Donnerstag, 29 Okt 2020
Foto: Hans Braxmeier / CC0 via Pixabay
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Thorsten Polleit, Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland und Chefvolkswirt der Degussa, analysiert die möglichen Auswirkungen des Brexit. Im Falle eines pro-EU Votums werden diese gering sein. Das Pfund dürfte seine im Zuge der Sorgen um den Brexit entstandenen Verluste wieder wettmachen. Die Risikoprämien werden sinken. In der Folge stellt sich auch an den Aktienmärkten Entspannung ein und die Kurse steigen.

Deshalb sollten die Investoren hellhörig werden, wenn die Deutsche Bank ankündigt, ihre Kapitalplanung zumindest temporär außer Acht zu lassen.
Foto: Jasmin Sessler

In die Vollen

Eine Entscheidung für einen Ausstieg aus der EU hingegen dürfte zumindest kurzfristig für einige Turbulenzen sorgen. Dadurch wird allerdings weder der Finanzplatz London noch die Liquiditätsversorgung der britischen Banken dauerhaft gefährdet sein. "Denn die Zentralbanken werden die Kreditmärkte bei Bedarf mit neuem Geld fluten und die Zinsen niedrig halten, um Zahlungsausfälle von Banken und Staaten abzuwenden", so Polleit.

Das wirkliche Risiko eines Brexits betrifft den Euro. Denn das Beispiel könnte Schule machen und zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone führen. Derartige Sorgen würden in einer verstärkten Kapitalflucht aus den schwachen Euroländern resultieren, was sich wiederum in deutlichen Anstiegen der Target-2-Salden niederschlägt.

Darüber hinaus könnte es auch zu einer verstärkten Kapitalflucht aus der gesamten Eurozone beispielsweise in den US-Dollarraum kommen. Hierdurch käme der Außenhandelswert des Euros unter Druck. Mit sinkendem Außenhandelswert verfiele aber früher oder später auch die innere Kaufkraft: Sollten Anleger beginnen, ihre in Euro nominierten Vermögenswerte abzustoßen, wird die EZB diese mit frisch geschaffenem Geld aufkaufen. Andernfalls drohen ein Zinsanstieg und damit einhergehend ein Einsturz der Kreditpyramide. Dies wird die EZB um jeden Preis verhindern. So käme eine zerstörerische Dynamik in Gang, die im extremsten Fall in einer Hyperinflation enden könnte.

Dabei ist das Kernproblem die besondere Störanfälligkeit des Euro. "Er ist ein durch und durch politisiertes ungedecktes Papiergeld", erklärt Polleit, "dessen Überleben von der Unterstützung unterschiedlicher Nationen abhängt." Genau diese aber wird schwinden, denn mit dem Brexit wird auch die Vision eines zentralistischen EU-Staates in weite Ferne rücken.

Sogar unabhängig vom Votum der Briten stehen in der Eurozone die Zeichen auf Sturm wie Thorsten Polleit abschließend betont: "Die EU-Zentralplaner werden nicht so weitermachen können wie bisher. Die ideologische Führungsrolle ist ihnen entglitten, die brave Folgsamkeit der Bürger schwindet. Die Aussicht, einen EU-Superstaat errichten zu können, rückt in weite Ferne. Damit ist die Geschäftsgrundlage des Euro als politisierte Währung für die geplante Zentralstaatsunion in Frage gestellt."



Quelle: ots/Ludwig von Mises Institut


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