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Frankfurt (ots) - Es liest sich wie Werbung für sportive Modelle aus deutscher Autoproduktion: "Von null auf hundert in acht Wochen", titelte das Bankhaus M.M. Warburg vor dem Wochenende einen Kommentar zum Anleihemarkt. Der Kursverfall der Staatsanleihen hat die Marktteilnehmer stark erschrocken. Anfang April noch bei rekordtiefen 5 Basispunkten, erreichte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in der abgelaufenen Woche die Marke von 1%. Nicht dass dies per se ein Niveau wäre, bei dem befürchtet werden müsste, dass es die Kreditvergabe und damit letztlich die Konjunktur abwürgen würde. Im Gegenteil: Eine Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen mit 1% wäre vor nicht allzu langer Zeit noch als völlig lächerlich bezeichnet worden.

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Das Problem ist jedoch das Tempo, in dem die Anleiherenditen hochgeschossen sind. Marktteilnehmer treibt die Sorge um, dass das so weitergehen könnte und es dadurch insgesamt zu heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen könnte. Daher will auch bei den Institutionellen, die durch das Niedrigrenditeumfeld vor wachsenden größeren Risiken hinsichtlich ihrer langfristigen Verpflichtungen stehen, angesichts des nun etwas angehobenen Renditeniveaus derzeit keine rechte Freude aufkommen.

Erschreckend genug sind auch die Spuren, die der Kursrutsch an den Staatsanleihemärkten in den Portfolien hinterlässt. Weltweit haben Staatsanleihen, gemessen am Bank of America Merrill Lynch Global Government Index, im zweiten Quartal bislang 2,9% eingebüßt. Liegt der Index auch am 30. Juni auf diesem Niveau, wäre dies laut Bloomberg das Quartal mit der schwächsten weltweiten Staatsanleihe-Performance seit dem Jahr 1987. Noch schmerzhafter fällt die bisherige Quartalsbilanz der Bundesanleihen aus. Der Gesamtertrag (Kuponrendite plus Kursentwicklung) seit Beginn des Quartals beläuft sich auf -4,9%.

In den Analyseabteilungen der Banken stellen sich die Anleiheexperten auf einen weiteren Anstieg der Renditen ein. Allerdings wird nicht damit gerechnet, dass die Renditen in dem Tempo der zurückliegenden Wochen weiter anziehen werden. Die Mehrheit geht von auf längere Zeit niedrig bleibenden Renditen aus, einige Häuser erwarten, dass die Renditen wieder nachgeben werden. Zu Letzteren zählt die Commerzbank. Das Institut hält die in der Eonia-Kurve implizierte Erwartung, dass die Tagesgeldsätze bis zum Jahresende um mehr als 15 Basispunkte steigen, sowie den Anstieg der realen Renditen für überzogen bzw. stark widersprüchlich zu den geldpolitischen und Inflationsaussichten. Kurzfristig belastet jedoch weiter die sich anbahnende Zinswende in den USA. Zusätzlich belasten würden Anzeichen für einen Kompromiss mit Griechenland vor dem Treffen der Eurogruppe am Donnerstag. Die Bank glaubt, dass die zehnjährige Bundrendite zunächst bis rund 1,25% steigt, ehe die Renditen im Sommer wegen des zunehmenden Reinvestitionsbedarfs wieder nachgeben.

Die Helaba hat ihre Prognosen für die zehnjährige Bundrendite für das dritte und das vierte Quartal um 75 Basispunkte auf 1,25% erhöht. Der jüngste Renditeanstieg und die Kommentare von EZB-Chef Mario Draghi hätten zuletzt den Eindruck vermittelt, dass die Notenbank den Daumen vom langen Ende der Zinsstrukturkurve genommen hat. Die Fundamentaldaten, die schon länger in eine positive Richtung wiesen, könnten jetzt mehr Wirkung entfalten. Eine steigende Teuerung und günstige Konjunkturdaten würden im zweiten Halbjahr belastend wirken. Hinzu komme die anstehende Zinswende der Fed. "Deren Signalwirkung sollte besser nicht unterschätzt werden, zumal QE seinen Nimbus weitgehend eingebüßt hat."

M.M. Warburg glaubt, dass die Schwäche der Rentenmärkte "mit der vermutlich im September stattfindenden ersten Zinserhöhung in den USA" zu erklären ist. Sowohl 2004 als auch 1994 sei es an den Rentenmärkten im Vorfeld einer ersten Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten zu Kursverlusten gekommen. Mit Blick auf die beiden wichtigsten fundamentalen Einflussfaktoren, die die Zinsen beeinflussten, nämlich das Wirtschaftswachstum und die Inflation, unterscheide sich die heutige Situation entscheidend von den Jahren 1994 und 2004. Sowohl 1994 als auch 2004 sei es zu einer deutlichen Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums gekommen, damit einher sei ein stärkerer globaler Preisauftrieb gegangen. Die Bank rechnet jedoch mit einer gering bleibenden langfristigen Konjunktur- und Inflationsdynamik. Dies deute darauf hin, dass das Zinsniveau auch langfristig niedrig bleiben werde.



Quelle: Börsen-Zeitung


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