Mittwoch, 30 Sep 2020
Putin in Sewastopol, Krim
Putin in Sewastopol, Krim Bild: Kremlin.ru / CC BY-SA 4.0 via Wikipedia
 1-2 Minuten Lesezeit  236 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Wladimir Putin ist für den Westen spätestens seit der Krim-Annexion 2014 ein Paria, ein Ausgestoßener, der nicht mehr dazugehört, wenn sich die Mächtigsten der Welt treffen.

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Der russische Präsident musste sich bei seinem Gegenprogramm mit einem Besuch im abgewirtschafteten Griechenland begnügen. Man sollte in Politikerseelen zwar nicht zu viel hineinpsychologisieren. Aber wenn nicht alles täuscht, dann schmerzt Putin die weltpolitische Außenseiterrolle mehr als alle wirtschaftlichen Sanktionen, die der Westen verhängt hat. Dies ist der Schlüssel zum Verständnis der russischen Außenpolitik im Allgemeinen und der russischen Syrienpolitik im Besonderen.

Man mag das im Westen nicht recht verstehen, aber man sollte es als Tatsache in das eigene politische Denken einbeziehen: Russland ist seit dem Zerfall des Sowjetimperiums eine zutiefst gekränkte Nation - und Präsident Putin personifiziert diesen verletzten Stolz wie kein Zweiter. Es geht Putin in Syrien - und in der Ukraine - um eine besondere Spielart der imperialen Politik, für die es im Russischen sogar ein eigenes, schwer übersetzbares Wort gibt: Derschawnitschestwo, was so viel heißt wie Großmachterei. Es handelt sich dabei um ein Großmachtstreben um des Großmachtseins willen. Alles, was daraus folgt, ist eine Zugabe: die mögliche Destabilisierung der EU durch den Flüchtlingsstrom ebenso wie die Abwehr islamistischer Terroristen.

Und die Moral von der Geschichte? Mit dem üblichen Verständnis von Außenpolitik als Interessenpolitik wird der Westen im Fall Russland scheitern. Es wird deshalb Zeit für neue Politikansätze - spätestens nach der Präsidentenwahl in den USA.



Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung


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