Corona gibt uns die Chance zu überdenken, an welchen Maßstäben wir uns orientieren wollen.
Corona gibt uns die Chance zu überdenken, an welchen Maßstäben wir uns orientieren wollen. Foto: Rebecca Holm
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Nun wissen wir also Bescheid. Die Bundesregierung und die Länder haben ihren Fahrplan verkündet, mit dem sie den Weg aus der Corona-Krise gehen wollen. Bei Geschäften ist man etwas mutiger als bei den Schulen, die erwartete Maskenpflicht kommt nur abgeschwächt als Empfehlung. Damit haben unsere Regierenden einen Mittelweg beschritten. Diese Linie hat einen bedeutenden Vorteil: Sie bietet die höchste Wahrscheinlichkeit, dass ein möglichst großer Teil der Bevölkerung den Weg mitgeht. Denn wichtig ist schon, dass die Bürger glauben, das Richtige zu tun.

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Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

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Glauben sie nicht daran, dann hat auch das Richtige kaum eine Chance zu gelingen. Das Problem ist ja, dass niemand wirklich weiß, was jetzt das Richtige ist. Entfernen Sie sich auf der Stelle, sobald Ihnen jemand weismachen will, dass er oder sie genau wüsste, wie wir am besten durch diese Seuchenzeit kommen. Ab welcher Verdopplungsrate der Neuinfektionen können wir die Schulen öffnen? Oder wieder Restaurants öffnen lassen? Ab wann werden massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen? Wie können wir das am besten verhindern? Wie lange halten die Menschen die Kontaktbeschränkungen noch aus? All diese Fragen können zurzeit auch die besten Experten und Wissenschaftler unmöglich mit verlässlicher Sicherheit beantworten. Sie versuchen ihr Bestes, aber auch sie irren sich und müssen sich mitunter korrigieren. Einig sind sie sich ebenfalls nicht - wie auch? Nur, bessere Grundlagen haben wir nun mal nicht. Und auf diesen Grundlagen müssen unsere Politiker Entscheidungen treffen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als große Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Sie können nicht darauf warten, bis genaue Erkenntnisse vorliegen. Deshalb ist bereits heute absehbar, dass Kanzlerin, Minister und Ministerpräsidenten auch Beschlüsse fassen, die sich hinterher als nicht optimal oder auch als gänzlich falsch erweisen werden. Die eine oder der andere Maßnahme werden sie zurückziehen müssen, ja. Aber sie handeln in ihrer großen Mehrheit in Sachen Corona sehr wenig von Parteitaktik gelenkt, sondern sehr viel nach bestem Wissen und Gewissen.

Das ist beruhigend und extrem wichtig für die Gesellschaft, die sich in guten Händen wissen will. Wir sehen das große Glück, Politiker an der Spitze des Staates zu haben, die abwägen und dennoch handlungsfähig sind. Das Gegenteil sind etwa der in allen entscheidenden Aspekten limitierte Haudrauf Trump; oder der aufstrebende Diktator Orban in Ungarn, der das Virus missbraucht, um die Bürgerrechte ins Grab zu bringen. Es ist vielleicht eine der besten Realitäten dieser Tage, dass bei uns nun Spitzenpolitiker an Glaubwürdigkeit gewinnen, weil sie sich an Expertenwissen orientieren und deren Erkenntnisse nicht hemmungslos eigenen Ideologien opfern. Da drängt sich die Frage auf, warum das so häufig anders ist. Und warum auch wir Bürger erst im Angesicht dieser unmittelbaren Bedrohung bereit sind, uns heftig einzuschränken und im Sinne einer besseren Zukunft beziehungsweise aus Rücksicht auf Schwächere zu verzichten? Warum klappt das beim am Ende noch viel wirkmächtigeren Klimawandel derart schlecht?

Der Grund liegt nahe: Weil das Ereignis noch zu weit weg ist. Corona gibt uns die Chance zu überdenken, an welchen Maßstäben wir uns orientieren wollen. Die Krise zeigt uns, dass uns die Schließung von Grenzen wehtut und schadet; dass es aber nicht klug ist, lebenswichtige Dinge komplett in China fertigen zu lassen, nur weil es billiger ist und die Umweltschäden auch dort verbleiben. Sie zeigt uns noch viel mehr. Etwa, dass wir vorsorgen müssen, auch finanziell. Für kommende Pandemien, aber auch für den Klimawandel. Am besten gemeinsam als Europa, denn es betrifft uns alle und miteinander können wir mehr stemmen.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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