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Schulverpflegung: Bundesernährungsminister Schmidt kämpft für heiße Luft

Foto: Esther Westerveld / Flickr (CC BY 2.0)

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Schulverpflegung: Bundesernährungsminister Schmidt kämpft für heiße Luft

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Er will Dampf machen und verbreitet doch nur heiße Luft! Einen neuen Anlauf zur Verbesserung der Kita- & Schulverpflegung hat Bundesernährungsminister Schmidt heute in Berlin gestartet.

Schmidt: "Unsere Kinder brauchen eine gesunde Ernährung für ihre Entwicklung und den Lernerfolg". Nun will er die Eltern mitnehmen und sensibilisieren: "Auch wir Eltern müssen uns damit auseinandersetzen, was unsere Kinder in den Kantinen zu essen bekommen. Meine Offensive bietet daher konkrete Handlungsempfehlungen für Eltern, um für mehr Qualität beim Essen in Kita und Schule zu sorgen. Darüber hinaus fordere ich, dass das kleine Einmaleins der Ernährung im Unterricht verankert wird - am besten als eigenes Schulfach. Denn Ernährungsbildung in der Theorie und gute Verpflegung in der Praxis gehören zusammen." Idee gut, Umsetzung nicht möglich, antwortete ihm jüngst schon die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Brunhild Kurth. Ökotrophologinnen hatten ihn schon im Dezember 2015 aufgefordert die These nach einem eigenen Schulfach Ernährung einzustellen.

Was nun Herr Minister?

Mal wieder eine Initiative, die nicht bereit ist Geld in das System zugeben und die die Verantwortung nun an die Eltern abgibt.

Bereits 2014 hatte der Minister eine Qualitätsoffensive zur Verbesserung des Schulessens in Deutschland gestartet, damals sollte sie zur "Chefsache werden" und er betonte: "Schulverpflegung muss in direkter Verantwortung der Schulleitung liegen". In wieweit die "Chefs" ihre Verantwortung wahr genommen haben, darüber schweigt er heute leider. Schon vor zwei Jahren formulierte er "Ernährungsbildung und Essensangebot müssten Hand in Hand gehen". Das DNSV fordert, dass der Bund eine gebührenfreie Essensversorgung für alle Kinder und Jugendliche in Schulen und Kindertageseinrichtungen sicherstellen muss. Das kann er durch die Übernahme der Kosten im Rahmen der Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen sowie für alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen im Rahmen der öffentlichen Fürsorge bewirken.

Das DNSV fragt, wann werden aus der Offensive nun endlich gesetzliche Rahmenbedingungen für die Republik geschaffen. Die von Minister Schmidt ausgerufene Informations-Kampagne für Eltern ist bestenfalls gut gemeint. Sie ändern aber zunächst gar nichts daran, dass die Bundesregierung zu wenig Geld in den koordinierten Ausbau der Schulverpflegung steckt und sie wälzt das Problem allein auf die Kommunen und Eltern ab. Es ist verantwortungslos, wenn die Bundesregierung eine Qualitätsoffensive für ein bessere Schulverpflegung ausruft, aber gleichzeitig Handlungsmöglichkeiten bestreitet und keine weiteren Gelder z.B. für den Bau von Schulmensen, oder eine kostenfrei Schulverpflegung zur Verfügung stellt. Auftaktveranstaltungen, wo es dem Ministerium nur darum geht, sich zum wiederholten Male zu präsentieren hatten wir in den letzten Jahren genug!

An Ihren Taten wollen wir sie messen!

Gesunde Ernährung ist eine der wichtigsten politischen Aufgaben. Die Qualität der Kita- & Schulverpflegung ist mangelhaft. Ein Ernährungsführerschein, ein einmaliger Besuch eines Bauernhofes, Haushaltsküchen für Deutschlands Schulen und eine 100.000 EUR teure bundesweite Studie zur Situation an den Ganztagsschulen können nicht die grundsätzlichen Probleme lösen, sie bleiben schöne PR-Maßnahmen der Regierungsbank, Ernährungsminister Schmidt und die Bundesregierung müssen endlich für gesetzliche Qualitätsstandards sorgen und dafür die notwendigen Mittel bereitstellen. Dabei darf aber die Bundeszuständigkeit nicht unter die Räder kommen! Wer dabei nur an die Vernunft und die Eltern appelliert springt leider zu kurz! Kostspielige Werbekampagnen haben nur eine geringe Halbwertzeit!



Quelle: ots/Deutsches Netzwerk für Schulverpflegung (DNSV)


509 Wörter im Bericht.

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