen Zeit wurde recht anständig gearbeitet. Das spricht dagegen, die GroKo abrupt zu beenden. Allerdings: Dass die SPD nicht an der GroKo sterben will, ist verständlich. Verzweifelt forderten Genossinnen und Genossen in den vergangenen Tagen: "Wir müssen uns inhaltlich klar aufstellen!" Ja! Fast niemand weiß, wofür die SPD inhaltlich steht. Aufstellen: aber wie? Nach links, mit bedingungsloser Grundrente, Vermögensteuer, höherer Erbschaftsteuer und Klimaschutz egal, was er - etwa an Arbeitsplätzen - kostet? Schwer, da sind überall schon Grüne oder Linkspartei. Gravierender:Wichtige Details in diesem Katalog sind überhaupt nicht super für das Land. Über inhaltliche Zerrissenheit helfen oft Charismatiker hinweg. Aus Schulz hätte einer werden können. Aber das hat sich die Partei weitgehend selbst vermasselt; so was sollte sie künftig vermeiden.



Quelle: ots/Allgemeine Zeitung Mainz
392 Wörter im Bericht.

Meinung (Top 10/365)

  • Geteiltes Echo auf Kretzschmars Äußerungen
    Montag, 14. Januar 2019

    Politikexperten in Sachsen-Anhalt reagieren teils kritisch, teils verständnisvoll auf die Aussagen des Ex-Handballprofis Stefan Kretzschmar zu fehlender Meinungsfreiheit in Deutschland. Das...

  • Ex-BGH-Richter Neskovic hält Hartz-IV-Sanktionen für verfassungswidrig
    Donnerstag, 10. Januar 2019

    Der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof, Wolfgang Neskovic, sieht die Hartz-IV-Sanktionen mit dem Grundgesetz in Konflikt: "Seit der bahnbrechenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtshofs...

  • Stich ins Herz der Demokratie - Hassreden bereiten in Polen den Boden für Gewalt
    Montag, 14. Januar 2019

    Ein möglicherweise psychisch kranker Mann sticht den Bürgermeister von Danzig nieder und tötet ihn: Die schreckliche Nachricht aus Polen fügt sich auf erschütternde Weise in eine Zeit der Shitstorms und...

  • Von der Leyens EU-Ambitionen
    Mittwoch, 03. Juli 2019

    Falls die Strippenzieher in der EU geglaubt hatten, mit ihren jüngsten Personalentscheidungen dem europäischen Gedanken und der Demokratie einen Dienst zu erweisen - sie erreichten das genaue...

  • Zwist der Ministerpräsidenten mit Scholz über Flüchtlingskosten
    Donnerstag, 21. März 2019

    Es ist auf den ersten Blick nicht zu entscheiden, ob vier oder fünf Milliarden Euro die Summe sind, mit der der Bund die Integrationskosten der Länder und Kommunen angemessen mildern sollte, und wie...

  • Der nächste Schritt - Krieg?
    Mittwoch, 08. Mai 2019

    Genug ist genug, sagen die iranischen Machthaber und setzten - ein Jahr nachdem die USA einseitig das völkerrechtlich verbindliche Atomabkommen gekündigt und Sanktionen verschärft haben - Teile des...

  • Weisheiten von gestern
    Freitag, 08. Februar 2019

    Ideologien sterben nicht durch ihre Widerlegung - man zieht sie schlicht aus dem Verkehr. Dieses Schicksal wird wohl auch den sogenannten Neoliberalismus ereilen. Er verschwindet langsam. Aber...

  • Korruptionssumpf Regensburg - Übrig blieb davon nichts
    Mittwoch, 03. Juli 2019

    Endlich Gewissheit. Nach 60 Prozesstagen verlässt Joachim Wolbergs das Landgericht Regensburg ohne Strafe. Die Richter wischten in der Urteilsbegründung Anklagepunkt um Anklagepunkt vom Tisch. Übrig blieb...

  • Grüne: Schlechter Tag für die Freiheit des Internets
    Dienstag, 26. März 2019

    Die Grünen im Europäischen Parlament haben mit scharfer Kritik auf die Billigung der Urheberrechtsreform durch das Europaparlament reagiert. Der Spitzenkandidat der deutschen Grünen für die...

  • Die Demokratie muss sich wehrhaft zeigen
    Mittwoch, 26. Juni 2019

    Durch das Geständnis im Fall Lübcke wird zur erschütternden Gewissheit, dass zum ersten Mal in der Nachkriegszeit ein rechtsextremistisch motivierter Mord an einem Staatsvertreter verübt wurde....