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Vassiliades redet Klartext

Michael VassiliadisFoto: Heinrich-Böll-Stiftung / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)

Meinung
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Vassiliades redet Klartext

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Ein Gewerkschaftschef folgt der Einladung zum Neujahrsempfang der CDU und liest dort den Grünen und den Umweltverbänden die Leviten. Die Krittelei am Kohlekonsens sei eine Einladung an militante Verbände, ihren Krawall und ihre Gewalt als legitim zu betrachten. Michael Vassiliadis, Chef der IG-Bergbau, ist kein schwarzer Hardliner. Der Sohn eines griechischen Gastarbeiters ist Mitglied der SPD und einer, der immer schon über den Tellerrand der Tarifpolitik hinausgeblickt hat: als Mitglied des Rates für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, in der Ethikkommission für sichere Energieversorgung und als Leiter des Innovationsforums Energiewende.

Es ist gut, wenn so jemand Klartext redet. Es ist unerträglich, dass diejenigen, die eben noch Barrikaden errichtet und Polizisten mit Kot beworfen haben, um ein Stückchen Hambacher Forst zu retten, nun, wo der Wald gerettet ist, weiterziehen wollen, um sich ein paar Kilometer weiter um ein neues, mit modernster Filtertechnik ausgestattetes Kohlekraftwerk zu prügeln. Es gehört zum Wesen eines Kompromisses, dass jeder zum Wohle des Ganzen von seiner Maximalforderung abrückt. Es ist absurd, den Eindruck zu erwecken, die Welt versänke in der Klimakatastrophe, nur weil Datteln 4 ans Netz geht.

Vassiliadis hat gemahnt, endlich nach vorne zu schauen. Da fühlt er sich auch den Gewerkschaftsmitgliedern und allen Beschäftigten verpflichtet. Jeder weiß inzwischen, dass es dringend Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels braucht. Aber mit Recht erwarten die Arbeiter und die Angestellten auch eine Antwort auf die Frage, womit sie morgen ihr Brot verdienen können.

Deutschland hat sich früh entschieden, aus der CO2-freien Atomenergie auszusteigen. Jetzt gibt es einen Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohle. Aber wie soll die Industrie mit höheren Strompreisen klarkommen und trotzdem international wettbewerbsfähig bleiben? Auch die Subventionen, die der Staat dafür in Aussicht stellt, müssen ja von irgendjemandem verdient werden.

Die regenerativen Energien müssen ausgebaut werden. Deutschland kann sich einen zeitintensiven St.-Florians-Streit um Standorte für Windräder und Stromtrassen nicht leisten. Da können Grüne und Öko-Verbände Brücken bauen. Und die Politik muss mitziehen. Es macht Hoffnung, dass RWE nun einen Runden Tisch zum Thema anregt. Wer in Zukunft kein Geld mehr mit Kohle und Atomkraft verdienen kann, muss sein grünes, klimafreundliches Herz entdecken.



Quelle: ots/Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

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