Der Angst nicht nachgeben

Foto: Kevin Dooley / CC BY 2.0 via Flickr

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Es sind genau die Bilder, vor denen wir uns seit Monaten gefürchtet haben: schreiende, weinende Menschen auf der Flucht, nicht irgendwo auf der Welt, sondern am Münchner Marienplatz und im Olympia-Einkaufszentrum. Das sind Orte, die auch die meisten Oberpfälzer schon irgendwann einmal aufgesucht haben oder sogar gut kennen. Zur Zeit ist nicht bekannt was für einen Hintergrund das Attentat in München hat. Es könnte einen terroristischen, vielleicht islamistischen Hintergrund haben, eine Rechts- oder Linksradikale Tat sein, oder einfach das Vorgehen eines Amokläufers.

Sicher ist: Der Horror hat uns alle endgültig erreicht. Wir können uns derzeit nicht mehr völlig sicher fühlen, vielleicht nie, vielleicht nirgends. Paris, Brüssel, Nizza, Würzburg, München: Jahr für Jahr, Monat für Monat, nun Woche für Woche ist der Schrecken näher herangerückt. Jetzt ist er da - und wie gehen wir nun damit um? Angst ist ein Instinkt, der uns vor Urzeiten vor wilden Tieren rettete, indem er Adrenalin ausschüttete und uns die Beine in die Hand nehmen ließ.

Mit wilden Tieren haben wir es in diesen Tagen nur im übertragenen Sinne zu tun. Mit Menschen, die Unschuldige töten, im Namen irgendeiner größenwahnsinnigen Vereinigung, die sich auf ihren irregeleiteten Glauben beruft. Und mit Psychopathen, die den kranken Märtyrerruhm von Selbstmordattentätern tatsächlich für ein erstrebenswertes Ziel halten. Angst ist deshalb nicht der beste Ratgeber. Wenn man um sich blickt, scheint aber genau dieses Gefühl derzeit die Menschen und die Politik in vielen Teilen der Welt zu leiten.

Die Türkei wandelt sich binnen weniger Tage von einer zumindest demokratisch ummantelten Autokratie hin zu einer lupenreinen Diktatur. Präsident Erdogan reißt die alleinige Macht an sich, lässt willkürlich tausende vermeintliche Staatsfeinde verhaften - und Zehntausende jubeln ihm zu.

Donald Trump, der zu Beginn seiner Präsidentschaftskandidatur allenfalls als Schießbudenfigur mit Wallehaar verspottet wurde, ist jetzt offizieller Kandidat der Republikaner und hat gar nicht mal so schlechte Chancen, in die Fußstapfen von Dwight D. Eisenhower, Gerald Ford und George W. Bush zu treten. Er stößt düstere Drohungen gegen Muslime und Armutsflüchtlinge aus, will Mauern bauen und seine Konkurrentin Hillary Clinton wohl am liebsten auf einem Scheiterhaufen stehen sehen. Und Zehntausende jubeln ihm zu.

Russlands Präsident Putin hat sein Land Stück für Stück in die Isolation getrieben, in einen fatalen Krieg verwickelt, paktiert mit Machthabern, die ihm nicht hinsichtlich ideeller Werte und Überzeugungen nahestehen, sondern hinsichtlich der Kaltschnäuzigkeit, mit der sie ihre Interessen verfolgen und durchsetzen. Und auch ihm jubeln Zehntausende zu.

Angst sollte es uns machen, wenn die Welt die Balance verliert. Wenn immer mehr Menschen über Macht verfügen, die nicht einmal so tun, als würden sie ausschließlich zum Wohl ihres Volkes wirken wollen. Wenn immer mehr Menschen glauben, dass man nur einen starken Mann mit martialischen Sprüchen an die Spitze eines Staates stellen muss, und alles wird wie von Zauberhand wieder gut. Angst darf es uns machen, wenn wir die Welt, wie wir sie kannten, erst einmal ad acta legen müssen.

Es ist ein schrecklicher Gedanke, dass die jahrzehntelange Periode weitgehender Stabilität und des Friedens im Land vielleicht unterbrochen ist. Dorthin zurück zu kommen, muss jedoch unser wichtigstes, unser einziges Ziel sein. Deutschland ist eine hochgebildete, hochtechnisierte Zivilisation. Weglaufen ist im Jahr 2016 kein Ausweg. Sich von Angst lähmen zu lassen, ist es auch nicht.

Die Sicherheit wird in den nächsten Tagen wichtigstes Thema sein. Die Politik muss angstfrei besonnene Antworten finden.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


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